sustainability – your responsibility.

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[project21] ist in dem im Juni 2015 veröffentlichten Nachhaltigkeitsbericht 2013/14 der ETH Zürich porträtiert worden. Wir möchten hiermit zum Bericht als Studierende der ETH Stellung nehmen.

Wir freuen uns darüber und möchten positiv hervorstreichen, dass

  • Bemühungen gemacht werden, Handlungen an der ETH zur Nachhaltigkeit zu beschreiben und diese mit entsprechenden Zielen in einem umfangreichen Bericht festzuhalten.
  • der Bericht versucht, unterschiedliche Ebenen der Nachhaltigkeit abzubilden und verschiedene Akteure zu porträtieren, womit auch Stimmen und Projekte der Studierenden wie die Nachhaltigkeitswoche Einzug finden.
  • die ETH diverse Ziele „on track“ hat – beispielsweise „Recycling Days“ an der ETH zu veranstalten oder jetzige ETH-Postautos durch Elektroautos zu ersetzen.
  • die ETH unter dem Stichwort „living campus“ mehr ETH-interne Forschung anstrebt.
  • einige Initiativen, wie etwa den Papierverbrauch zu reduzieren, zu greifen scheinen.
  • dazu eingeladen wird, den Bericht zu kommentieren.

Uns sind folgende Punkte negativ aufgefallen, die aus unserer Sicht für Einbussen in der Vorbildfunktion der ETH sowie der Glaubwürdigkeit des Nachhaltigkeitsberichtes sorgen und daher noch Potential zu Verbesserung aufweisen:

  1. Der gesamte Bereich der Anlagegelder der ETH ist äusserst intransparent. Umwelt-relevante Daten werden nicht erhoben, obwohl geeignete Instrumente dazu vorhanden sind. Weder die Prinzipien der „ISCN/GULF Sustainable Campus Charter“ noch der „GRI Standard“ berücksichtigen diese wichtige Komponente.
    1. Es ist völlig unklar in was und in welcher Form die ETH-Foundation konkret Investiert. In welchem Masse werden Unternehmungen oder Anlagen unterstützt, die fossile Brennstoff-Förderung, Kernenergie-Produktion oder ähnliches bezwecken?
    2. Inwiefern lassen sich die Nachhaltigkeitsbestrebungen der ETH mit den Investitionsgrundsätzen der Pensionskasse Publica vereinbaren?
    3. Da sich somit nicht abschätzen lässt, wie der Umwelteinfluss der Anlagen der ETH aussieht, erscheinen uns die Umweltstatistiken des vorliegenden Berichtes unvollständig und unzureichend.Die fehlende Transparenz in der Finanzierung der Forschung und Lehre wirft diverse Fragen auf. Wie sehen die „Private Sector Collaborations“ genau aus und welche Konsequenzen bringen diese mit sich? Wo sind Verträge einsehbar?
  2. Es bleibt unklar, wie die ETH-Führung konkret plant, den wachsenden CO2-Fussabdruck im Bereich der zur Mobilität gehörenden Flugreisen zu verringern – die jetzigen Handlungen scheinen bisher deutlich zu kurz zu greifen.
  3. Wie und von wem die formulierten „konkreten und messbaren Ziele“, die (noch) nicht erreicht oder „on track“ sind, weiter verfolgt werden, bleibt offen. Welche Rolle nimmt der ‚Delegierte für Nachhaltigkeit’ ein, welche ETH Sustainability?
  4. Auf der zweiten Seite macht die ETH Werbung für die nachhaltige Form ihrer Lehre. Diese ist jedoch aus unserer Sicht im Moment noch keine Tatsache. Dass die ETH ihren Studierenden Möglichkeiten bietet, die ihnen „verantwortungsvolles Handeln und kritisches Denken in Leben und Arbeit“ ermöglichen, ist bei den Studierenden so gut wie nicht angekommen. Zudem sollte sich dieses Angebot nicht nur auf die Studierenden beschränken, sondern mit all ihren Folgen zur integrierten Kultur für alle werden, die an der ETH wirken – und nicht nur ein medienwirksames Anhängsel bleiben.
  5. Die ETH beschreibt die eigene Infrastruktur als „living laboratory“. Die interne Forschung muss aber auch eine Anwendung entsprechend ihrer Ergebnisse nach sich ziehen. Ob im Mensa-Angebot oder der Infrastruktur – sichtbare Änderungen sind nötig, bevor die Bezeichnung wirklich verdient ist.
  6. Die strategische Ausrichtung der Forschung an der ETH ist im Hinblick auf das „President’s statement“ noch weiter zu entwickeln. Bereiche wie Cradle-to-Cradle-Prozesse, Recycling oder Diskussionen um Wirtschaftswachstum sind in der ETH-Forschung unserer Meinung nach zu wenig berücksichtigt.
  7. Wenn Sommer-/Winterschulen erwähnt werden, in Zukunft wohl auch die ETH-Woche, muss auch klar sein, dass leider nur eine kleine Minderheit der Studierenden Zeit dazu hat. Oft finden diese Veranstaltungen nämlich kurz vor einer Prüfungssession oder gerade danach statt, so dass viele interessierte Studierende von einer Teilnahme absehen müssen. 

Diese Kritikpunkte sollen ein erster Schritt sein, unsererseits aktiver in der Hochschulpolitik der ETH mitzuwirken. Wir laden alle, insbesondere die anderen Studierenden ein, diese Listen zu diskutieren und fortzuführen. Wir werden sie laufend auf dieser öffentlichen Website aktualisieren.

Auch wenn die ETH Zürich im Vergleich mit anderen Hochschulen in vielen Bereichen der Nachhaltigkeit schon eine Vorreiterrolle einnimmt, sind wir der Meinung, dass es falsch wäre sich nun darauf auszuruhen. Wir bieten den Verantwortlichen zu jedem der genannten Punkte konstruktive Mithilfe an, um möglichst umfassende und tragbare Lösungen zu finden. Wir hoffen hiermit zum Erfolg der Bemühungen der ETH beizutragen, eine „nachhaltigere Zukunft für unseren Planeten zu formen“.