sustainability – your responsibility.

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Man könnte uns in dieser Ausgabe Inkonsequenz vorwerfen. Mit Recht. Unser Konzept ist so aufgebaut, dass ein inhaltlich abstrakter Teil ein Thema einführt, gefolgt von einem zweiten Teil mit Forschungsresultaten. Zuletzt sollen einige Tipps zur konkreten Anwendung im Alltag das Thema abschliessen. Der letzte Teil kommt in dieser Ausgabe zu kurz, das heisst, es gibt ihn nicht. Also: Inkonsequenz.
Natürlich wäre es wünschenswert, könnten wir einen Anwendungskatalog im Stile der Zehn Gebote aufstellen. Nur ist es sehr einfach mit moralisch erhobenem Zeigefinger zu sagen, dass künftig alle ihre Autos verschrotten, nur noch Esswaren aus der Region beziehen und ausserdem nicht mehr in die Ferien fliegen sollen. Alle diese Massnahmen würden zu einem sorgsameren Umgang mit der Umwelt führen, das ist klar. Aber die Welt ist für einfache Rezepte zu komplex. Zudem haben Menschen sehr heterogene Bedürfnisse. Wenn es Frau Müllers grosse Freude ist, nach getaner Arbeit südamerikanischen Wein ihrer Verwandten zu trinken, dann scheint niemand das Recht haben, ihr diesen Genuss zu verbieten. Vielmehr kann das Thema der Suffizienz uns aufzeigen, dass wir via Konsumation einen immensen Einfluss darauf haben, was auf dem Markt angeboten wird und was nicht. Sowohl im Bezug auf Qualität und Herkunft der Produkte, als auch im Bezug auf deren Menge.

Es ist anmassend zu deklarieren, dass Verzicht mehr Glück im Leben bringt. Jedem Kind ist klar, dass nicht nur das, was für andere oder für die Umwelt gut ist, glücklich machen kann. Wenn wir vom Glück her argumentieren, sind wir auf einer sehr subjektiven Ebene. Wollen wir anderen sagen, was sie ureigentlich glücklich macht? Oder besser: was sie glücklich machen soll?
 Das Nachhaltigkeitsthema ist immer ein moralisches. Man könnte sich ja auf den Standpunkt stellen, dass es egal ist, was mit der Erde und unseren Nachkommen geschieht: „Nach uns die Sintflut!“ Die allermeisten Menschen denken nicht so. Zum Glück für die Welt, könnte man sagen. Wenn es aber nicht gleichgültig ist, dann müssen wir uns schon die Frage stellen, wie wir mit unserer Umwelt umgehen wollen.
Die Aufforderung, mit den Ressourcen effizient umzugehen, leuchtet allen ein. Fürwahr: es gibt zu viele Unbekannte in der Nachhaltigkeitsgleichung. Wir wissen weder genau, wie viele Ressourcen vorhanden sind, noch welche Einwirkungen wir ertragen können. Deshalb ist es notwendig, über Suffizienz nachzudenken und sich zu fragen, welche Dinge wirklich unabdingbar sind für das Leben.
Zuletzt ein Beispiel für den Bereich des Essens, wo wir längst wissen, dass mehr nicht unbedingt besser ist: Wir essen auch nicht soviel, wie wir uns leisten könnten. Es gibt beim Essen ein Zuviel, auch wenn Essen an sich ein Gut und ein Genuss ist. Mass halten ist also eine durchaus bekannte Tugend.

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