sustainability – your responsibility.

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VOR FÜNF JAHREN HABEN WIR DAS UNTERNEHMEN TRAKTOR GETRÄNKE AG GEGRÜNDET. ALS UMWELTNATURWISSENSCHAFTER WAR ES UNS IMMER KLAR, DASS DIE NACHHALTIGKEIT UNSERES UNTERNEHMENS EINE WICHTIGE ROLLE SPIELEN WIRD. DOCH KANN EIN START-UP ÜBERHAUPT NACHHALTIG SEIN? WAS HEISST DENN «NACHHALTIG» FÜR EINE KLEINSTFIRMA?

Philippe Schenkel (1974) hat an der ETH Umweltnaturwissenschaften studiert. Anschliessend hat er in einem Beratungsunternehmen gearbeitet und sich mit Betriebswirtschaft auseinandergesetzt. 2003 hat er zusammen mit Michael Wehrli die Traktor Getränke AG gegründet.

Michael Wehrli (1972) hat an der ETH Umweltnaturwissenschaften studiert, danach seine Brötchen bei Unilever und Lindt & Sprüngli verdient. 2003 hat er zusammen mit Philippe Schenkel die Traktor Getränke AG gegründet. Im Sommer 2002 hatten wir in London Smoothies kennen- und liebengelernt. Smoothies sind Fruchtsäfte mit viel fein püriertem Fruchtfleisch, sozusagen ein frischer Fruchtsnack. Uns haben es die Smoothies sogleich angetan, weil sie natürlich, gesund und praktisch sind und dabei noch wunderbar schmecken. Zurück in der Schweiz haben wir die Smoothies so vermisst, dass wir uns überlegt haben, selbst Smoothies zu produzieren. Aus diesen Überlegungen wuchs ein Projekt; nach einem Jahr Arbeit hatten wir einen Businessplan in der Hand und die Überzeugung gewonnen, dass wir es schaffen können.

Fünf Jahre später können wir sagen hat uns die gute Entwicklung des Unternehmens Recht gegeben: Nach drei harten Anfangsjahren haben wir 2007 die Gewinnschwelle erreicht und können uns an einem kontinuierlichem Wachstum freuen. Ein Erfolgsfaktor von Traktor ist unserer Ansicht nach, dass wir Aspekte der Nachhaltigkeit von Beginn weg stark gewichtet haben. Konkret heisst dies, die ökologischen Auswirkungen zu minimieren, sozial verantwortlich zu handeln und dabei wirtschaftlich erfolgreich zu sein. In der Start-Up-Phase ist dies nicht immer einfach, denn der Beginn ist meistens alles andere als nachhaltig: Ökonomisch steht man dauernd am Abgrund (die Mehrheit der neu gegründeten Firmen wird keine drei Jahre alt), die Arbeitszeiten sind langfristig untragbar und an jeder Stelle muss Geld gespart werden. Dennoch konnten wir bei Traktor gerade im Umweltbereich einiges erreichen: (a) Wir haben von Beginn weg konsequent auf 100% Bio gesetzt, auch wenn die Bio-Rohstoffe im Mittel gut 50% teurer sind als die konventionellen und die Beschaffung deutlich aufwändiger ist. Ausschlaggebender Grund für Bio war für uns der langfristige Erhalt der Bodenfruchtbarkeit. (b) Seit dem Juli 2005 arbeiten wir mit der Stiftung Myclimate zusammen, um die CO2-Emissionen, die unsere Produkte verursachen (vor allem die Produktion der Flaschen sowie die Transporte schenken ein) zu kompensieren. Wir waren somit das erste «klimaneutrale» Lebensmittel auf dem Schweizer Markt. (c) Bei der Verpackung konnten wir kontinuierliche Verbesserungen erzielen. So konnte das Flaschengewicht diesen Sommer deutlich reduziert und ein lokaler Produzent gefunden werden. Auch bei der Umpackung konnte die Ökobilanz durch die Umstellung von Karton auf Schrumpffolie verbessert werden.

Schwieriger ist es zu beurteilen, ob Traktor auch sozial auf nachhaltigem Kurs ist. Auf der Lohnliste stehen momentan sechs Personen, die (zumindest teilweise) von Trakor leben. Die Löhne sind noch nicht auf marktüblichem Niveau, dafür ist die Flexibilität gross und dank Teilzeitarbeit lassen sich Beruf und Familie gut unter einen Hut bringen. Die zeitliche Belastung ist noch immer über der Norm, bessert sich aber zusehends. Neben diesen direkten sozialen Effekten gibt es auch sekundäre Effekte, die wohl in der Summe überwiegen: Kleinbauern, die für ihre Biofrüchte einen besseren Preis erhalten, die enstandenen Arbeitsplätze bei unseren Produzenten und der Zusatzumsatz in den Bioläden. Es wäre interessant, diesen Effekten nachzugehen und sie transparent zu machen.

 Wirtschaftlich gesehen ist die Firma gewinnbringend, wegen ihrer Kleinheit jedoch auch angreifbar. Es ist das Ziel von Traktor, weiterhin zu wachsen und das Geschäft auf mehrere Standbeine zu stellen, um die Firma gegenüber Krisensituationen resistenter zu machen. Es hat sich gezeigt, dass es dabei durchaus sinnvoll sein kann, von der «reinen Lehre» abzuweichen: Ein Teil des wirtschaftlichen Erfolges ist dem Entscheid zu verdanken, auch für Dritte zu produzieren, die nicht immer dieselben Qualitätsansprüche (100% Bio, keine Konzentrate) wie Traktor stellen. Wir haben in diesem Fall die ökonomischen Aspekte und die Arbeitsplätze höher gewichtet als die Ökologie. Zumindest kurzfristig sind also gewisse Zielkonflikte zwischen verschiedenen Aspekten der Nachhaltigkeit nicht von der Hand zu weisen; andererseits ermöglichen es uns die zusätzlichen Erträge wieder, in langfristige Projekte zu investieren. Unserer Ansicht nach ist ein gewisser Pragmatismus im Umgang mit der Nachhaltigkeit unabdingbar, wichtig ist für uns, dass die Richtung stimmt, in welche man sich bewegt.


Im Internet: www.traktorgetraenke.ch


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