sustainability – your responsibility.

Facebook Twitter identi.ca RSS Feed Newsletter

EIN GUTES HAT DER KLIMAWANDEL JA — ER BRINGT DAS THEMA NACHHALTIGKEIT SELBST IN SO ENTLEGENE GEGENDEN WIE DIE WERBEBRANCHE. DER BRITISCHE ENERGIE- UND MINERALÖLKONZERN BP ETWA IST MITTLERWEILE GANZ BESESSEN VON DER IDEE, UNSERE UMWELT ZU RETTEN. WIRKLICH? EIN GESPRÄCH SUCHT NACH AUFKLÄRUNG.

Isabelle Thommen, lic phil I, arbeitet seit 2001 bei BP. Seit 2003 ist sie verantwortlich für das Personalwesen sowie den Bereich «communications & external affairs» bei BP Schweiz. STUDIO!SUS: Frau Thommen, die aktuellen Werbebotschaften von BP lassen kaum mehr den Ölriesen erkennen; es wird fast ausschliesslich von nachwachsenden Rohstoffen und erneuerbaren Energien gesprochen, und das neue Logo mit dem treffenden Namen «Helios» wurde wohl auch nicht ganz zufällig der Sonne nachempfunden. Wie sehr kommt der Konzern dieser Darstellung momentan nach? Wie gross ist der Anteil, den erneuerbare Energien im Umsatz von BP ausmachen?
→ Unsere Werbung favorisiert nicht eine Energieform vor anderen: Es gibt kein «Entweder-oder» bei der Frage, welche Energieträger — fossile oder alternative — zukünftig den Energiebedarf einer wachsenden Weltbevölkerung decken können bzw. sollen. Vielmehr heisst das Gebot der Stunde: «Sowohl-als-auch» — Ausweitung der Energieträger und Technologien sowie die Umsetzung der Strategien zur Einsparung und Effizienzsteigerung. Deshalb engagiert sich BP weltweit aktiv sowohl in der Sicherung von Öl- und Gasreserven als auch in der Entwicklung alternativer Energieträger.

STUDIO!SUS: In welchen Bereichen des Marktes der nachwachsenden Rohstoffe betätigt sich BP? Was ist zukünftig geplant?
→ BP gehört weltweit zu den grössten Anbietern von Solarstrom. Wir konzentrieren uns bisher auf Photovoltaik, die solarelektrische Nutzung des Sonnenlichts, weil ihr technologisch-wirtschaftliches Zukunftspotenzial überzeugend ist. Derzeit verfügen wir über 230 MW Zellproduktionskapazität und wollen dies weiter ausbauen. Für Forschung und Entwicklung gibt BP 2008 13 Millionen US-Dollar im Solarbereich aus. Daneben geht weltweit täglich ein Windrad von BP ans Netz. Bis Ende 2008 will BP ihre derzeitige Produktionskapazität weltweit auf etwa 1 000 MW ausbauen (2006: 30 MW). Diverse Projekte wie z.B. der weltgrösste Windpark mit 5 000 MW in South Dakota/USA sind in Planung — dadurch ist BP in der Lage, die Windenergiekapazität gemeinsam mit Partnerunternehmen bis 2015 auf etwa 15 000 MW allein in den USA auszubauen. Noch stärker engagiert sich BP im Bereich der Biokraftstoffe. Mitte 2006 wurde der neue Geschäftsbereich «BP Biofuels» geschaffen. Allein im Zeitraum 2008—2010 investiert die BP 950 Mio. US$ in die Entwicklung ihres Biotreibstoffgeschäfts sowie von Biotreibstofftechnologien. In einem Joint Venture mit dem biowissenschaftlichen Energieinstitut in Berkeley will BP in Indien, Südafrika, Südostasien und in Zentral- und Südamerika in den nächsten Jahren auf einer Millionen Hektar marginalem Land Jatropha anpflanzen und damit weltweit zum grössten Hersteller dieses Biotreibstoffs aufsteigen. Im Rahmen eines anderen Joint Ventures mit brasilianischen Partnerunternehmen investiert BP des weiteren eine Milliarde US-Dollar in zwei neue Ethanolraffinerien, deren erste bereits die Produktion aufgenommen hat.

STUDIO!SUS: Wie ernst nimmt es die bp mit dem Umstieg auf erneuerbare En- ergien nun tatsächlich? Will sich der Konzern wirklich vom Saulus zum Paulus wandeln, oder bedeutet der Werbespruch «beyond petroleum» lediglich eine stärkere Konzentration von BP auf Gas als Energiequelle, das in seiner CO2 - Bilanz nur eine marginale Verbesserung zum Erdöl darstellt?
→ Wir haben uns Ende 2005 öffentlich verpflichtet, bis 2015 acht Milliarden US Dollar in alternative Energien zu investieren — aber das ist für uns erst der Anfang. Zugleich schreiben wir das Thema Nachhaltigkeit sehr gross – nicht nur bei der Etablierung von und der Forschung zu erneuerbaren Energien, sondern auch bei unserem traditionellen Kerngeschäft. Hier nur ein Beispiel: Wir arbeiten an zwei neuen Kraftwerksprojekten in Abu Dhabi und Kalifornien, um bei der eingesetzten fossilen Energie Kohlendioxid und Wasserstoff zu trennen, das CO2 in eine bestehende Lagerstätte zurückzuführen und anschliessend aus dem Wasserstoff kohlenstofffreien Strom herzustellen. Das ist eine Schlüsseltechnologie der Zukunft, um den weiterhin steigenden Energiebedarf der Menschheit zu decken, ohne weiterhin CO2 in den Massstäben von heute zu emittieren.

STUDIO!SUS: Gegenwärtig beteiligt sich BP am Abbau von Ölsanden in der ka- nadischen Provinz Alberta, einem Verfahren, das bedeutend energieintensiver ist als herkömmliche Bohrlochförderung und darüber hinaus eine zerstörte Landschaft und verpestete Gewässer hinterlässt. Wie lässt sich ein solches Engagement mit dem neuen Firmenkonzept vereinigen?
→ BP wird in Kanada — im Gegensatz zu anderen Unternehmen, die heute schon hunderttausende von Fass pro Tag erzeugen — erst ca. 2012 aktiv. Diese Vorlaufzeit erklärt sich daraus, dass wir hier neue, emissionsärmere und umweltfreundlichere Wege suchen. So beteiligen wir uns nicht am Oberflächen-Abbau von Ölsand, sondern entwickeln das «In-Situ»-Verfahren weiter: Öl und Gas werden unter der Erde durch heissen Dampf gelöst. Ganz klar jedoch: Die Produktion von Öl aus Ölsand oder -schiefer ist insgesamt mit einem Mehr an Emissionen und Umweltauswirkungen verbunden als die traditionelle Ölförderung. Diese Umweltauswirkungen sind abzuwägen mit der sehr wichtigen Frage der Energiesicherheit. Ein demokratischer Staat wie Kanada bietet hier der Welt Reserven auf dem Niveau von z.B. Saudi Arabien, das wird man angesichts der Verstaatlichung von Öl und Gas in weiten Teilen der Welt nicht mehr ignorieren können. Generell gilt für alle Projekte: Das Ziel von BP besteht nicht nur darin, den gesetzlichen Anforderungen zu genügen, sondern auch die Auswirkungen der operativen Tätigkeit auf Umwelt und Gesundheit so weit wie möglich einzuschränken, indem Abfall und Emissionen reduziert und Rohstoffe verantwortungsvoll eingesetzt werden. Alle BP Standorte sind bestrebt, Umweltschäden, die im Verlauf des Lebenszyklus einer Anlage entstehen können, so gering wie möglich zu halten — die Massnahmen reichen dabei von der sorgfältigen Bewertung der Erschliessungsmöglichkeiten bis hin zum vorantwortungsvollen Rückbau und der Sanierung eines Standorts nach der Betriebseinstellung.

Lizenz: by-nc-sa