sustainability – your responsibility.

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WIE BRINGT MAN UNTERNEHMER DAZU, DEN WEG IN RICHTUNG NACHHALTIGKEIT EINZUSCHLAGEN? OFT REICHE BEREITS DAS AUfZEIGEN VON MÖGLICHKEITEN, SAGT GABI HILDESHEIMER VON DER ÖBU. DER STUDIOSUS SPRACH MIT IHR ÜBER DIE ARBEIT BEIM NETZWERK FÜR NACHHALTIGES WIRTSCHAFTEN.

Gabi Hildesheimer studierte Biologie an der Universität Zürich. Danach arbeitete sie in der Umweltberatung. Seit 11 Jahren leitet sie die Öbu.


STUDIO!SUS: Was ist die Öbu und was sind Ihre Ziele?
→ Die Öbu ging aus einer Studenteninitiative der HSG St. Gallen, genauer der oikos, hervor. Sie wurde im Jahre 1989 gegründet und umfasst heute 4 Vollzeitstellen. Die Öbu ist ein überparteilicher Verband und hat aktuell 330 Mitglieder, darunter Firmen aus den verschiedensten Branchen. Ziel der Öbu ist es, nachhaltiges Wirtschaften zu fördern. In diesem Rahmen ist eine der Hauptaufgaben die Koordination dieses Netzwerkes, d.h. die Öbu ermöglicht den Firmen den gegenseitigen Austausch von Erfahrungen und stellt Werkzeuge zum Bewerten und Überprüfen von Nachhaltigkeit zur Verfügung. Dies hilft erstens den Firmen bei deren Entwicklung hin zu nachhaltigerem Wirtschaften, andererseits können sich diese auch präsentieren und sich mit ihren Erfolgen brüsten. Die Öbu ist demnach eine Plattform, welche das Wissen um die Rentabilität nachhaltigen Wirtschaftens breiter verankern soll. Am Rande beschäftigen wir uns auch mit institutionellen Rahmenbedingungen im Hinblick auf die Förderung nachhaltigen Wirtschaftens. Aufgrund unseres Anspruchs der Überparteilichkeit tun wir dies jedoch nur sehr ausgewählt und nur, wenn sie direkten Einfluss auf die Unternehmensführung haben.
Zusammenfassend sind unsere Ziele einerseits Wissensförderung, d.h. das Bereitstellen von Fachkenntnissen in Bezug auf nachhaltiges Wirtschaften. Mindestens so wichtig aber ist die konkrete Motivation zur Umsetzung von Massnahmen. Zu diesem Zwecke organisieren wir Tagungen, Vorträge, Seminare, usw. Denn allzu oft scheitert die Umsetzung nicht an den Möglichkeiten, sondern am Wissen um die Möglichkeiten.

STUDIO!SUS: Was sind Kriterien für eine Mitgliedschaft bei der Öbu?
→ Es gibt 4 Kriterien, die es zu erreichen gilt. Erstens muss Nachhaltigkeit als Thema in der Firmenstrategie enthalten sein. Zweitens muss eine dafür zuständige Person ausgewiesen sein. Drittens braucht es einen Massnahmenplan, welcher Ziele, Massnahmen und Zeiträume der Durchführung festhält. Zuletzt braucht es eine Steuerung, d.h. die Umsetzung des Massnahmenplans muss überprüft werden. All diese Kriterien werden von uns nachgefragt; es hat sich gezeigt, dass in den letzten Jahren durchaus Bewegung in die Sache gekommen ist. Wir machen keine Kontrollen, sondern vertrauen auf die Selbstverantwortung. Die Gefahr des Missbrauchs ist gering, d.h. dass die Firmen sich besser zu geben versuchen, als sie wirklich sind. Sie wissen um das Risiko, dass bei einem Auffliegen des Schwindels der Imageschaden grösser wäre, als wenn sie gar nichts gemacht hätten.

STUDIO!SUS: Es geht also um die Förderung von Coorperate Social Responsibility (CSR). Was verstehen Sie darunter?
→ Es ist kurz gesagt der umfassende Ansatz von Unternehmensführung. Neben rein ökonomischen werden auch soziale, gesellschaftliche und ökologische Aspekte miteinbezogen. Ziel ist es aufzuzeigen, dass sich der Einbezug solcher Aspekte auch auf die Rentabilität der Unternehmen positiv auswirken kann. Bei der Rentabilität ist die zentrale Frage jene nach dem Zeithorizont: Wenn eine Firma längerfristig rentabel sein will, muss sie zwangsläufig nachhaltig wirtschaften. Bei Familienbetrieben ist der Zeithorizont wesentlich länger als bei einem börsennotierten Grossunternehmen, welche oft in erster Linie den nächsten Quartalsgewinn im Auge haben. Diese Kleinen profitieren deshalb auch sehr direkt von nachhaltigen Innovationen. Es zeigt sich jedoch heute, dass sich solche Innovationen auch bei grossen Unternehmen rechnen, oft sogar schneller als erwartet. Dies zu kommunizieren ist eine Hauptaufgabe der Öbu. Anhand konkreter Beispiele wird dabei aufgezeigt, dass sich solche Investitionen lohnen — umso mehr, je eher man diese tätigt. Natürlich sind ethische Aspekte im Hinblick auf CSR ebenso wichtig, ich denke da z.B. an das Langfristziel von gleichen Emissionsrechten für alle. Ich jedoch bin der Überzeugung, dass das Potential bezüglich rentabler Massnahmen so gross ist, dass man diese aus wirtschaftlichen Überlegungen zuerst ausloten sollte. Damit wird man schon ein rechtes Stück vorwärts kommen in Sachen Ethik. Über diesen immer unterschiedlichen Arbeiten im Tagesgeschäft gibt es eine grosse Klammer: Eigentlich und grundlegend geht es um eine neue industrielle Revolution, hin zur post- fossilen Wirtschaft.

STUDIO!SUS: Wo sehen Sie konkrete Erfolge der Öbu?
→ Die Öbu hat sich in der Schweiz als Institution etabliert. Wir werden oft angefragt, wenn es um die Frage geht, in welche Richtung sich die Wirtschaft als Ganzes entwickelt. Hier sind wir so etwas wie der Gegenpol zu den altbekannten Wirtschaftsverbänden. Zudem sind wir mittlerweile bei den Firmen eine bekannte Grösse und die Anfragen werden immer mehr. Auf der Umsetzungsebene hat es in den letzten Jahren enorme technologische Fortschritte gegeben, fast schon kleine Revolutiönchen. Diese werden aber oft gar nicht mehr als Fortschritte wahrgenommen, da sie bereits zu Standards geworden sind. Erst wenn man dies mit dem Stand von vor 20 Jahren vergleicht, erkennt man die ungeheuren Fortschritte, was die Effizienz betrifft. Ich denke dabei vor allem an Gebäudestandards, effizientere Motoren, usw. Dies ist ein sinnvolles Prinzip, da es den Fortschritt weiter antreibt, ändert aber nichts daran, dass dies alleine nicht ausreicht.

STUDIO!SUS: Wo wir wieder bei den politischen Rahmenbedingungen wären.
→ Ohne das Setzen von klaren Vorgaben durch die Politik werden diese Fortschritte durch mehr Wachstum und Konsum aufgefressen. Es braucht einen so genannten Massnahmenmix, welcher je nach Bereich das ganze Spektrum von Eigenverantwortung bis zu Verboten auslotet. Ich bin jedoch überzeugt, dass wir auf der technologischen Ebene viel Spielraum besitzen. In vielen Breichen können wir durchaus auf Werte bis zu 10% des heutigen Verbrauchs an Ressourcen runtergehen, ohne Einbussen beim Komfort. Die Förderung genau dieser Entwicklung ist Aufgabenbereich der Öbu.

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