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DIE UMSETZUNG VON NACHHALTIGKEITSASPEKTEN IST HEUTE EINE NOTWENDIGKEIT GEWORDEN. AM BEISPIEL EINES DIGITALEN DIKTIERGERÄTES ZEIGEN WIR AUF, WIE PRODUKTENTWICKLER IHREN BEITRAG ZUR NACHHALTIGEN ENTWICKLUNG LEISTEN KÖNNEN.

Hesamedin Ostad-A.-Ghorabi lehrt und forscht am Institut für Konstruktionswissenschaften der Technischen Universität Wien. In seiner Forschung entwickelt er Methoden und Strategien zur Umsetzung von Ecodesign und nachhaltiger Produktentwicklung in der Konstruktion und in der Industrie. Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, Website: www.ecodesign.at. Ecodesigner betrachten Produkte und machen sich Gedanken über Einflussfaktoren und Zusammenhänge; sie verfolgen globale Ereignisse wie etwa den Klimawandel, die Energie- oder Lebensmittelkrise und machen sich Gedanken über die Entwicklung ihrer Produkte. Doch wo liegt der Zusammenhang zwischen diesen Ereignissen und der Produktentwicklung? Ecodesign kann als ein Prozess verstanden werden, der Technologie und Organisation so kombiniert, dass Ressourcen effektiv mit minimalen Umweltschäden und maximalem Gewinn für alle Akteure der Wertschöpfungskette genutzt werden. Um alle relevanten Aspekte in diesem Prozess in einem gesamtheitlichen Konzept erfassen und bewerten zu können, ist es wichtig, den gesamten Produktlebenszyklus in Betracht zu ziehen.

DER PRODUKTLEBENSZYKLUS
Üblicherweise begenen sich Produkt und Konsument bei Kauf und Nutzung des Produktes. Die Wege der beiden trennen sich, wenn der Nutzer sein Produkt entsorgt. Viel früher gelangt der Hersteller mit seinem Produkt in Kontakt. Dieser ist im Zuge der Planung und Herstellung mit den Materialverarbeitungs- und Herstellungsprozessen konfrontiert. Beide Sichtweisen konzentrieren sich jedoch nur auf einen kleinen Abschnitt im Lebenszyklus eines Produktes. Denn betrachtet man den Weg von der Wiege bis zur Bahre, werden im Kontext von Ecodesign folgende Lebensphasen durchlaufen: (1) Materialphase: Ressourcen (Materialien und Energie) werden aus der Natur extrahiert und daraus Werkstoffe hergestellt. (2) Herstellungsphase: Teile und Komponenten werden hergestellt und montiert. (3) Distribution: umfasst den Transport zum Ort der Nutzung. (4) Nutzung: das Produkt wird genutzt, wobei zusätzliche Energie, Hilfs- und Betriebsstoffe notwendig sein können. (5) Nach Gebrauch: das Produkt wird entsorgt. Verschiedene Entsorgungsprozesse wie etwa Recycling oder thermische Verwertung können zum Einsatz kommen.
In all diesen Phasen können Abfälle entstehen und Emissionen generiert werden. In Anlehnung an dieses Lebenszyklusdenken wird im Zuge von Ecodesign eine Minimierung des Ressourcenverbrauches und dadurch eine Minimierung der schädlichen Effekte an die Umwelt in der Produktentwicklung angestrebt. Die Berücksichtigung technischer wie auch ökologischer und in der Folge ökonomischer Aspekte als integrativer Bestandteil der Produktenwicklung hilft, dieses angestrebte Ziel zu erreichen.

WAS HINTER EINEM PRODUKT STECKT
Das Lebenszyklusdenken sowie die Bewertung der einzelnen Lebensphasen im Rahmen von Ecodesign führen oftmals zu erstaunlichen Erkenntnissen und zu innovativen Strategien zur Verbesserung von Produkten. Erkenntnisse solcher Analysen sind, dass beispielsweise für die Produktion eines herkömmlichen PCs ungefähr 14 000 kg Materialien und zusätzlich 33 000 Liter Wasser gebraucht werden, handelsübliche Jeans ungefähr 50 0000 km unterwegs sind, bis sie im Geschäft gekauft werden können, und die Aluminiumproduktion für Aluminiumdosen in den USA aus überwiegend Roherz ungefähr 200 MJ Energie pro Kilogramm produziertem Aluminium benötigt. Am Beispiel eines von der TU Wien, Institut für Konstruktionswissenschaften und Forschungsbereich ECODESIGN analysierten digitalen Diktiergerätes soll konkret gezeigt werden, welche Ergebnisse mit der Umsetzung von Ecodesign in der Praxis bereits erzielt werden konnten.

BEISPIEL DIKTIERGERäT
Zuallererst muss die Frage beantworteten werden, in welcher der oben genannten Lebensphasen des Produktes die meisten Umweltauswirkungen entstehen. Bei einer eingehenden Betrachtung des Produktes stellt sich heraus, dass ein typisches Nutzungsszenario des Produktes eine Gebrauchsdauer von 4 Jahren vorsieht, wobei 4 h pro Tag und 250 Tage pro Jahr diktiert wird. Das Diktiergerät ist in der Standardversion batteriebetrieben. Eine Ökobilanz des Diktiergerätes, eingeteilt in fünf Phasen, zeigt ein aufschlussreiches Umweltprofil. An der Gesamtumweltbelastung hat der Verbrauch an Rohstoffen einen Anteil von 7.6%, die Herstellung 0.6%, die Distribution 0.3%, die Nutzung 91% und die Entsorgung 0.5%. Die Nutzungsphase weist demnach mit Abstand das grösste Potential zur Verbesserung und Optimierung auf. Das typische Nutzungsszenario erfordert ungefähr 800 Stück Batterien innerhalb der Lebensdauer des Diktiergerätes. Wieder aufladbare Batterien sowie das Ladegerät werden nicht standardmässig ausgeliefert. Diese können nur separat erworben werden. Zur Verbesserung des Produktes wurden unter anderem folgende Strategien und Ansätze erarbeitet und umgesetzt: (a) Standardmässige Auslieferung des Gerätes mit Akku und Ladegerät; auch die Möglichkeit für die Ladung per UBS gehört dazu. (b) Einbau energieeffizienter Teile und Komponenten. (c) Neues LED-Display senkt Stromverbrauch um 17%.
Durch die erzielte Energieeffizienz der Bauteile kann mit einem Set Batterien nun 17 Stunden diktiert werden. Die erzielte Emissionsreduktion über den gesamten Lebenszyklus des Diktiergerätes ist beträchtlich: Erzeugte das Vorgängermodell an die 160 kg CO2-Äquivalente über den Lebenszyklus, so sind es im verbesserten neuen Modell nur mehr 22 kg — eine Reduktion um 86%!
Generell ist festzustellen, dass Konsument wie auch Unternehmen die Umweltleistung des jeweiligen Produktes in ihrem Kaufentscheidungsprozess als wesentlichen Faktor integrieren — mit durchwegs positiven Konsequenzen. Auch die Industrie hat erkannt: Die Umsetzung einer umweltgerechten Produktentwicklung kostet Geld; «business as usual» und untätig bleiben kostet auf längere Sicht jedoch noch mehr Geld.

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