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DIE SCHWEIZ HAT IM BEREICH DER ERNEUERBAREN ENERGIEN VIEL POTENTIAL. IM INTERVIEW GIBT NICOLAS HAYEK EINBLICKE IN SEIN NEUESTES UNTERNEHMEN BELENOS CLEAN POWER UND SPRICHT üBER DIE CHANCEN füR DIE SCHWEIZ.

Der 80 jährige amerikanisch-libanesische Mathematiker und Physiker stieg in den letzten 40 Jahren zu einem Unternehmer und Unternehmensberater von internationalem Rang auf. Sein grösster Erfolg war die «Rettung» der Schweizer Uhrenindustrie. Nicolas Hayek ist der Schweizer Unternehmer schlechthin. In der Vergangenheit hat er sich immer wieder zur Förderung dieser Berufsgattung ausgesprochen und an vorderster Front für deren Ansehen gekämpft. Seine Definition des Unternehmers, welche er an vielen renommierten Institutionen vorgetragen hat, beschert ihm immer wieder viel Applaus. Die Erfüllung und Verkörperung folgender sieben Pflichten und Eigenschaften machen nach Hayek einen Unternehmer aus:
(1) Innovation: Ein Unternehmer ist ein Künstler voller Fantasie, offen für alle Ideen und fähig alles in Frage zu stellen. Er muss ein Rebell sein, ohne Feind zu werden. Gefesselt von der Schönheit der Erde ist er sehr sensibel in Bezug auf das Schicksal unseres Planeten. Die Fantasie eines Sechsjährigen, eine gesunde Prise Mut und sein unbändiger Innovationswille helfen ihm Hindernisse zu überwinden, die andere als unüberbrückbar betrachten. (2) Realisierung: Realisieren ist der schwierigste Teil der Kreativität. Sobald die Ideen kreiert sind, müssen sie schnell und konsequent in die Tat umgesetzt werden. Materielle wie auch menschliche Hindernisse müssen dabei vom Unternehmer überwunden werden. In dieser Phase muss er einen für alle seine Mitarbeitenden ansteckenden Dynamismus und Vitalität entfalten. (3) Gesellschaft dienen: Neue Arbeitsplätze, Reichtümer und echte Werte zu schaffen — und zwar sowohl materielle wie auch moralische und intellektuelle Werte — das sind die Aufgaben des Unternehmers. (4) Umwelt: Als Passagier auf dem Raumschiff Erde muss der Unternehmer helfen, im Rahmen seiner Möglichkeiten, mit all seinen Ressourcen unsere Umwelt zu verbessern. (5) Langfristiges und nachhaltiges Denken: Die unternehmerische Strategie muss von langfristigem und nachhaltigem Denken geprägt sein. Investitionen in Ausbildung, Forschung und Entwicklung und die Produktion haben hohe Priorität und sollen nicht zu Gunsten von kurzfristigen Finanzgewinnen vernachlässigt werden. (6) Motivator, Vorbild, Facilitator: Für Mitarbeitende und Kollegen muss der Unternehmer Motivator und Vorbild sein, ohne dabei seine Macht zu missbrauchen und seine Motivationsfähigkeit zu denaturieren. Er hat die Fähigkeit Leute zusammen zu bringen und sie zu fördern, wobei er so gerecht wie nur möglich sein muss. Den Menschen um sich herum muss er eine Atmosphäre, eine Mentalität der menschlichen Wärme und Optimismus vermitteln. (7) Leidenschaft, Begeisterung und Liebe zur Arbeit: Der Unternehmer empfindet sein Wirken nicht als Arbeit, er amüsiert sich.
Der Studio!Sus hat sich an Nicolas Hayek herangewagt und sprach mit ihm neben seinem neuesten Unternehmen Belenos auch über den Klimawandel und seine Implikationen, erneuerbare Energien und den damit verbundenen Chancen für die Schweiz.

STUDIO!SUS: Herr Hayek, wollen Sie mit Ihrer Belenos Clean Power Holding eine Revolution im Energiebereich entfachen?
→ Belenos soll helfen die notwendige Revolution im Energiebereich zu beschleunigen. Unsere Absicht ist es nicht mit Anderen zu konkurrenzieren, sondern sie zu ergänzen. Wir addieren spezifisches Know-how zu bereits Existierendem und sind zurzeit an 4 konkreten Projekten beteiligt. Zwei davon beschäftigen sich mit Wasserstoff und Brennstoffzellen. Das Dritte soll zu einer Effizienzsteigerung in der Photovoltaik führen und das Vierte forscht an effizienteren Batterien. Belenos wird wahrscheinlich an vier oder mehr Joint Ventures jeweils 51% halten.

STUDIO!SUS: Wie stehen Ihrer Meinung nach die Chancen, das Thema Klimawandel und dessen Implikationen zu einem wichtigen strategischen Stützpfeiler der Schweiz zu machen — hat die Schweiz gar das Potential eine Führungsrolle in diesem Bereich zu übernehmen?
→ Ja natürlich! Die Schweiz ist führend und hat viele hochqualifizierte Spitzenleute im Klimabereich. Ich wiederhole immer wieder vor verschiedensten Gremien, dass die Schweiz weltweit ein einmaliges Naturbewusstsein hat und ihre Umwelt im weltweiten Vergleich sehr gut pflegt. Natürlich verschmutzen wir immer noch zu viel.

STUDIO!SUS: Sie kennen ja einen Grossteil der wichtigen Akteure in der Schweiz persönlich. Ist die Schweiz in der Lage schnell genug zu handeln? Welche Gründe sprechen dafür, dass die Schweiz diese Führungsposition weiterhin halten kann?
→ Die Schweiz hat ganz grosse Chancen! Gerade im wissenschaftlichen Bereich eröffnen sich ihr viele Möglichkeiten. Schauen Sie sich nur das IMT (Insitute Microtechique) in Neuenburg an, das in den letzten Jahren grossartige technologische Fortschritte in Zusammenarbeit mit der Industrie erzielt hat. Denken Sie ans Swatchmobil (Anm. der Redaktion: Vorläufer des Smart).
Ein weiteres, sehr gewichtiges Argument dafür, dass die Schweiz das Potential hat schneller als andere Länder zu brauchbaren Lösungen zu gelangen, ist das Fehlen einer Auto- und Erdöllobby. Aufgrund meiner Kontakte zu wichtigen Akteuren der Schweizer Wirtsachaft und Professoren kann ich Ihnen versichern, dass es im technologischen Bereich viele brillante Professoren und Forscher in der Schweiz gibt. Ich habe auch grosses Vertrauen ins PSI, das ich für eine ausserordentlich leistungsfähige Institution mit enormem Potential halte! Gerade in der Zusammenarbeit mit der SWATCH Group sehe ich für das PSI und Belenos viele Möglichkeiten.
Meiner Meinung nach ist die Schweiz ein grossartiges Land für erneuerbare Energien und ich bin überzeugt, dass vieles noch unversucht geblieben ist. Die Schweiz ist vielerorts führend. So ist sie einer der grössten Zulieferer der Solarzellenindustrie.

STUDIO!SUS: Würden Sie mit mir übereinstimmen, wenn ich sage, dass die Unternehmer und die Hochschulen diejenigen sein werden, die das «Unternehmen Klimawandel» und seine Chancen für die Schweiz wahrnehmen werden, und die Politik später folgen wird? Oder ist es die Politik, die zunächst Akzente setzten muss?
→ Nein! (impulsiv) Es wird häufig der Eindruck erweckt, als würde es die Politik sein, die das Klima retten sollte. Die einzige Rettung für das Klima kommt aus der Wissenschaft, der Forschung und der Technik! Wie ich bereits erwähnt habe, gibt es viele Professoren, Ingenieure und Forscher, die grosses Potential haben und an den nötigen Technologien arbeiten, die es ermöglichen, das lecke Schiff in Ordnung und wieder auf Kurs zu bringen. Nehmen Sie das Beispiel des ökologischen Autos. Die technologischen Möglichkeiten ein ökologisches Auto herzustellen haben wir schon lange, es fehlt nur am Willen. Glauben Sie, ich würde mich dafür einsetzen, wenn ich nicht daran glauben würde? Mir wurde mein Leben lang gesagt: «Das schaffst du nicht. Du bist verrückt.» Ich habe jedoch einen bedeutenden Vorteil: Ich verfüge über die notwendigen finanziellen Ressourcen, was mir viel Unabhängigkeit gibt meine Ideen umzusetzen.
Es ist nun mehr als 15 Jahre her, als ich mit Mercedes die Zusammenarbeit begann, mit dem Ziel ein ökologisches Stadtauto herzustellen. Aber Mercedes hat dann plötzlich nach Abschluss der Forschungsarbeiten entschieden den zweiten Teil des Projektes — eben das ökologische Auto nicht mehr zu unterstützen. Das war eine verpasste Chance! Mercedes hat das Projekt dann vollständig übernommen und eine eigene Version, den SMART herausgebracht. Der jetzige Vorstandsvorsitzende von Mercedes gibt zu, dass sie damals einfach nicht so weit waren.
Wie erwähnt arbeitet Belenos mit dem PSI nun an der Produktion einer marktfähigen Brennstoffzelle für einen Kleinwagen. Es geht dabei primär nicht darum selber ein Auto zu produzieren, sondern die notwendigen Teile und Komponenten zu entwickeln und zu liefern, oder die Brennstoffzelle als Ganzes zu produzieren.

STUDIO!SUS: Sie sprechen die Technologie an. Gerade diese wird von vielen Seiten immer wieder verteufelt und als eigentliche Ursache für die herrschenden Missstände auf dieser Welt betrachtet. Werden zukünftige Technologien in der Lage sein unsere Probleme zu minimieren?
→ Ja, selbstverständlich! In der Landwirtschaft, der Medizin, der pharmazeutischen Industrie, der Kommunikation und bei praktisch allen «friedlichen» technischen Errungenschaften hat die Technologie für die Zivilisation ganz grosse positive Entwicklungen hervorgebracht. Die Lebenserwartung, nicht nur von erwachsenen Menschen, sondern ebenso von Kleinkindern auf der ganzen Welt, wurde massiv gesteigert. Auch unsere Gesundheit hat sich aufgrund ausgewogener Ernährung verbessert. Die Interaktion und Kommunikation zwischen den Menschen hat durch die einander näher bringenden Technologie ebenfalls grosse Fortschritte gemacht. So haben die verschiedenen Kulturen untereinander ein viel grösseres Verständnis und eine grössere Integration entwickelt. Diese Technologie hat eine ganze Reihe von positiven Seiten gebracht. Natürlich gibt es auch negative Seiten, wie die Atombombe und mörderische Waffensysteme, wobei zu hoffen ist, dass die Menschen in diesem Bereich zur Vernunft gelangen. Dies ist ein Nebeneffekt der Forschung. Man neigt dazu ständig von den negativen 5% zu sprechen. Aber schauen Sie, unter dem Strich haben wir 95% positive Effekte!

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