sustainability – your responsibility.

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Nahrungsmittel aus der Region bieten ein grosses Potenzial für eine nachhaltige Ernährung: Sie sind frischer, halten die Wertschöpfung in der Region und kurze Transportwege schonen erst noch das Klima. Wie aber kommt man an diese Produkte? Und wie weit reicht überhaupt meine Region? Der Studio!Sus macht sich auf die Suche.

Selbstversorgung, das war einmal. Abgesehen von Schrebergärten, Pflanzplätzen und Balkonkästen sind wir zum Käufer geworden. Zu Zeiten des globalen Nahrungsmittelmarkts gibt es von Grossverteilern bis Biofachhandel diverse Produkte aus jedem Kontinent. Die Frage, ob das noch nachhaltig ist, drängt sich auf. Wäre es nicht sinnvoller, regionale Produkte zu kaufen und sich so den Transportweg zu sparen? In der Schweiz bieten sich hierzu vielfältige Möglichkeiten und Wege an.
Generell stellt sich jedoch vorab die Frage, wo Region beginnt und wo sie aufhört. Ist die Region so weit ich laufen kann an einem Tag? Oder innerhalb einer Stunde Autofahrt? Nur das Dorf, indem ich lebe, oder eher die ganze Schweiz? Wie steht es dann aber mit den in der Schweiz häufig anzutreffenden Grenzgebieten? Es ist sinnlos, in der Region Basel das nahe Elsass (F) und Südwestdeutschland auszuschliessen (letzteres ist beispielsweise in der Spargelsaison deutlich regionaler als Spargeln aus der Ostschweiz). Es gilt also: je näher, desto lokaler, desto besser.

Regional für alle
Coop und Migros haben je ein eigenes Label für solche Produkte: „Aus der Region, für die Region“ bei der Migros, „Regio-“ bei Coop. Beide befolgen ähnlichen Richtlinien für regionale Produkte, bei Coop stammen zusätzlich sämtliche Produkte aus der Bio-Produktion.
Migros erwirtschaftet in zehn Regionen einen jährlichen Umsatz von 730 Millionen schweizweit mit regionalen Produkten. Abhängig von der produzierten Menge liefert Coop teilweise nur in einige wenige Filialen einer Region (beispielsweise speziellen Alpkäse). Coop unterhält dreissig solcher Mikroregionen. Bei grösserem Angebot wie Milch wird das Produkt in einer der fünf Makroregionen angeboten.
Diese beiden Labels ermöglichen es Kleinstbetrieben aus abgelegenen, wirtschaftsschwachen Gegenden, in grösserem Stil zu verkaufen und so den Erhalt langfristig zu sichern.

Regional für Städter
Dies ist ein Anfang. Nichts desto trotz sind die Produkte von lokalen, in nächster Umgebung liegenden Bauernhöfen nochmals einiges nachhaltiger. Diese werden auf Kleinstwochenmärkten (im Extremfall von nur gerade einem Produzenten) bis hin zu den grossen, städtischen Wochenmärkten vertrieben, welche mehrmals pro Woche stattfinden. So beispielsweise in Zürich an sechs verschiedenen Plätzen mitten in der Stadt, zweimal die Woche. Das Angebot ist enorm gross, die Atmosphäre beinahe mediterran. Von der Vielfalt berauscht und im Wissen etwas Gutes, Frisches, Regionales zu kaufen, übersieht man auch gerne den etwas teureren Preis. Für die Marktfahrenden bietet sich die Möglichkeit des direkten Kundenkontakts, zu langjährigen Marktgängern werden regelrechte Beziehungen aufgebaut. Die so vermittelten positiven Werte übertragen sich auch auf die Produkte und schaffen ein besseres Gefühl für Nahrung und beim Verzehr.

Regional für Innovative
Für besonders beschäftigte und funktionell orientierte Zeitgenossen gibt es ebenfalls Möglichkeiten, regional und saisonal einzukaufen, ohne auch nur einen Finger zu krümmen. Sogenannte Gemüseabos, Früchtekörbe und dergleichen werden wöchentlich direkt vom Bauern mit hofeigenen, saisonalen Produkten zusammengestellt und vor die Haustüre geliefert. So zum Beispiel vom Birsmattehof im Baselbiet oder dem Brüederhof in Dällikon/ZH. Beim Birsmattehof kann alternativ ein Anteilsschein an der Genossenschaft erworben werden, was zusätzlich bis zu 12 Stunden Mitarbeit auf dem Hof bedingt, die Produkte aber günstiger macht. Selbstgeerntetes schmeckt immer besser als im Laden Gekauftes, weil der Bezug zur Produktionsweise und dem Produkt vorhanden ist und aufgewändete Zeit und Kraft darin stecken.

Regional für den Rest der Welt
Community Supported Agriculture (CSA) stammt aus den USA, wo unzufriedene Kunden Supermarktprodukte aus der anderen Ecke des Kontinentes satt hatten und nach Alternativen suchten. CSA sind mittlerweile weit verbreitet und gewinnen stetig an Popularität, auch in andern Ländern. Das Prinzip ist das gleiche: ein Anteilsschein kann gekauft werden, welcher für einen gewissen Anteil der Ernte berechtigt, oder man tauscht eine geleistete Anzahl Stunden Farmarbeit gegen tiefere Preise. Polyface Farms im Nirgendwo in Virginia, welches auch eine „beyond organic, lokal-market farm“ genannt wird, entwickelte ein ausgeklügeltes Kreislauf-Wechsel-System von Vieh, Geflügel und Anbausorten, Polykulturen eben. So wurde das einst völlig abgenutzte Land renaturiert und wieder produktiv gemacht, in gänzlicher Unabhängigkeit von aussen. Produkte werden nur lokal verkauft und finden begeisterte Anhänger. Schulungen, Vorträge etc. zielen auf Gründung weiterer „Polyfacefarms“ in anderen Regionen ab.
Ähnlich ist das sogenannte „Urban Farming“, entstanden in Kuba, welches nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion keine Importmöglichkeiten mehr hatte und neue Wege suchen musste. Jede verfügbare noch so kleine Landfläche wurde bepflanzt und ernährte so die Bevölkerung. Mangels Pestiziden und Düngemitteln war dies eine biologische Anbauweise. Tausende solcher Microfarms sind nach wie vor in Betrieb. Das System wurde andernorts übernommen, wo mitten im Siedlungsgebiet ganze Häuserblocks verlassen sind. In Detroit liegt über ein Drittel der Stadtfläche brach. Dort wird nun seit der Entstehung von Microfarms ins Auge gefasst, mehrere verlassene Strassenblocks zu einer Farm zu verbinden und einen selbstversorgten Stadtteil zu gründen.
Es gibt also Möglichkeiten, selbst im total urbanen Raum. Doch auch wenn ein vielfältiges Angebot besteht und verschiedene Möglichkeiten sich den Konsumenten bieten, dieses Angebot nutzen muss er selbst, und das bleibt eine Frage der Einstellung.

Lizenz: by-nc-nd


Links zum Thema:
www.zuercher-maerkte.ch
www.knospehof.ch
www.bruederhof.ch
www.birsmattehof.ch
www.urbanfarming.com
www.polyfacefarms.com