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Im Interview mit Philippe Ammann, dem stellvertretenden Geschäftsführer der Stiftung ProSpecieRara, werden die Ziele der Stiftung und ihre Mittel diskutiert. Warum ist die Erhaltung alter Rassen und Sorten wichtig? Und was kann ein genetisches Gütesiegel dazu beitragen?

Philippe Ammann

Stv. Geschäftsführer Pro Specie Rara, studierte Biologie mit Schwerpunkt Zoologie und ist seit 2003 Leiter für den Bereich Tiere bei der Stiftung. ProSpecieRara ist eine schweizerische, nicht-Profit-orientierte Stiftung. Sie wurde 1982 gegründet, um gefährdete Nutztierrassen und Kulturpflanzen vor dem Aussterben zu bewahren. Mehr Informationen unter www.prospecierara.ch


Studio!Sus: Die Stiftung ProSpecieRara konzentriert sich darauf, gefährdete Nutztierrassen und Kulturpflanzen vor dem Aussterben zu schützen. Ein anderes Ziel ist, die Grundlage unserer Nahrung zu sichern. Wie hat das eine mit dem anderen zu tun?
Philippe Amman: Die Basis unserer Nahrungsmittel wird immer kleiner, viele Sorten und Rassen verschwinden. Es gibt nur noch wenige, grosse Konzerne, die Zucht betreiben, was zu einer Verarmung der Vielfalt und zu Monokulturen führt. Durch die so immer enger werdende genetische Grundlage gehen viele bekannte und unbekannte Eigenschaften verloren. Wir wissen aber nicht, ob diese bei kommenden Veränderungen nützlich sein können. Ein Beispiel hierzu ist der Feuerbrand. Es hat sich herausgestellt, dass sich in einem heterogenen Obstbaumbestand der Feuerbrand viel weniger stark ausbreitet, als in Monokulturen.

Studio!Sus: Wie geht die Stiftung konkret vor, um diese genetische Vielfalt zu schützen?
PA: Wir versuchen mit verschiedenen Massnahmen vorzugehen. Da sind erstens die Zuchtprojekte. Sofern die Züchter Mitglied in einem Zuchtverein sind und eine reinrassige Zucht nachweisen können, erhalten sie durch uns Hilfe in der Vermarktung ihrer Produkte. Die Vermarktung stellt das zweite Konzept dar: „Erhaltung durch Aufessen“, also durch die Nutzung der Rassen. Durch Sensibilisierungsarbeit versuchen wir die Bevölkerung darauf hinzuweisen, dass Vielfalt wichtig ist und unseren Schutz benötigt.

Studio!Sus
: Als Vermarktungshilfe vergeben Sie ein Gütesiegel. Was muss man einhalten, um dieses zu erhalten und wer setzt die Regeln fest?
PA: Wir setzen diese Regeln fest. Es muss ein Nachweis gebracht werden, woher das Saatgut einer Pflanzensorte kommt. Bei den Nutztieren erfolgt die Kontrolle über das Herdenbuch, in welches die Herkunft des Tieres eingetragen wird. Das ProSpecieRara-Gütesiegel ist also ein genetisches Label und nicht ein Haltungslabel. An ihm können sich Konsumenten orientieren, dass sie mit dem Genuss von Spezialitäten direkt Positives für die gefährdeten Rassen tun.

Studio!Sus
: Wie wirkt sich das Label auf das Konsumverhalten der Leute aus?
PA: Durch das Label gibt man dem Produkt eine Identität. Die Produkte bekommen eine Geschichte. Die Leute schätzen diesen Mehrwert. Sie wissen um den Vorteil biologischer Nahrung in der Vielfalt und Farbe, aber auch im inhaltlichen und geschmacklichen Sinn.

Studio!Sus
: Produkte mit Biolabels sind häufig teurer als die normalen Produkte. Wie sieht das bei ProSpecieRara-Gütesiegel aus?
PA: Wir sind uns bewusst, dass unsere Produkte eine Nische besetzen. Wir sprechen Menschen an, die sich bewusst ernähren wollen. Es ist uns klar, dass sich beispielsweise eine alleinerziehende Mutter mit Kindern unsere Produkte eher nicht leisten kann. Das ist unser Handicap. Unser Label ist ein Qualitätssiegel, daher können wir nicht für die breite Masse produzieren. Für die breite Masse machen wir Kampagnen, wie momentan die Kartoffelkampagne. Der Bund beginnt verschiedene Kartoffelsorten zu verbieten, starke Sorten werden genehmigt und vermeintlich schwache aussortiert. Wir sammeln darum jetzt Unterschriften, die uns bei unserem Kampf gegen die verschärfte Auslegung der Verordnung Gewicht geben. Mehr Infos dazu unter www.vielfalt-fuer-alle.ch

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