sustainability – your responsibility.

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Die Schweiz als einzige Stadt, wohnen in Bern, arbeiten in Zürich, die Kollegen über das ganze Land verteilt – für viele heute eine normale Situation. Zwei Drittel aller Personen in der Schweiz arbeiten in einer anderen Gemeinde als sie wohnen, und wie das Bundesamt für Statistik berechnet hat, legt jede und jeder pro Tag im Durchschnitt rund 38 Kilometer für Arbeit, Ausbildung und Freizeit zurück. Um die Pendler – seien sie im Auto oder ökologisch korrekter mit Zug und Bus unterwegs – aufzunehmen, wurde in den letzten Jahren viel investiert; Strassen wurden ausgebaut und die Fahrpläne verdichtet, Millionen in Beschleunigungen von wenigen Minuten gesteckt.

Doch warum eigentlich dieser Drang nach Mobilität? Natürlich, es gibt praktische Gründe, in vielen Haushalten arbeiten mittlerweise zwei Personen auswärts, und selten sind diese Stellen in derselben Stadt. Glaubte man zu Beginn des Internet-Zeitalters noch, dank der einfacheren Kommunikation liessen sich Fahrten vermeiden, wollen wir gerade weil wir täglich über Mail und Chat mit unseren Kollegen in der Schweiz und aller Welt in Kontakt sind, diese auch treffen, reisen für eine Party quer durch die Schweiz oder übers Wochenende in eine europäische Metropole. Ganz allgemein scheint es, dass man seine Träume in Arbeit und Privatleben zunehmend nicht mehr an einem Ort verwirklichen kann oder will. Als Folge davon sind Autobahnen und Züge fast permanent verstopft, immer mehr Bereiche des Verkehrs kommen an ihre Belastungsgrenze.

Wie so oft in der Nachhaltigkeitsdebatte zeigt sich auch hier, dass der technologische Fortschritt alleine nicht ausreicht eine Entwicklung allgemeinverträglich abzufedern. Nur eine Einschränkung unserer Mobilität wird den Kollaps der Verkehrssysteme verhindern, den ständig wachsenden Bedarf an Raum und Energie und den Anstieg der Emissionen bremsen. Auch Visionen wie die Swissmetro – so verlockend sie klingen mögen – kriegen bei dieser Sicht auf die Dinge einen faden Beigeschmack. Ist es wirklich nötig, dass man in Zürich wohnen und in Lausanne arbeiten kann? Müsste das System nicht auf einer viel höheren Ebene optimiert werden, nämlich so, dass gar nicht mehr so viel Mobilität nötig ist?

Pro Arbeitsplatz braucht es Wohnraum für etwa 2 Personen, für Lebenspartner und Kinder. Kaum eine Stadt aber plant nach dieser Maxime, die Ansiedlung von Arbeitsplätzen steht meist viel höher auf der Traktandenliste als das Bereitstellen von Wohnraum. Müsste nicht hier der Hebel angesetzt werden? Es zeigt sich immer mehr, dass wir nicht um eine Reduktion unserer Mobilität herumkommen, und für die wirklich notwendigen Fahrten die ökologisch beste Lösung suchen müssen. Daraus ergibt sich die Frage: Ist es wirklich Lebensqualität, täglich zu pendeln, den Kollegenkreis in einer anderen Stadt zu pflegen, Arbeit und Freizeit räumlich so strikt zu trennen? Oder lebt man besser, wenn man schnell am Arbeitsplatz ist, das Feierabendbier mit den Kollegen in der Dorfbeiz geniesst, die für den Arbeitsweg gesparte Zeit sonst sinnvoll einsetzen kann?

Die Antwort muss jeder selber finden, doch es scheint, als müssten wir es uns wieder mehr zur Aufgabe machen, unser Zuhause so zu gestalten, dass wir ohne ständiges Herumreisen glücklich sind. Denn klar ist: Nur wer eine emotionelle Bildung zu seinem Zuhause hat, trägt ihm langfristig Sorge, kümmert sich um seine Nachbarn – tut eben all das, was es braucht, um sein Daheim für künftige Generationen zu bewahren.

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