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Im Interview mit Martin Jakob, dem Geschäftsführer von TEP Energy, werden die Rahmenbedingungen für energieeffiziente Leuchten im Privatsektor und innovative Neuentwicklungen auf dem Lampenmarkt diskutiert. Das Potential für Effizienzverbesserungen bei Beleuchtungen ist gross, doch scheint es gemessen an der gesamtschweizerischen Strom-Endnachfrage trotzdem relativ klein zu sein. Gleichwohl ist es unabdingbar auch in diesem Bereich anzusetzen, wenn wir substantiell effizienter werden wollen. Es wird zurzeit viel an neuartigen Leuchtmitteln geforscht und neue Produkte stehen vor dem Durchbruch.

Dr. Martin Jakob, Dipl. Phys-Ing. ETH ist geschäftsführender Gesellschafter von TEP Energy, einem offiziellen Spin-Off Unternehmen der ETH Zürich. Thematische Felder seiner Arbeit sind unter anderem Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen von Energieeffizienzmassnahmen, Energienachfragemodellierungen, Analyse von neuen Technologien, Marktabschätzungen sowie Hemmnis- und Politikanalysen. www.tep-energy.ch

Studio!Sus: Herr Jakob, Sie beschäftigen sich mit den energetischen Aspekten des Beleuchtungsmarktes. Was ist Stand der Dinge und welche Entwicklungen sehen Sie bei energieeffizienten Beleuchtungen und Beleuchtungssystemen für den privaten Haushalt? Von welchen Veränderungen in den nächsten Jahren gehen Sie aus?

Dr. Martin Jakob: Bei etwas mehr als der Hälfte der Lampen, welche in Gebrauch sind, handelt es sich um klassische Glühlampen. Weitere dreissig Prozent machen Halogenlampen aus. Die Bedeutung von energieeffizienten Stromsparlampen und Leuchtstoffröhren, z.B. im Badzimmer, ist mit knapp zwanzig Prozent also relativ gering. Obwohl die Attraktivität des Angebots an energieeffizienteren Lampen in der letzten Zeit zugenommen hat, verbleibt ein grosses Potenzial für Effizienzverbesserungen. Hilfreich ist hierbei die Qualitätsverbesserung bei Stromsparlampen: diese geben ein besseres Licht ab, starten rascher auf, vertragen häufiges An- und Abschalten besser und halten länger. Das gilt allerdings nicht bei allen, sondern nur bei guten Produkten, was für den Kunden oft schwierig zu beurteilen ist. In den Focus gerückt sind in letzter Zeit effizientere Halogen-Lampen sowie LED-Lampen. Erstere sind zwar nicht so effizient wie Stromsparlampen, aber doch deutlich effizienter als Glühbirnen. LED hingegen weisen eine noch höhere Effizienz auf und sind auch aus weiteren Gründen attraktiv, z.B. weil sie klein sind, sich individuell ansteuern lassen und sich verschiedene Ambiente erzeugen lassen.


Studio!Sus: Welche Effizienzpotenziale sprechen Sie der Umstellung auf energieeffiziente Beleuchtung von privaten Haushalten zu? D.h. wie viel Energie kann denn tatsächlich schweizweit durch die Umstellung auf energieeffiziente Leuchten in Privathaushalten überhaupt eingespart werden?

Dr. Martin Jakob: Gesamtschweizerisch und auch innerhalb des Haushaltssektors macht die Beleuchtung einen Anteil von etwa fünfzehn Prozent an der Stromnachfrage aus. Im Haushaltsektor könnte der Beleuchtungsbereich mittelfristig etwa um die Hälfte effizienter werden, dies trotz steigender Wohnbevölkerung von etwa zehn Prozent. Mit anderen Worten: etwa 1000 von gut 2000 GWh und damit etwa 1.7% der aktuellen gesamtschweizerischen Strom-Endenergienachfrage könnten vermieden werden. Dies zeigt, dass das Potential relativ gesehen gross ist (die Hälfte), absolut gesehen aber als klein erscheint. Dies gilt auch für die meisten Bereiche des Stromkonsums in privaten Haushalten. Gerade wegen der grossen Vielfalt ist entsprechend in allen Bereichen anzusetzen, wenn wir substantiell effizienter werden möchten.


Studio!Sus: Gibt es Hemmnisse, welche die breite Einführung effizienter Leuchtmittel behindern? Wie können diese allenfalls abgebaut werden? Was heisst das für die politischen Rahmenbedingungen?

Dr. Martin Jakob: Es bestehen in der Tat diverse Hemmnisse auf verschiedenen Ebenen, wobei der Hemmnisbegriff vorsichtig gebraucht werden sollte. Die Skepsis der Kunden gegenüber Stromsparlampen mag veraltet sein, aber entscheidend ist letztlich ihre Wahrnehmung. Positive Veränderungen sollten also immer auch in geeigneter Form kommuniziert werden. Auch technische Hemmnisse können eine Rolle spielen, z.B. wenn neue Lampentypen nicht in bestehende Leuchten und Fassungen passen oder neue Leuchten im Laden nicht bereits mit energieeffizienten Lampen ausgerüstet sind. Hier sind nicht nur die Politik allein, sondern z.B. auch die Beleuchtungsbranche, die Grossverteiler und die Energieversorgungsunternehmen gefordert. Mit einem Label, das die Effizenz der Lampen in die Klassen A (die besten) bis G einteilt, sowie mit Mindestanforderungen, welche in naher Zukunft sukzessive verschärft werden, unterstützt die Politik europa- und schweizweit derzeit die Bestrebungen, die Energieeffizienz von Beleuchtungen im Haushaltsbereich zu verbessern.


Studio!Sus: Für das persönliche Wohlbefinden ist es wichtig, wie wir unser Wohnumfeld beleuchten. Was ist die innovativste Lösung, die es zurzeit auf dem Markt gibt?

Dr. Martin Jakob: Die Beleuchtung beeinflusst in der Tat unser Wohlbefinden und zwar auf individuelle Weise. Für Wach- und Arbeitsphasen im „Home office“ ist eine gute Ausleuchtung mit Direkt- und Indirektlicht mit einem hohem Blauanteil wichtig, am Feierabend werden warme Farben bevorzugt.
Interessant sind sogenannten Energie sparende Halogenlampen, weil sie zum einen effizienter sind als herkömmliche Halogenlampen oder gar Glühbirnen, und zum anderen keine Umrüstungen bei den bereits vorhandenen Leuchten nötig sind. In Bezug auf Innovation ist natürlich auch die LED zu nennen. Für einzelne Anwendungen, im Haushaltsbereich z.B. Leselampen, sind auch bereits Produkte auf dem Markt erhältlich, aber es sind aber noch keine LED Produkte verfügbar, welche Glühbirnen, energiesparende Halogenvarianten und Leuchtstofflampen gleichwertig ersetzen können. Die Entwicklungsgeschwindigkeit im Bereich LED ist jedoch hoch. Die Beleuchtungsbranche hegt grosse Erwartungen und sieht die LED vor dem Marktdurchbruch, nicht zuletzt wegen der neuen Möglichkeiten, die sich durch LED ergeben, z.B. das Kreieren von verschiedenen Stimmungen.


Studio!Sus: Herr Jakob, ich bedanke mich bei Ihnen ganz herzlich für das Interview.



Mehr Informationen unter:

ewz-Kundenzentrum: Energiesparlampen ausprobieren für 2 Wochen
Informationen zur Energieettikette vom Bundesamt für Energie



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