sustainability – your responsibility.

Facebook Twitter identi.ca RSS Feed Newsletter


Die Sanierung des Gebäudebestandes erweist sich als Hauptansatzpunkt zur Senkung des CO2-Ausstosses. Die Schweiz will im Rahmen ihrer Klimapolitik mit Fördergeldern Anreize für energetische Sanierungen schaffen.


Martin Kistler, Financial Engineering Nachhaltigkeit, Zürcher Kantonalbank

Sanierung als Kardinalsweg

Mehr als 50 % der Schweizer Haushalte beziehen thermische Energie von klassischen Ölheizungen und rund 15 % von Erdgasheizungen. Es leuchtet ein, dass die Sanierung des Gebäudebestandes in der Schweiz wesentlich zur Senkung des CO2-Ausstosses beitragen kann. Das Potential ist beträchtlich, bedenkt man, dass 70 % der Gebäude in der Schweiz vor 1980 errichtet wurden. Sie stehen in Fragen der Energieeffizienz klar schlechter da als Gebäude jüngeren Jahrgangs (vgl. Grafik 1).


Grafik 1: Verteilung der Energiebezugsfläche nach Gebäudebaujahr im Kanton Zürich
(Quelle: Energieplanungsbericht Kanton Zürich)


Dass energetische Sanierungen in der Tat effektiv sind, zeigt eine Untersuchung aus Deutschland über ein CO2-Gebäudeprogramm der KfW-Bankengruppe von 2008. Die relative Minderung von Treibhausgas-Emissionen durch Energieeinsparung und Energieträgerwechsel betrug im Durchschnitt 58 % pro m2 Wohnfläche im Jahr. Dies selbst unter Berücksichtigung in- und ausländischer Vorketten für die Gewinnung, den Transport und die Umwandlung der Energieträger. Adaptiert man die Resultate für die Schweiz, ist anzunehmen, dass MINERGIE®-Sanierungen den Energieverbrauch und damit den CO2-Ausstoss um rund 70 % senken.


Förderprogramme in der Schweiz

Wie bringt man Immobilieneigentümer nun dazu energetisch zu sanieren? Der Bund wie auch die Kantone setzen Anreize, indem sie Förderbeiträge entrichten, wenn Immobilien energetisch saniert und dabei bestimmte Kriterien eingehalten werden. Die Auswirkungen des Föderalismus machen allerdings auch bei den Förderprogrammen nicht halt.
Seit Anfangs Januar 2010 läuft auf nationaler Ebene das „Gebäudeprogramm“. Bei diesem wird ein Teil aus der CO2-Abgabe auf Brennstoffen – rund 135 Millionen Franken pro Jahr – zur Förderung von Gebäudehüllensanierungen eingesetzt (vgl. Grafik 2). Die Programmdauer ist auf 10 Jahre festgelegt.



Grafik 2: „Das Gebäudeprogramm“ - Förderbeiträge
(Quelle: http://www.dasgebaeudeprogramm.ch, Februar 2010)


Die Kantone unterhalten eigene Förderprogramme, die schliesslich vom Bund mit Globalbeiträgen unterstützt werden. Der Kanton Zürich etwa kennt solche Programme seit einigen Jahren . Er fokussiert dabei speziell auf die Haustechnik, insbesondere die energieeffiziente und klimafreundliche Energiegewinnung z.B. durch thermische Solaranlagen. Vorgesehen sind zudem Beiträge für Sanierungen nach MINERGIE-Standard oder für Ersatzneubauten im MINERGIE-P- Standard.
Nicht alle Kantone sind allerdings gleich weit. Der Kanton Schwyz beispielsweise lanciert erstmalig per 2010 ein Förderprogramm für den Bereich Haustechnik. Nebst den Kantonen bieten schliesslich auch vereinzelt Energieversorger und Gemeinden Förderprogramme an.

Inwieweit die Förderbeiträge tatsächlich als Anreize wahrgenommen werden und nicht nur im Rahmen von Mitnahmeeffekten bezogen werden, ist schwierig zu beurteilen. Gemäss einer Konzeptstudie des Instituts „Energie am Bau“ der Fachhochschule Basel müssen die Förderbeiträge zwischen 15 und 30 % der Investitionskosten betragen, damit ein ausreichender Anreiz für eine energetische Sanierung der Gebäudehülle besteht . Auch Erfahrungen mit dem Gebäudeprogramm der KfW-Bankengruppe in Deutschland lassen Schlüsse über die Wirksamkeit solcher Programme zu. Es stellte sich heraus, dass aufgrund der Bankeninitiative 0.34 % des Wohnungsbestandes in Deutschland modernisiert wurden. In der Schweiz wurde während dem Zeitraum von 1995-2005 jährlich schätzungsweise 1 % des Wohnbestandes renoviert. Rund die Hälfte davon wurde auch energetisch verbessert. Es wird sich zeigen, wie sich die jährliche Quote von energetischen Modernisierungen aufgrund der schweizerischen Förderprogramme zusätzlich verändert.


Fiskalpolitik und Finanzierungsangebote

Auch bei der direkten Bundessteuer können Investitionen, die dem Energiesparen und dem Umweltschutz dienen, in Abzug gebracht werden. Dies gilt für Massnahmen, welche zur rationellen Energieanwendung oder zur Nutzung erneuerbarer Energien bei bestehenden Gebäuden beitragen. Gemäss dem zürcherischen Steuergesetz (§ 30 Abs. 2 Satz 2) sind diese Investitionen den Unterhaltskosten gleichgestellt, sofern sie bei der direkten Bundessteuer abzugsfähig sind. Mit anderen Worten, Investitionen in energetische Sanierungen lassen sich sowohl bei der direkten Bundessteuer wie auch bei der kantonalen Steuer vom steuerbaren Einkommen abziehen.

Mehrere Finanzinstitute bieten zudem vergünstigte Finanzierungen für (energetische) Sanierungsprojekte an. Dabei handelt es sich vorwiegend um Kantonalbanken, also meist ebenfalls öffentlich-rechtliche Anstalten. Ihre vergünstigten Finanzierungen sind im weitesten Sinne zusätzliche Massnahmen des Staates zur Förderung energetischer Sanierungen.


Informationen lichten Förderdschungel

Die zahlreichen Förderprogramme machen es nicht einfach sich zurechtzufinden. In den Kantonen Zürich, Baselland und Solothurn greift das Programm „Jetzt – energetisch modernisieren“ des Vereins „Energie Zukunft Schweiz“ den Gebäudeeigentümern unter die Arme. Das Programm richtet sich primär an die Besitzer von Einfamilien- und kleineren Mehrfamilienhäuser. Erfolgsrezept ist das Zusammenwirken verschiedenster Partner, etwa im Kanton Zürich die Kantonale Baudirektion, die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ), der Hauseigentümerverband Zürich (HEV), WWF Schweiz und die Zürcher Kantonalbank. In zahlreichen Gemeinden finden Informationsanlässe zum Thema energetische Modernisierung von Wohngebäuden statt. Im Fokus stehen Wärmedämmung und klimafreundliche Heizsysteme. Zudem wird Wissenswertes über die Finanzierung, kantonale/lokale Förderprogrammen oder steuerliche Aspekte geboten.

Wer keine Zeit für eine solche Veranstaltung findet, kann sich anderswo Hilfe holen. Den schnellsten und bequemsten Weg um herauszufinden, welche Förderprogramme konkret geltend gemacht werden können, bietet die Plattform www.energiefranken.ch. Hier lässt sich einfach die Postleitzahl des Objektstandortes eingegeben, worauf eine übersichtliche Liste mit den Förderprogrammen generiert wird.


Lizenz: by-nc-nd