sustainability – your responsibility.

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Das WG-Leben erfreut sich nicht nur unter Studenten grosser Beliebtheit. Die Wohngemeinschaften entstehen aus einer spontanen Laune, nach gescheiterten Beziehungen, der Lust mit Freunden zu wohnen, als Familienersatz oder sie kommen über WG-zimmer.ch zu Stande. Doch das WG-Leben birgt kleine und grössere Überraschungen. Beim Wohnen nähert man sich dem Gegenüber so an, dass kleine, makabere Dinge zum Vorschein treten. Davon habe ich zum Glück beim Einzug in meine erste WG noch nichts gewusst.

Seit sieben Jahren wohne ich in WGs und nach 37 Mitbewohnern kenne ich meine Vorlieben: Ein Mitbewohner muss einigermassen sauber sein, sein Zimmer darf verwüstet sein, nicht jedoch die allgemeinen Räume, er muss von Zeit zu Zeit abwaschen und einen Putzplan lesen können. Was mir persönlich am Herzen liegt, ist die Mülltrennung. Das mag bieder klingen, doch hört euch die Geschichte meiner allerersten Mitbewohnerin an: Sie entpuppte sich als absolutes Monster - Sie trank Milch direkt aus der Flasche und schmiss sie einfach in den Müll. Auch Papier landete dort anstatt in unserer wirklich gut organisierten Papierabfuhr. Bierkartons wurden nicht einmal zusammen gefaltet, sondern gleich so rein, auch wenn der Sack danach gleich voll war. PET-Flaschen an einem separaten Ort zu sammeln, war ihr absolut fremd. In hohem Bogen flogen die Flaschen ebenfalls in den Mülleimer. Bis hierher könnte man es einfach noch als Faulheit abtun, doch es kommt noch dicker: Glasflaschen, Batterien, kaputte I-Pods, leere Asthmabehälter, nicht mehr getragene Kleider, einfach alles, was es in unserem Haushalt gab. Sie praktizierte das absolute Gegenteil von Mülltrennung. Man kann sich nun fragen, ob sie in einem anderen Land aufgewachsen ist, wo der Müll nicht so minutiös getrennt wird. Nein, sie ist gebürtige Emmentalerin. Man fragt sich, ob denn ihre Eltern ihr dieses Wissen oder Bewusstsein nicht vermitteln konnten, oder ob sie selber auch so handeln.

Eines Tages reichte es mir. Ich kam nach Hause und draussen war es eisigkalt. Unsere Wohnung war wie ein Fussballplatz hell erleuchtet, sodass ich zuerst dachte, dass sie Besuch hatte oder eine Party schmiss, doch sie war alleine im Wohnzimmer. Ich fasste mir ein Herz und wollte sie zur Rede stellen. Sie sass auf dem Sofa, den Heizkörper neben sich voll aufgedreht, eine Zigarette zwischen den Fingern und das Fenster sperrangelweit offen. Ich sagte nichts, denn mir wurde klar, dass auch meine Kritik nichts ändern würde. Ich machte auf dem Absatz kehrt und ging in mein Zimmer. Nachdem ich den Laptop gestartet hatte, tippte ich ein: www.wg-zimmer.ch und suchte mir ein neues Zuhause mit neuen Mitbewohnern. Neues Haus, neues Glück sagt man doch. In einem Minergie-Haus mit Bewohnern, die allesamt Mitglied der grünen Partei sind.