sustainability – your responsibility.

Facebook Twitter identi.ca RSS Feed Newsletter

...diesen Studio!Sus in einem möglichst offenen und freien Arbeitsprozess zu gestalten. Das war das Ergebnis unserer ersten Redaktionssitzung. Um dem Thema gerecht zu werden. Und um ein besseres Ergebnis zu erzielen.

  • Lukas: Was das dann hiess, haben wir am eigenen Leib erfahren. In diesem Gespräch wollen wir unsere Erfahrungen reflektieren.

  • Mauro: Konkret haben wir analog zu den vier grossen Themenbereichen überlegt, was wir beachten sollten, und was wir beachten wollen. Wir wollten möglichst viel FOS-Software anstelle von proprietärer Software verwenden und einen transparenten und kollektiven Arbeitsprozess organisieren, ähnlich dem von vielen Open Source-Projekten. Dazu wurden alle Texte auf unserer Wiki-Plattform mit der gleichen Freien Software mit der auch Wikipedia läuft, erarbeitet. Die Texte waren zu jedem Zeitpunkt dem ganzen Team zugänglich -sowohl zum Lesen als auch zum Kommentieren, Korrigieren und Vorschläge unterbreiten.

  • Lukas: Der Zugang nur für das Redaktionsteam war uns aber nicht genug. Um ein echtes Crowdsourcing zu ermöglichen, haben wir über verschiedene Kanäle einen Aufruf zur Mitarbeit an mehrere tausend Studenten versandt. Über eine Aktionswebseite konnten sie zwei Wochen lang die ersten Versionen der Artikel, und im Falle von Interviews die Fragen, völlig frei kommentieren und editieren. Man konnte unsere Guidelines zum Handeln weiterentwickeln, den Titel des Hefts mitbestimmen oder seine Ideen anderweitig einbringen. Für den Arbeitsprozess und aus dem Crowdsourcing ist dann auch der Leitfaden, den wir auf Seite 2 abdrucken, entstanden.

  • Pascal: Was die anderen drei Bereiche anbelangt: Wir arbeiteten mit offenen Standards, und berücksichtigen bereits seit dem Herbst 2006 die freie Verwendung von Inhalten indem wir unsere Artikel unter CC-Lizenzen veröffentlichen. Auch der offene Zugang ist durch das kostenlose Verteilen des Magazins und die benutzerfreundliche Veröffentlichung der einzelnen Artikel auf einer eigenen Webseite gewährleistet.

  • Lukas: Das Gesamtergebnis unseres Versuchs, möglichst digital nachhaltig zu arbeiten, würde ich eindeutig positiv bewerten. Wir konnten weitgehend unseren Vorsätzen folgen, und haben über das relativ aufwändige Crowdsourcing für die Arbeit des Project21 und den Studio!Sus werben können. Zusätzlich haben wir schon bereits vor der Veröffentlichung viele Menschen für das Thema sensibilisieren können: auf der Projektseite verzeichneten wir insgesamt über 2000 Zugriffe!

  • Pascal: Zudem sind von ausserhalb des Teams in der offenen Phase einige Kommentare gekommen. Nicht viele, aber zumindest in meinem Fall, nützliche Inputs, die zur Qualität des Artikels beigetragen haben. Für mich war der offene Prozess klar ein Vorteil.

  • Lukas: Der Arbeitsprozess lief aber nicht nur reibungslos. Aus Zeitmangel während der Prüfungsphase ist unser erster Gedanke gescheitert, sämtliche Inhalte kollaborativ online zu erarbeiten. Intern gab es eher spärlich Feedback, vielleicht weil es eine gewisse Schüchernheit bei manchen gab, oder Unklarheit über Zuständigkeiten, aber auch sicherlich wegen des Zeitmangels während der Prüfungsmonate. Redaktionssitzungen mussten wir also trotzdem abhalten.

  • Mauro: Dennoch bin ich überzeugt, dass die Vorteile überwiegen. Die Artikel greifen durch die bessere Information der Autoren und das vernetzte Arbeiten stärker ineinander und es gab einen geringeren Koordinationsaufwand. Wenn innerhalb des Teams nur wenig Gebrauch davon gemacht wurde, die Entstehung der Artikel mitzuverfolgen und Inputs zu geben, lag das sicher daran, dass diese Form der Inhaltsproduktion für unsere Redaktion ziemlich neu und ungewohnt war. Eine Open Source-Kultur, wenn man das so nennen kann, entsteht nicht von heute auf morgen. Es braucht Zeit und Erfahrung, und ich hoffe sehr, dass die nächste Chefredaktion beim Wiki-Ansatz bleiben wird und wir diesen noch ausbauen und besser nutzen lernen.

  • Pascal: Verbesserungsmöglichkeiten gibt es aber auch sonst überall! Wir haben beim Selbstversuch aus Zeitgründen Kompromisse machen müssen. Der Schriftsatz ist noch nicht offen zugänglich. Es hätte einen deutlich grösseren Aufwand bedurft, um die professionellen Illustratoren von einer freien Veröffentlichung ihrer Grafiken zu überzeugen. Unser Layouter, ein ausgebildeter Polygraf, hätte zu viel Lernzeit aufwenden müssen, um für uns auf eine FOSS Alternative zu wechseln. Man könnte zudem den ganzen Erstellungsprozess weiter öffnen. So könnte ich mir z.B. ein System vorstellen, wo interessierte Redaktoren und Redakteurinnen zur Unterstützung der Themenwahl Artikel oder auch nur Skizzen von möglichen Artikeln einreichen können.

  • Lukas: Auch in Sachen Transparenz könnten wir noch mehr tun, warum sollten wir zum Beispiel unser Budget ab dieser Ausgabe nicht online einsehbar machen? Diese Information kann kaum gegen uns verwendet werden, und vielleicht anderen Studenten behilflich sein, trotzdem erregt ein solcher Schritt erst einmal Widerstand. Nun, es handelt sich um work in progress. Im nächsten Studio!Sus erfahren unsere Leser sicherlich mehr.



Lizenz: by-nc-nd