sustainability – your responsibility.

Facebook Twitter identi.ca RSS Feed Newsletter

Treten sie ein, meine Damen und Herren! Lehnen sie sich zurück und geniessen sie eine kreuz-und-quer Tour in die fantastischen Möglichkeiten des zukünftigen Verkehrs! Exkl. Machbarkeitszweifel, aber inkl. neuster Forschungen und Projekte.

Dominik Ruprecht

 

Die Welt könnt auch ganz anders aussehen. Anstatt am Morgen wie in der Stadt üblich erst einmal hinabzusteigen zur Haltestelle, zum Velo oder zum Auto, könnten wir auch hinaufsteigen. Denn vielleicht haben wir ja Glück und wohnen direkt unter der Haltestelle der Stadtseilbahn. Die kleinen Gondeln verbinden in luftiger Höhe und engem Takt die wichtigen Gebiete in der Stadt und das geräusch- und emissionsfrei. Fantasie? Vielleicht, aber angedacht von Stadtplanern in den USA und zwar nicht nur für sehr hüglige Stadtgebiete. Der Preis sei vergleichbar mit Trams, das System spart aber Platz. Einziges Problem: Man sieht dann in Fenster hinein, in die man vorher nie blicken konnte. Vielleicht heben wir also doch etwas weniger ab und begnügen uns mit dem «Straddling Bus»: Dieser Bus kommt sozusagen auf Stelzen daher, mit welchen er sich am Rand der Fahrspur abstützt, wodurch er den übrigen Verkehr unter sich zurücklassen kann. Diese Idee stammt aus der Feder eines chinesischen Forschers, geeignet sei sie vor allem für grössere Stadtstrassen, wo der Bus auch mehrere Fahrspuren überspannen könnte. Die Vorteile sind offensichtlich: Der Bus gerät selber nie in einen Stau und reduziert dadurch diesen für andere Verkehrsteilnehmer.

Wenn wir vom Straddling Bus hinunterblicken, entdecken wir aber vielleicht, dass der Platzverbrauch durch die anderen Verkehrsteilnehmer sowieso schon drastisch reduziert worden ist. An bunte Luftballone erinnernde Kleinstauto – Pod cars genannt – dominieren nämlich das Strassenbild. Diese Fahrzeuge für ein bis zwei Personen bieten zwar nur minimal Platz, sind dafür aber extrem wendig, sparsam und natürlich mit der neusten Technologie ausgerüstet. Diese hilft uns auf der Spur zu bleiben, Gefahren vorzeitig zu erkennen und übernimmt sogar die lästige Parkplatzsuche, in dem es das Auto selbständig zum nächsten verfügbaren Platz fährt. Dass diese faszinierende Vorstellung einmal Realität werden könnte, beweist General Motors mit einem Prototyp. Elektronische Fahrerassistenz in Form von Warnungen, kleinen Vorbremsungen oder Vorlenkungen bei Aufgaben wie Fahrspur halten, optimalen Abstand halten oder unerwartet einfahrenden Fahrzeugen ausweichen, sind sogar schon heute bei einigen Automodellen verwirklicht. Nur beim vollständig selbständigen Fahren happerts noch. Dass selbständig fahrende Autos nicht eine völlig Utopie sind, bewies jedoch die Internetfirma Google, welche in einem ihrer kreativen Projekte sieben auf Automatik umgerüstete Toyota Prius rund 225'000 Testkilometer zwischen San Francisco und Los Angeles selbständig fahren liess. Natürlich sass immer auch ein Fahrer in diesen Roboterautos, dieser musste aber nur sehr selten eingreifen. Der Fahrer sass denn auch nicht nur wegen der Sicherheit immer drin, sondern auch, damit dem Gesetz genüge getan ist. In den allermeisten Ländern schreibt dieses nämlich vor, dass der Fahrer jederzeit die volle Kontrolle über seinen Wagen innehaben können muss. Es gibt deshalb auch Experten, die behaupten, dass nicht die Technik, sondern rechtliche Fragen und Kundenakzeptanz die Hauptknackpunkte beim automatischen Fahren sind. Denn: Wer ist schuld, wenn ein Unfall passiert mit einem solchen Auto? Und: Wer kann wirklich angstfrei in aller Ruhe Zeitung lesen, während das Auto sich selbst fährt?

Während auf offener Fahrbahn diese Fragen noch Bauchschmerzen bereiten, können wir schon heute mancherorts in öffentliche Verkehrsmittel einsteigen, welche von keinem Menschen mehr gefahren werden. Dies vor allem, weil die Fahrbahn hier klar abgetrennt und somit gesichert vor unerwarteten Ereignissen ist. Vielleicht möchten wir uns aber nicht in diese Massenverkehrsmittel hineinzwängen und trotzdem Zeitung lesen anstatt auf die Strasse zu starren? Kein Problem, zumindest wenn wir uns auf der Autobahn befinden. Hier ist die Fahrbahn klarer separiert und automatisches Fahren dürfte schneller realisierbar sein. Dies ist auch das Konzept des Dualmodes: Individuelle Fahrzeuge werden auf Schnellstrassen automatisch gefahren, und zwar so, dass die einzelnen Fahrzeuge als eine Einheit agieren – ein part-time Zug sozusagen. Also steigen wir ein in unseren Pod car, der natürlich elektrisch angetrieben ist, und schlängeln uns elegant zur Autobahneinfahrt. Sobald wir dort ankommen, übernimmt der Autopilot: Er fädelt sich in den Autozug auf der Autobahn ein, wir geben nur noch die gewünschte Ausfahrt an, bevor wir uns mit den Neuigkeiten des Tages befassen. Ganz nebenbei wird während der Fahrt auf der Autobahn die kleine Batterie unseres Fahrzeuges aufgeladen durch den Linearmotor, der in der Mitte der Fahrspur verläuft und an welchem sich der Autopilot orientiert. So kommen wir und unser pod car mit voll getankten Batterien am Wunschort an. Diese elektrische Ausprägung des Dualmode hat ein deutscher Industriedesigner kreiert und damit viel Beachtung erfahren. Früher setzte man noch mehr auf materielle Lenkung – Schienen- oder gar Zugverlad, heute wird die Idee des Dualmodes aber vermehrt auf virtuellen und elektronisch Geleisen verfolgt. Der Preis ist natürlich das Hauptproblem, allerdings wäre beim Neubau von Autobahnen das Einlegen eines Linearmotores nicht ein unüberwindlicher Kostenpunkt. Dumm nur, dass die meisten Autobahnen schon gebaut sind.

Wer jetzt so oder so die Nase rümpft von wegen Individualverkehr oder wer einfach gar nicht fahren kann oder will, dem sei die personal rapid transit (PRT) Anlage gleich darüber empfohlen. Gondeln ähnlicher unserer Stadtseilbahn, nur viel kleiner, eben personal, bringen einen ebenfalls fast zielgenau an den Bestimmungsort. Diese werden magnetisch oder traditionell mit Schiene oder Seil an uns vorbeigeführt, wir die auf dem Wartetrassee auf eine freie Gondel warten. Dazu haben wir einfach auf den grünen Halteknopf gedrückt, jeder einmal, damit das System weiss, wie viele Leute fahren wollen. Schon schwenkt eine Gondel von der Hauptstrecke zum Haltetrassee ab, wir steigen ein und geben unsere gewünschte nächste Haltestelle ein. Während der Fahrt halb belächeln, halb bewundern wir das muscle powered PRT System nebenan. In kleinen Kapseln, halb Glasbüchse, halb aufgehängtes Liegevelo – trampeln gesundheitsbewusste uns hinterher. Da haben wirs bequemer, auch wenn diese genau wie wir ohne Umsteigen und ohne Stau ihr Ziel erreichen werden. Den Anfang nehmen könnten diese PRT Systeme heute – z.B. ist auf dem Flughafen London Heaththrow ein System in Betrieb, für mehrere Leute und bodengebunden, aber automatisch. In Masdar City werden ebenfalls bodengebundene PRT Systeme getestet. Das wichtigste Feature bei all diesen Systemen heisst demand responsivness – auf Knopfdruck sind Fahrzeuge verfügbar, die einen zum Bestimmungsort bringen. Dieses Feature zu verwirklichen wird wohl nicht ganz einfach sein beim Konzept des Shweeb – der Idee des muskelangetriebenen PRT Systems.

Wir sind in der Agglo angekommen. PRT Systeme, jetzt geerdet, vernetzen auch hier die meisten Orte. Kein Wunder, denn schliesslich wurde das PRT System speziell für die dispers besiedelten suburbanen Regionen der USA konzipiert. Dank relativ tiefer Kosten – zumindest im Vergleich mit S-Bahnen oder Trams – kann der PRT auch in die Hochburg des klassischen Autos vordringen. Bis in die hintersten Winkel der Agglo ist es jedoch nicht gekommen, aber kein Problem: Dazu sind ja die Sammeltaxis und Anruflinienbusse da. Der Sammeltaxi-Fahrer fährt entsprechend der Wünsche seiner Kunden an jeden beliebigen Ort in der Region, ganz wie ein normales Taxi, nur halt mit mehr als einem Kunden drin. Der Anruflinienbus hat zwar eine festgelegte Linie, aber von der kann er etwas abweichen und eben auf Anruf holt er einen am gewünschten Ort in der nähe der Linie ab. Allerdings, ganz so cool wie der Skycar, der über uns hinweg donnert, sind diese Konzepte natürlich nicht. Dieser zum vertikalen Start fähige Hybrid von Auto und Flugzeug ist der Traum jedes freiheitsliebenden Individualisten. Bloss Treibstoffverbrauch und dessen Auswirkungen auf Umwelt und Portemonnaie sind nicht ganz so cool. Also bleiben wir halt doch wieder am Boden. Und bewundern zumindest den Prototyp dieses Traum des Fliegens der Firma Moller International; ob er jemals abgehoben hat, ist sowieso unbekannt. Dass es aber doch mehr als ein Hirngespinst ist, beweisen die Investitionen dieser und einiger anderer Firmen. Trotzdem, vielleicht wird diese Fantasie wirklich nie kommen.

Es wird auch schwierig sein, viele der anderen erwähnten Visionen zu verwirklichen. Wir alle kennen und hören täglich hunderte Gründe, wieso alles beim Alten bleiben wird. Vielleicht treffen die alle ja auch zu. Aber umso mehr sollten wir vielleicht auch mal darüber nachdenken, wieso die Welt eben doch auch ganz anders aussehen könnte.

 

SEILBAHNEN:

  • http://gondolaproject.com/about/

STRADDLLNG BUS:

  • http: //www.chinahush.com/2010/07/31/straddling-bus-a-cheaper-greener-and-faster-alternative-to-commute/

POD CARS:

  • http://www.wired.com/autopia/2010/03/general-motors-en-v/
  • http://thenextweb.com/gadgets/2011/01/08/tnw-interview-gms-pod-car- from-the-future-at-ces-2011/

GOOGlES AUTOMATISCH FAHRENDE AUTOS:

  • http://www.nytimes.com/2010/10/10/science/10google.html

SHWEEB:

  • http://shweeb.com

PRT IN MASDAR CITY:

  • http://www.2getthere.eu/Personal_Transit/Projects/Masdar_City_PRT/

SKYCAR:

  • http://www.moller.com/