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Bei besseren Verbindungen pendeln wir grössere Distanzen. Warum? Welche Massnahmen braucht es, um nachhaltig mit den vorhandenen Ressourcen zu wirtschaften? Mobilität betrachtet unter den Stichworten Effizienz, Suffizient und Konsistenz.

Céline Ramseier

 

Der Trend zu längeren Pendlerstrecken setzt sich fort. Aktuell weist die Schweizerische Taschenstatistik 2011 aus, dass Herr und Frau Schweizer im Schnitt 22,3 Minuten zur Arbeit unterwegs sind und dabei 10,6 km zurücklegen. Weiter und schneller scheint die Devise zu sein. Obwohl die Mehrheit der Schweizer Bevölkerung in städtischen Gebieten und deren Agglomerationen wohnt, wird das Pendeln durch die dezentrale Siedlungsstruktur zur Notwendigkeit. Berufspendler brauchen aber trotz längeren Wegen kaum mehr Zeit um an den Arbeitsort zu gelangen. Generell kann diese Tatsache mit der hervorragenden Erschliessungspolitik in der Schweiz erklärt werden. Wir pendeln bei besseren Verbindungen einfach grössere Distanzen. Warum eigentlich?

Effizienzmassnahmen sind ein Mittel um Umweltprobleme via eine Reduktion der Ressourcen- und Energieumsätze anzugehen – effizientere Antriebstechnologien beispielsweise senken die C02-Emissionen pro gefahrenem Kilometer. Hybridantriebe gelten als vielversprechende Technologie um den Treibstoffverbrauch von Personenwagen zu senken. Die Einführung von effizienteren Produkten und Dienstleistungen ist jedoch oft verbunden mit dem sogenannten Rebound-Effekt, ein Effekt, der demjenigen von neugewonnener Effizienz entgegenwirkt. Die positiven Umwelteffekte von neuen Technologien können so drastisch reduziert werden, eine erhöhte Nachfrage nach dem effizienteren Produkt oder Service kann letztlich den Ressourcenverbrauch steigern, als Folge nehmen die konsumierten Güter und Dienstleistungen zu. Wachstumseffekte kompensieren die neu gewonnene Effizienz – was von einem ökonomischen Standpunkt her im Prinzip nicht unerwünscht ist. Was für die Ressource Energie gilt, gilt auch für die Ressource Zeit – neue Strassen und bessere Zugsverbindungen erhöhen die Transportnachfrage.

Unterschieden werden drei Formen von Rebound-Effekten (De Haan 2008):

  • Der sogenannte direkte Rebound-Effekt hat zur Folge, dass die Nachfrage nach demselben Produkt steigt, wenn es günstiger wird.
  • Der indirekte Rebound-Effekt erklärt, dass die Nachfrage nach anderen Produkten oder Dienstleistungen steigt, wenn durch das günstigere Produkt mehr Geld für anderes zur Verfügung steht. Dies bedeutet letztlich, dass die Kaufkraft steigt und wird auch Einkommenseffekt genannt.
  • Gesamtwirtschaftlich können durch veränderte Nachfrage nach bestimmten Produkten strukturelle Veränderungen geschehen. Wenn beispielsweise energieeffiziente Technologien energieintensive Produktionsprozesse erheblich verbessern, kann der Energieverbrauch im Endeffekt gesamthaft steigen (gesamtwirtschaftlicher Rebound-Effekt).

Gehen wir zurück zum Beispiel Auto. Energetisch effizientere Autos legen durch technologische Neuerungen 100 km mit weniger Treibstoff und somit günstiger zurück. Die günstigeren Kosten können zur Folge haben, dass mehr gefahren wird (direkter Rebound-Effekt), indem (I) öfters gefahren wird, (II) grössere Strecken zurückgelegt werden, (III) grössere Autos gekauft werden oder (IV) gar zusätzliche Autos angeschafft werden. Die geringeren Kosten können aber auch zur Folge haben, dass mehr Freizeitaktivitäten nachgefragt werden (indirekter Reboundeffekt), welche wiederum dazu führen können, dass sich die gesamte Wirtschaft an dieses neue Verhalten angleicht (gesamtwirtschaftlicher Effekt) (de Haan 2008).

Effizienzmassnahmen sprechen die Hersteller von Gütern an, indem von diesen verlangt wird, die Produktivität von Rohstoffen zu vervielfachen. Für solche Güter ist unter Umständen eine Förderung durch die öffentliche Hand gerechtfertigt, um über den Preismechanismus Anreize für Effizienssteigerungen zu setzen. Doch allein mit Effizienz scheinen die Voraussetzungen nicht gegeben um unseren Umwelt- und Ressourcenkonsum zu bändigen und die Tragfähigkeit unserer Ökosysteme nachhaltig zu gewährleisten. Manche gehen davon aus, dass sich zusätzlich zu der Entwicklung von effizienten Produkten ein neues Verständnis von Wohlstand durchsetzen muss; ein Wertewandel und damit verbunden ein verändertes Konsumverhalten. Suffizienz ist der Begriff dafür und bedeutet eine intensivere oder gemeinschaftliche Nutzung von Gütern, wie dies beispielsweise beim CarSharing der Fall ist. «Das Suffizienz-Prinzip gilt als eher «weiche» Nachhaltigkeitsstrategie. Auf der Ebene des Ressourcenmanagements läuft diese Strategie im Grunde auf dasselbe hinaus (wie der Effizienzansatz, Anm. d. Red.). Die damit verbundene Anforderung an einen Wandel der Lebensstile und nachhaltigere Konsummuster gilt aber vor allem den KonsumentInnen (Mauch et al 2001)».

Beide Ansätze sind mengenorientiert, doch nur ein kleiner Teil der Bevölkerung fühlt sich durch Suffizienz angesprochen und ist bereit für eine saubere Umwelt auf gewisse Konsumgüter zu verzichten und in einem massvollen, genügsamen Lebensstil Erfüllung zu finden. Eine sinnvolle Kombination von Effizienz und Suffizienz ist wichtig - genannt Konsistenz - um Umweltverträglichkeit zu erreichen und nachhaltig mit den vorhandenen Ressourcen zu wirtschaften. Auf das Pendlertum angewendet wäre die logische Konsequenz: «weniger pendeln wollen und wenn, dann mit effizienten Fortbewegungsmitteln!»

by-nc-nd

 

QUELLEN:

  • De Haan, P., 2008. Identification, quantification, and containment of energy-efficiency induced rebound effect: A research agenda. Rebound Research Report Nr. 1. ETH Zurich, IED-NSSI, report EMDM1521, 26 pages. Download: www.nssi.ethz.ch/res/emdm/.
  • Mauch, U., North, N. und Pulli R., 2001. Zwischen Effizienz und Suffizienz: Die optimale Kombination von Instrumenten im Mobilitätsstektor in Richtung nachhaltiger Entwicklung. In: Changing Things – moving people. Strategies for Promoting Sustainable Development at the Local Level. In Kaufman-Hayoz, R und Gutscher, H. (eds.). Birkhäuser Verlag Basel/Switzerland 2001.
  • Taschenstatistik der Schweiz 2011 - statistische Grundlagen und Übersich- ten. Bundesamt für Statistik.