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Swissmetro ist das Projekt einer unterirdischen Magnetschwebebahn, welche dereinst die Ballungszentren der Schweiz verbinden soll. Ob das wirklich nötig und sinnvoll ist, fragen wir Phillipp Eberhard, Vorstandsmitgllied von Pro Swissmetro.

Philipp Eberhard im Interview mit Andreas Malär

 

Was ist die Vision "Swissmetro"? Auf Ihrer Webseite lese ich "Das Flugzeug ohne Flügel"?

Swissmetro ist das Projekt einer unterirdischen Magnetschwebebahn, welche in einem unter Teilvakuum stehenden Tunnel Geschwindigkeiten von bis zu 700 km/h erreichen kann. Sie soll dereinst auf der Ost-West-Achse die Ballungszentren der Schweiz miteinander verbinden. Eine Reise von Genf nach St. Gallen würde so weniger als 1 Stunde dauern, die Fahrt von Zürich nach Bern 12 Minuten. Eine Strecke Basel-Zürich mit Anbindung der beiden Flughäfen wäre ebenfalls möglich. Die Geschwindigkeit ist also durchaus mit einem Flugzeug vergleichbar, die Swissmetro verkehrt jedoch komplett unterirdisch. So verbraucht sie kein Land und verursacht keinen Lärm.

Ist es wirklich nötig, eine unterirdische Magnetschwebebahn zu entwickeln? Könnte man nicht eine bestehenede Technologie wie den TGV oder den Transrapid einsetzen?

Oberirdische Hochgeschwindigkeitsstrecken sind in der Schweiz aus mehreren Gründen nur sehr schwer zu realisieren. Konventionelle Hochgeschwindigkeitszüge wie der TGV benötigen begradigte Trassen, um ihre Geschwindigkeit ausfahren zu können. In der hügeligen und dicht besiedelten Schweiz bedeutet das viele Tunnels, Viadukte und weitere teure Kunstbauten. Für eine oberirdische Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Bern und Zürich rechnet man beispielsweise mit einem Tunnelanteil von 62 Prozent. Zudem steigt der Luftwiderstand mit zunehmender Geschwindigkeit nicht linear sondern exponentiell. Es muss also viel Energie aufgewendet werden, um den Luftwiderstand zu überwinden und dabei entsteht sehr viel Lärm. Beim Transrapid hat man mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Die erhöhte Streckenführung auf Pfeilern verbraucht zwar weniger Boden, dafür ist die Strecke weitherum sichtbar und der Lärm trägt weit. Sobald man in Zentrumsnähe kommt, muss die Strecke unterirdisch geführt werden, was die Kosten weiter in die Höhe treibt. Ohne Teilvakuum wie bei der Swissmetro entstehen bei Geschwindigkeiten von mehr als 300 km/h in Tunnels starke Druckwellen, sodass grosse Tunnelquerschnitte nötig sind, um diese zu verhindern. Dank des Teilvakuums kommt die Swissmetro mit einem Tunnelprofil aus, das nur etwas halb so gross ist wie das der NEAT.

Wie verhält sich Swissmetro zu anderen Transportmitteln? Ist Swissmetro eine Alternative, Ergänzung oder beides? Vorteile? Nachteile?

Bereits heute sind viele Züge überfüllt, besonders zwischen den grossen Ballungszentren. Das Verkehrsaufkommen wird in den nächsten Jahrzehnten weiter steigen. Weil die Kapazitäten der Bahnstrecken ans Limit stossen, ist es kaum noch möglich, mehr Züge verkehren zu lassen. Der Einsatz von immer höheren Geschwindigkeiten und schwereren Kompositionen (beispielsweise mit Doppelstockwagen) zieht ausserdem einen starken Streckenverschleiss nach sich. Deshalb explodieren die Kosten für Wartung und Streckenunterhalt. Swissmetro stellt eine sinnvolle Ergänzung zur herkömmlichen Eisenbahn dar. Sie entlastet die überfüllten Hauptverkehrsachsen mit zusätzlichen Kapazitäten. So können die oberirdischen Gleise für die Stärkung des Regionalverkehrs und des Güterverkehrs genutzt werden. Auf längeren Strecken wäre die Swissmetro ausserdem eine attraktive Alternative zu Kurzstreckenflügen; dafür müsste das Streckennetz aber entsprechend ausgebaut werden.

Sehen sie Swissmetro als nachhaltiges Projekt?

Ja. Swissmetro hat gegenüber herkömmlichen Technologien viele Vorteile. Sie verkehrt berührungslos und somit praktisch reibungs- und verschleissfrei. Dank dem Teilvakuum braucht sie nur einen geringen Luftwiderstand zu überwinden, wodurch der Energieverbrauch trotz hoher Geschwindigkeit tief bleibt. Weil die Swissmetro komplett unterirdisch verläuft, gibt es auch keine Lärmentwicklung und es werden keine Landschaften zubetoniert. Natürlich erfordert der Bau der Infrastruktur viel Energie und Geld, doch diese Investition amortisiert sich später über einen Zeitraum von vielen Jahrzehnten bei geringem Verbrauch. Der Gotthardtunnel beispielsweise ist seit über 100 Jahren in Betrieb und wird es auch mit der NEAT bleiben. Heute sind wir stolz auf den Gotthardtunnel als technische Meisterleistung und als Grundstütze einer nachhaltigen Verkehrspolitik. Doch im Jahr 1870 schien ein Projekt wie der Bau des Gotthardtunnels genauso utopisch und gigantomanisch wie das heute bei der Swissmetro der Fall ist.

Wie ist der aktuelle Projektstand?

Das Projekt steht leider mehr oder weniger still. Nachdem die Swissmetro AG Ende 2009 liquidiert wurde, ging das Projekt an die EPFL zurück. Die EPFL ist jedoch nicht in der Lage, das Projekt Swissmetro zur Umsetzung zu bringen. Auch Interessenten aus der Privatwirtschaft können das nicht. Infrastrukturprojekte dieser Grössenordnung können nur in enger Zusammenarbeit mit dem Staat realisiert werden. Doch leider fehlt der Swissmetro zurzeit die Unterstützung der Politik.

Glauben sie, dass sie mal in einer Swissmetro fahren werden? Was kann ich machen, wenn ich das möchte?

Auch wenn es zurzeit nicht vom Fleck zu kommen scheint, gebe ich dem Projekt mittelfristig nach wie vor gute Chancen. Vor 10 Jahren hätte auch niemand gedacht, dass Elektroautos das nächste grosse Ding werden. Heute arbeiten alle grossen Autohersteller mit Hochdruck an dieser Technologie. Bereits bekannte Technologien können also sehr schnell eine neue Dynamik erhalten. Die Verstädterung der Schweiz, unser zunehmendes Mobilitätsbedürfnis und steigende Energiepreise sind Trends, welche für die Swissmetro sprechen. Es kann also gut sein, dass ich tasächlich einmal mit der Swissmetro fahren werde. Allerdings wäre das wohl frühestens in 30 bis 40 Jahren der Fall. Pro Swissmetro hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Projekt Swissmetro bekannt zu machen, damit es dereinst umgesetzt werden kann. Wer dieses Vorhaben unterstützen möchte, kann unsere E-Petition unterzeichnen (http://www.swissmetro.ch/de/ mitmachen/e-petition/unterschreiben) oder wird am besten gleich Mitglied bei Pro Swissmetro.

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Philipp Eberhard ist im ehrenamtlichen Vorstand von Pro Swissmetro zuständig für das Ressort Kommunikation. Nach dem Studium an der Universität Zürich war er zuerst für einen japanischen Maschinenhersteller in Deutschland als projektmanager tätig; heute ist er in der Kommunikationsabteilung des Branchenverbands der Schweizer Maschinen-, Elektor- und Metallindustrie verantwortlich für die Online-Kanäle.