sustainability – your responsibility.

Facebook Twitter identi.ca RSS Feed Newsletter

Produkte begleiten uns durch den Alltag. Wenig bewusst ist uns konsumenten leider nur allzu oft, dass Produkte nicht nur genutzt, sondern auch hergestellt und nach Gebrauch wieder entsorgt werden müssen. Was bracht es, damit ein Produkt umweltverträglich und nachhaltig ist?

Céline Ramseier

 

Wir benötigen sie, wir benutzen sie täglich. Unser Leben ist ohne sie nicht denkbar: Produkte. Produkte aller Art, Produkte für alle möglichen Zwecke. Produkte begleiten uns durch den Alltag. Produkte wollen allerdings nicht nur genutzt, sondern müssen erst hergestellt und nach Gebrauch wieder entsorgt werden. In jedem Produkt steckt somit eine Menge «Umwelt». Was charakterisiert ein umweltverträgliches und nachhaltiges Produkt? Das Zusammenspiel von vielen Faktoren entlang des Produktlebenszyklus bestimmt diesbezüglich die Produktqualität. Viele dieser Zusammenhänge sind etlichen Konsumenten, aber auch Designern und Produzenten entlang der Wertschöpfungskette nicht bewusst.

Der Produktlebenszyklus beginnt bereits bei der Materialauswahl: Welche Materialien werden verwendet? Wie und unter welchen Bedingungen werden diese gewonnen? Werden nachwachsende Rohstoffe oder gar Recyclingmaterialen gebraucht? Kann das Material nach Abschluss der Gebrauchsphase recycelt werden? Wird das Produkt ressourcenschonend und unter reduziertem Materialeinsatz produziert? Im ersten Schritt noch vor der Herstellung müssen die notwendigen Materialien und Energien für die Produktion bereitgestellt werden. Meist müssen hierfür erst Rohstoffe gewonnen und daraus Ausgangsmaterialien produziert werden. So erfolgt vor der eigentlichen Stahlproduktion zunächst der Erzabbau und vor der Kunststoffproduktion muss zunächst Erdöl gefördert werden. Stoffflüsse und daraus resultierende Abfallströme sind wesentliche Bestandteile jeder Produktion [1].

Nach der Herstellung muss das Produkt zum Nutzer transportiert werden. Es stellt sich die Frage, wie das Produkt verpackt und auf welche Art und wie weit transportiert wird. Es kann sein, dass während der Nutzung weiter Energie und Material gebraucht werden, ebenso können Emissionen, Abwässer und Abfälle anfallen. Ein gutes Produkt ist langlebig und kann, wenn es defekt ist, einfach repariert werden. Oder aber, wenn das nicht mehr möglich ist, am Ende der Nutzungsphase einfach zerlegt und möglichst vollständig recycelt und erneut als Ressource einer weiteren Nutzung zugeführt werden.

ECODESIGN - WAS IST DAS?

Ecodesign baut auf einer umfassenden Betrachtung des Produktlebens auf und fordert die Integration von Nachhaltigkeit in Produktedesign und –entwicklung. Bei der Rohstoffgewinnung, der Herstellung, beim Vertrieb, während der Nutzung und schliesslich der Entsorgung sollen stets die zu erwartenden Auswirkungen auf die Umwelt einbezogen und minimiert werden, mit dem Ziel «wirtschaftliche Sinnhaftigkeit, soziale Verträglichkeit und ökologische Notwendigkeit» [1] zu vereinen. Ziel von Ecodesign ist es, einen Nutzen für den Konsumenten zu erfüllen, Ressourcen intelligent einzusetzen und die Umwelt minimal zu belasten. Zentral für Ecodesign sind insbesondere auch sozial faire Bedingungen.

Ein Blick auf die Entstehungsgeschichte von Ecodesign zeigt, dass ein wichtiger Schritt zunächst in der Vermeidung von Abfällen und Schadstoffen während der Produktion (Clean Production) bestand. Darauf folgend wurde zusätzlich darauf geachtet, die Umweltauswirkungen während des gesamten Produktlebenszyklus von der Rohstoffherstellung bis zur Entsorgung zu minimieren (Clean Products). Ecodesign nach heutigem Verständnis verpflichtet sich, das gesamte sozio-ökonomische System des Produktes «inklusive seiner Nutzung im Sinne einer nachhaltigen, zukunftsfähigen Entwicklung zu optimieren» [1]. Dabei können grundsätzlich neue Lösungen für ein Nutzbedüfnis gefunden und Kombinationen von Dienstleistungen und umweltoptimierten Produkten zu neuartigen und innovativen Geschäftsansätzen führen. So steht denn das Präfix «Öko» für eine gleichzeitige Betrachtung ökologischer und ökonomischer Aspekte.

ECODESIGN - HER MIT EIN PAAR BEISPIELEN!

Die Anforderungen an ein nachhaltiges Produkt sind hoch und eine Herausforderung für Produktedesigner, die eine grosse Verantwortung tragen und die Umweltverträglichkeit eines Produktes stark beeinflussen können. Die meisten Produkte konzentrieren sich auf bestimmte Aspekte der Ecodesign-Prinzipien und stellen diese – auch zu Werbezwecken - in den Vordergrund. Der Bürotisch «Kalidro» [2] beispielsweise deckt die Phasen Herstellung, Nutzung und Recycling ab, denn er wird ressourcenschonend hergestellt, ist für einen langen Einsatz konzipiert und zu 99% recyclierbar. Besonders wurde dabei auf einen reduzierten Materialeinsatz und die Austauschbarkeit der Komponenten geachtet [3]. Ob tatsächlich recycelt wird, muss dem Konsument überlassen werden. Der dazugehörige Stuhl «Think» [2] berücksichtigt deshalb zusätzlich die Tatsache, dass das Produkt leicht demontierbar sein muss, wenn das Recycling auch tatsächlich erfolgreich sein soll: der Bürostuhl soll in nur 5 Minuten mit einem einfachen Werkzeug zerlegbar sein [3].

thinkStuhl «Think»: zusammengebaut und zerlegt

Einen wunderbar romantischen Ansatz verfolgen die Macher der «Lunar-Resonant Streetlights» [4]: Ziel ist es den Einsatz von Strassenbeleuchtung auf ein Minimum zu reduzieren, unter anderem auch, damit Vögel und Insekten weniger von städtischen Leuchtquellen irritiert werden. Ursprünglich aus dem Gedanken heraus entstanden, dass die Strassenbeleuchtung in Ballungszentren viel Energie verbraucht, ermöglicht diese clevere Strassenbeleuchtung, welche sich der Helligkeit des Mondes anpasst, Städtern den Blick auf die Milchstrasse und erfüllt so nebst einem ressoucenschonenden Betrieb auch eine charmante, gesellschaftliche Funktion.

ECODESIGN - WAS SIND DIE WURZELN?

Schauen wir kurz zurück auf die Entstehungsgeschichte des Ecodesigns: Bereits während der Industriellen Revolution warnte die britische «Arts and Crafts-Bewegung» (Kunst- und Handwerksbewegung) vor den Umweltschäden der neu entstehenden Industrie und suchte nach alternativen Methoden um eine Steigerung der Produktivität mit weniger schädlichen Verfahren zu erreichen. Obwohl damals wenig beachtet, wurde damit der Grundstein für die Entstehung modernistischer Bewegungen in Europa gelegt: der Werkbund und das Bauhaus (Deutschland), die Secession und die Wiener Werkstätte (Oesterreich), sowie De Stijl (Niederlande) schöpften Inspiration aus diesem Denken und entwarfen einfache, standardisierte und hochqualitative Produkte für die Massenproduktion. Die Designer hatten zum Ziel, Material und Energie wirtschaftlich zu nutzen und langlebige und zugleich preiswerte Produkte zu entwerfen, welche den Lebensstandard der breiten Masse verbessern sollten [5]. Gut zwanzig Jahre später, in den Nachkriegsjahren (1945-1950), waren in Europa Materialien und Energie knapp, was ein rationales Design förderte. So wurden damals erstmals kleinere Autos gebaut, welche im Vergleich zu den grossen amerikanischen Autos wenig Treibstoff verbrauchten. Grundsätzlich in Frage gestellt wurde das Konsumdenken während der Hippiebewegung in den 1960er Jahren. Ein weiterer Meilenstein hin zu ökologischem Design ist in der Energiekrise im Jahr 1973 zu finden, als die Ölpreise stark anstiegen. In der Folge wurde damit begonnen den Energiebedarf von Produkten zu analysieren und zu minimieren. Seit den 1980er Jahren wurde die Gesetzgebung zum Umweltschutz stetig verbessert, die Umwelt und unser Umgang damit wurde in der breiten Öffentlichkeit ein wichtiges Thema. Der umweltorientierte Verbraucher wurde zu einer Kraft, die nicht mehr ignoriert werden konnte [5]. 1987 schliesslich wurde der Brundtland-Bericht «Unsere gemeinsame Zukunft» [6] veröffentlicht und der Begriff «sustainable development» geprägt. Seit den frühen 1990er Jahren gibt es LCA-Software (Life Cycle Assessment), womit Lebenszyklen von Produkten analysiert werden können und welche Industriedesigner dabei unterstützen, Umweltschäden in allen Phasen des Produktlebenszyklus so gering wie möglich zu halten [5].

Europa verfolgt seit 1972 eine länderübergreifende Politik im Umweltbereich. Auf europäischer Ebene und in der Schweiz sind eine Vielzahl an Gesetzen, Richtlinien und Instrumenten - teilweise verpflichtend, teilweise freiwillig - für Ecodesign in Kraft, insbesondere für die elektrische und elektronische Industrie. Der Artikel «Muss eco-designt werden?» beschäftigt sich vertieft mit den gesetzlichen Rahmenbedingungen, Normen und Fördermassnahmen.

ECODESIGN - WAS BRINGT DIE ZUKUNFT?

Viele Produkte, die wir anschaffen, sind nichts weiter als kurzlebige Spielereien [5] und bereits die Umsetzung der Ecodesign-Prinzipien gestalten sich in der Praxis erheblich langwieriger als anfänglich erwartet [7]. Die Wirtschaft wird sich in Zukunft mit Sicherheit noch weit vertiefter mit der Klima- und Energiefrage und der Ressourcennutzung auseinandersetzen müssen [8]. Ökologisches Produktedesign ist eine Kunst und verlangt nicht nur das strikte Einhalten der Umweltgesetzgebung, sondern auch eine gute Portion Innovation, Kreativität und Flexibilität. Beim Re-design und Optimieren von bestehenden und der Gestaltung von neuen Produkten ist ein Umdenken gefordert. Auch sollten wir uns bei jedem Kauf grundsätzlich fragen, ob wir ein bestimmtes Produkt überhaupt benötigen.

Produkte der Zukunft lassen sich gut mit dem Ausspruch «Think global, act local» charakterisieren: Sie müssen während des gesamten Produktlebenszyklus, sprich von der Materialherstellung bis zum Recyling, zwingend wenig Energie nutzen, wenig Abfall produzieren, kohlenstoff- sowie schadstoffarm und überdies regional sein. In dieser Ausgabe des Studio!Sus beleuchten wir das Thema Ecodesign aus verschiedenen Winkeln, weiten das Konzept Ecodesign aus, fragen, wie sich die Umsetzung in der Praxis gestaltet, und stellen innovative Projekte vor.

by-nc-nd

QUELLEN:

  1. www.ecodesign.at
  2. www.steelcase.com
  3. Uphaus, N. (ed.) und Roth, M. (ed.), (2008). Ecological Design. Kempten: te-Neues.
  4. www.civiltwilightcollective.com
  5. Fuad-Luke, A. (2002). Handbuch ökologisches Design. Möbel, Objekte, Geräte, Materialien, Adressen. Köln: DuMont Literatur und Kunst Verlag.
  6. Bruntland, G. (ed.), (1987), Our common future: The World Commission on Environment and Development. Oxford: Oxford University Press.
  7. Abele, E., Anderl, R., Birkhofer, H. und Rüttinger, B., (Hrsg.), (2008). EcoDesign. Von der Theorie in die Praxis. Berlin Heidelberg: Springer Verlag.
  8. Wimmer, W., Mo Lee, K., Quella, F. und Polak, J. (2010). ECODESIGN - The Competitive Advantage. Dordrecht Heidelberg London New York: Springer.