sustainability – your responsibility.

Facebook Twitter identi.ca RSS Feed Newsletter

Eine Verschmelzung mit Mehrwert: Das Upcycling-Projekt [re]fused material beschäftigt sich mit der Wiederverwertung von Plastiktragtaschen.

Denise König und Simona Reber

 

[re]fused material upcycling manifest | PDF [1.2 MB]

Nachhaltiger Umgang mit Produkten ist ein Kerngedanke von [re]fused material, der anhand einer konkreten Upcycling-Anleitung praktisch vermittelt wird. Empörung und Begeisterung widerspiegelt sich als Begriffspaar im Projekttitel [re]fused material: Verweigerung und Wiedervereinigung. Abgelehnt (refuse) wird ein unökologischer Umgang mit Materialien, die Verhaltensweisen und Unrat (refuse) verursacht durch eine unreflektierte Wegwerfgesellschaft. Material wird wiedervereinigt (fused), es wird verarbeitet und verbunden zu einem neuen Gegenstand, gesichert (fused) wird eine Wertsteigerung, ein Mehrwert durch erlebtes, sinnliches Gestalten. Vermittelt wird eine Antihaltung gegen Materialverschleiss und Engagement für einen selbstbestimmten Gestaltungsprozess und ökologische Produktionsweisen.

Upcycling von Abfallmaterialien mit Hilfe von Werkzeugen, welche im eigenen Haushalt vorhanden sind, einer einfachen technischen Herstellung und geringem Zeitaufwand, soll möglich werden. Diese Strategie verbindet eine kreative Praxis mit umweltschonendem Verhalten. Mit einer einfachen technischen Herstellungsweise ein Produkt aus Abfallmaterialien zu entwickeln, welches zugleich ökologisch sinnvoll, funktionell und ästhetisch ist, stellt eine grosse Herausforderung dar. [re]fused material verwendet Plastiktragtaschen als Ausgangsmaterial. Sie sind in vielen Haushalten in grosser Menge vorhanden. Zur Bearbeitung dient ein Bügeleisen, welches ebenso zur Grundausstattung jedes Haushaltes gezählt werden darf. In seiner Ursprungsfunktion ist die Plastiktragtasche eine Hülle und dient den täglich anfallenden Transporten. Durch die Hitze des Bügeleisens zusammengeschweisst, wird der nun reissfeste Plastik Ausgangsmaterial für neue, langlebige Hüllen für Gebrauchsgegenstände wie Laptop, Mobiltelefon, etc. Als weitere Materialien sind lediglich notwendig: eine dicke Kartonunterlage (Tischschutz), Backpapier (Schutz für Bügeleisen und Unterlage), Schere oder Teppichmesser und allenfalls Alufolie zum Schweissen der Nähte, weil sie die Hitze besser leitet. Backpapier und Alufolie können mehrmals wiederverwendet werden. Plastiktragtaschen erweisen sich insofern als ideal, als dass sie zahlreich vorhanden sind, einen unumgänglich im Alltag begleiten und durch ihr vielfältiges visuelles Erscheinen durch Farb- und Schriftgestaltung eine grosse Bandbreite aufweisen.

koenig_reber

Denise König (Bachelor Umweltnaturwissenschaften, ETH Zürich) und Simona Reber (Master of Art Education, Hoch- schule der Künste Bern) haben im Rahmen einer transdisziplinären Semesterarbeit in den Disziplinen Kulturvermittlung und Umweltkommunikation [re]fused material entwickelt. Denise König (Bachelor Umweltnaturwissenschaften, ETH Zürich) und Simona Reber (Master of Art Education, Hoch- schule der Künste Bern) haben im Rahmen einer transdisziplinären Semesterarbeit in den Disziplinen Kulturvermittlung und Umweltkommunikation [re]fused material entwickelt.

 

Wie ist individuelles Upcycling von Plastiktragtaschen unter dem Gesichts punkten von Eco-Design zu bewerten? Plastiktragtaschen fallen als Abfallmaterial an, weil wir nicht bei jedem Einkauf eine geeignete Tasche dabei haben, welche wir mehrfach verwenden. Es wäre zweifellos anzustreben, dass wir konsequent immer dieselbe Tasche zum Einkaufen benutzen. So lange dies aber nicht erreicht ist, fallen Plastiktragtaschen als Abfallmaterial an. Wird nun aus einer gebrauchten Plastiktragtasche eine Laptop-Hülle hergestellt, werden keine neuen Rohstoffe für die Hülle verwendet. Rohstoffe werden aber nur dann eingespart, wenn der Bedarf für eine Hülle auch wirklich vorhanden ist. Inputs sind Wärmeenergie, Backpapier und Alufolie. Soll ein Material andere Eigenschaften als die aktuellen haben, ist ein Energieaufwand unumgänglich. Backpapier und Alufolie können mehrmals verwendet werden. Es ist durchaus möglich, ausschliesslich Backpapier und keine Alufolie zu verwenden. Dies bedingt, dass mehr Geduld und eine längere Bügelzeit gefordert sind. Die eingesetzte Energie und die zusätzlich verwendeten Materialien sollten dem Produkt aus Abfall nicht eine negative Ökobilanz bescheren. Diesbezüglich stellen sich weitere Fragen:

Welche Auswirkungen auf den Ressourcenverbrauch sind zu erwarten, wenn zwar eine gebrauchte Plastiktragtasche, aber neues Backpapier verwendet wird? Wie oft muss ein Backpapier wiederverwendet werden, damit dieser Ressourcenverbrauch nicht ins Gewicht fällt? Ist es realistisch, dass das Backpapier so oft wiederverwendet wird? Gäbe es eine Alternative? (...)

Nachdem die [re]fused material-Produkte ökologisch beleuchtet wurden, soll betont werden, dass dieses Projekt nicht nur bestrebt ist, bezüglich Ökobilanz ein sinnvolles Produkt zu entwickeln, sondern auch einen selbstbestimmten Gestaltungsprozess zu fördern. In der Diskussion über Möglichkeiten, eine nachhaltige Lebensweise zu etablieren, wird oft festgestellt, dass in unserer Wissensgesellschaft die emotionalen und ästhetischen Aspekte vielfach fehlen. Diese beeinflussen unser Handeln viel tiefgreifender als das blosse Wissen. Erkenntnisse, wie sie das Upcycling-Manifest (siehe Seite 29) aufführt, lassen sich nicht durch blosse Information generieren, sondern haben die Wurzeln im praktischen Tun. [Hast du eine Plastiktragtasche zur Hand, greif zum Bügeleisen! :-)]

by-nc-nd