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Gewinnorientierten Frimen ist es oft nicht möglich einen Kernpunkt konsequenten Ecodesigns umzusetzen, nämlich die Langlebigkeit ihrer Produkte. Die Lösung ist einfach: Do it yourself! Ob selber Dinge reparieren oder mit open design und 3D-Druckern gleich von Grund auf selber herstellen, es war noch nie so einfach wie heute, dem DIY-Ethos zu fröhnen.

Mauro Bieg

 

Ecodesign wird oft mit Produkten in Verbindung gebracht, die besonders energieeffizient sind oder keine schwer abbaubaren Stoffe enthalten. Doch was nützt dies, wenn der Akku des neuen Mobiltelefons schon nach einem Jahr nur noch knapp einen Tag reicht und nicht ersetzbar ist? Oder der Staubsauger schon nach kurzer Zeit den Geist aufgibt und sich eine Reparatur als teurer herausstellt, als ein neues Modell zu kaufen (welches noch dazu energieeffizienter als das alte ist)? Fast immer wäre es um ein Vielfaches ökologischer, ein Ding zu reparieren statt ein neues zu kaufen. Oder bei der Produktion und Anschaffung etwas mehr zu investieren, damit das Produkt länger lebt, anstatt jedes Jahr ein neues kaufen zu müssen. Konsequentes Ecodesign achtet auch darauf.

Doch oftmals haben Firmen wenig Interesse daran, Produkte langlebig zu machen. Ein Kunde, der nur ein Mal im Leben eine Uhr oder ein Paar Wanderschuhe kauft, was vor sechzig Jahren noch die Norm war, ist nach dem Massstab heutiger Firmen ein schlechter Kunde. Da in den industrialisierten Ländern lokale Arbeitskraft um ein Vielfaches teurer ist als importierte Fertigprodukte, macht die Reparatur ökonomisch oft wenig Sinn. Der Gipfel dieses Trends ist schliesslich ‹geplante Obsoleszenz› – das gezielte Einbauen von Schwachstellen in ein Produkt, damit es nach einer gewisser Zeit (meist möglichst bald nach Ablauf der Garantie) an Funktionalität verliert oder ganz versagt, so dass man ein neues kaufen muss.

Was kann man da als einfacher Konsument tun? Ganz einfach: do it yourself, kurz DIY. ‹Do it yourself› ist eine Bewegung oder Haltung, die Dinge wortwörtlich in die eigene Hand zu nehmen und sie möglichst selber zu bauen oder zumindest selber zu reparieren. Dies ist heute allerdings nicht mehr ganz einfach. Während man bei alten Autos noch die Motorhaube öffnen und mit etwas Geschick die gröbsten Pannen selber beheben konnte, muss bei neueren Modellen in der Regel ein Mechaniker mit den einzig passenden Ersatzteilen oder proprietärer Diagnosesoftware her. So verhält es sich auch mit vielen weiteren Gebrauchsgegenständen, die wir täglich benützen. Der Knackpunkt ist dabei nicht selten, dass man kaum an das Innenleben des Apparates herankommt; entweder ist er zugeschweisst oder mit exotischen Schrauben versehen, die man ohne Spezial-Schraubenzieher nicht lösen kann. Selbst wenn man die äusserste Hülle geknackt hat, geht es innen drin oftmals so weiter.

Doch es stellt sich heraus, dass man mit der richtigen Information, einigen Werkzeugen und etwas Geschick auch hartnäckig verbaute Dinge flicken kann. Zwar kann es heute um einiges komplizierter als früher sein, Alltagsgegenstände zu reparieren - aber wir haben dafür auch Zugang zu einer riesigen Sammlung an Informationen, die uns bei der DIY-repair helfen: das Internet. Ein Beispiel ist iFixit.com. Auf der wiki-artigen Website findet man präzise und bebilderte Schritt-für-Schritt-Anleitungen, um Unterhaltungselektronik wie iPods, Mobiltelefone oder Computer zu reparieren, auch wenn dies vom Hersteller nicht unterstützt wird. Zusätzlich werden meist die passenden Werkzeuge und Ersatzteile aufgelistet oder direkt zum Kauf angeboten.

Kommerzielle Produkte der gängigen Hersteller zu reparieren, ist das eine, aber wäre es nicht klüger, die Dinge von vornherein so zu designen, dass sie länger halten und wesentlich einfacher zu reparieren sind? Da man heutzutage nicht mehr erwarten kann, dass profitorientierte Unternehmen dem Ecodesign so konsequent folgen, bleibt meist nur noch... – genau, do it yourself.

Auch hier bietet das Internet Gleichgesinnten aus der ganzen Welt die Möglichkeit, Ideen, Howtos und Designs auszutauschen. Open Design ist die Anwendung des Open Source Prinzips, das ursprünglich aus der Softwarewelt kommt, auf den Entwicklungsprozess physischer Objekte: möglichst alle Information soll öffentlich zugänglich sein und jede(r) ist willkommen, etwas beizutragen. Ausserdem hat man die Freiheit, das Design eigenständig weiterzuentwickeln. Natürlich findet das Experimentieren und Basteln in der realen Welt statt. Und da nicht jeder Zugang zu einem extensiven Werkzeugkasten hat, haben sich in vielen Städten der Welt sogenannte Hackerspaces gebildet. Ein Hackerspace ist ein Raum oder eine Werkstatt, die in der Regel jedem offen steht und wo man sich über Wissenschaft, Technologie und digitale Kunst austauschen und selbst daran arbeiten kann - eben DIY. Auch in Zürich gibt es vier Hackerspaces; Link am Ende des Artikels.

Eine weitere Entwicklung ist, dass der Preis sogenannter 3D-Drucker, welche in der Industrie schon länger eingesetzt werden, rapide fällt. Schon heute kann man für unter Tausend Euro voll funktionsfähige Produkte der Projekte RepRap und Fab@Home kaufen oder selber zusammenbauen. 3D-Drucker verwenden bei Hitze verformbaren Kunststoff oder andere Materialen und ‹drucken› damit beliebige Objekte nach einer CAD-Datei vom Computer. Dabei wird Lage um Lage des Materials von einem sich auf zwei Achsen bewegenden Druckkopf aufgetragen, währenddem sich die Hebebühne, auf der das Objekt entsteht, langsam senkt. Somit können komplizierte Formen präzise mit 3D-Software modelliert werden, einmal gedruckt, ausprobiert und dann verbessert werden. Produkte, die früher nur durch Massenproduktion realisierbar waren, können heute mit einem 3D-Drucker zuhause auf dem Schreibtisch erzeugt werden. Von Spielzeugen und Mobiltelefonhüllen zu Ersatzteilen und kleinen Zahnrädern kann alles gedruckt werden. Die Designs und CAD-Dateien werden über Webseiten wie Thingiverse ausgetauscht und teils gemeinsam weiterentwickelt. Es ist gut möglich, dass billige 3D-Drucker einen ähnlichen Effekt auf die Welt der Plastikprodukte haben werden, wie der PC und das Internet auf die Medien-, Musik- und Filmindustrie hatten. So wie Blogger, unabhängige Filmemacher und Musiker schon heute den alteingesessen Monopolisten Paroli bieten, werden in Zukunft auch die Hersteller physischer Produkte Konkurrenz von freien und gemeinschaftlich erarbeiteten Designs bekommen.

Im Herzen des DIY-Ethos steht, dass Individuen und Gemeinschaften lernen, sich selber zu ermächtigen und sich nicht davon abschrecken lassen, dass gewisse Dinge in den letzten Jahrzehnten nur von Grosskonzernen oder sogenannten Profis unternommen wurden. Diesem Motto ganz treu, besteht das Ziel des Open Source Ecology Projektes darin, ein Global Village Construction Set zu entwickeln – ein Set, das die Designs zur einfachen Herstellung von etwa 50 industriellen Maschinen enthält, die angeblich ausreichen, um eine ‹kleine Zivilisation mit modernem Komfort› aufzubauen. Ein Traktor und eine hydraulische Presse zur Produktion von Erd- oder Lehmblöcken sowie diverse weitere Prototypen gibt es schon. Die Maschinen sollen langlebig und einfach zu reparieren sein. Und natürlich sind die Designs alle Open Source.

Die genannten Beispiele zeigen: Nur weil profitorientierte Firmen nicht in der Lage sind, Ecodesign konsequent umzusetzen, ist die Hoffnung noch lange nicht verloren. Ob Reparatur von kommerziellen Produkten oder Design von neuen Objekten, oft ist die Lösung einfach: do it yourself - DIY.

by-nc-nd

QUELLEN:

IFIXIT
http://www.ifixit.com


HACKER SPACES
http://hackerspaces.org/wiki/Zurich


REPRAP
http://reprap.org


FAB@HOME
http://www.fabathome.org


OPEN SOURCE ECOLOGY
http://opensourceecology.org