sustainability – your responsibility.

Facebook Twitter identi.ca RSS Feed Newsletter

ALS CHEFREDAKTEUR DES ANLEGERMAGAZINS STOCKS KENNT ER DIE SCHWEIZER WIRTSCHAFTSMEDIEN WIE SEINE WESTENTASCHE: RETO LIPP SPRACH MIT DEM STUDIO!SUS ÜBER DEN DRUCK, DEN ES BRAUCHT, DAMIT WIR NACHHALTIG HANDELN UND ÜBER DEN DURCHHALTEWILLEN DER ANLEGER.

STUDIO!SUS: Was ist Nachhaltigkeit, Herr Lipp?
Reto Lipp: Nachhaltigkeit ist für mich der schonende und auch langfristige Umgang mit Ressourcen: Also mit natürlichen Ressourcen, aber auch mit Menschen und Kapital.

STUDIO!SUS: Was halten Sie als Kenner der Anlegerperspektive von nachhaltigen Fonds?
Das Problem an nachhaltigem Anlegen ist nicht das Konzept, sondern die Umsetzung. Es gibt zwei Ansätze: erstens, man investiert nicht in gewisse Branchen (etwa Ölfirmen oder Pornoindustrie) oder zweitens, man kauft aus jeder Branche Aktien der nachhaltigsten Firmen. Diesen Ansatz verfolgt etwa SAM (Sustainable Asset Management). Sinnvoll ist wahrscheinlich eine Kombination von beiden. Das Problem an nachhaltigen Fonds ist, dass sie alle drei Monate auf ihre Performance getestet werden- wenn sie die Leistung nicht bringen, springen die Leute ab. Durch diesen Performancedruck nähern sich nachhaltige Fonds den konventionellen immer mehr an. Sie machen daher auch die Schwankungen des Marktes ähnlich wie konventionelle Fonds mit – entgegen der Hoffnung vieler AnlegerInnen, die denken, dass Nachhaltigkeit die Schwankungen besser auffängt. Immerhin zeigt sich auch, dass nachhaltiges Anlegen heute keine finanziellen Nachteile mehr mit sich bringt.

STUDIO!SUS: Sollten Pensionskassen nachhaltig anlegen? Tun sie es?
Von ihrer Perspektive her wären sie prädestiniert, sich vermehrt zu engagieren. Pensionskassen haben Macht, nutzen diese aber oft nicht, weil sie nach eigenen Angaben kein Mandat dafür haben. Durch die Befragung ihrer Mitglieder könnten sie es sich aber geben lassen. In letzter Zeit hatten die Pensionskassen ein grosses Problem mit Unterdeckung, so dass im Moment die Priorität eher auf (kurzfristig) hohen Renditen als auf nachhaltigen Anlagen liegt.

STUDIO!SUS: Was bringt es den Firmen, wenn sie in Nachhaltigkeit investieren?
Durch die Berücksichtigung von nachhaltigen Kriterien können Firmen gewisse Risiken, etwa Reputationsrisiken, vermindern. Investitionen in die Nachhaltigkeit kosten kurzfristig viel, zahlen sich aber meist erst langfristig aus. Es braucht daher viel Durchhaltewillen, wenn man in Nachhaltigkeit investiert.

STUDIO!SUS: Wie sieht es in der Zukunft aus? Bleibt Nachhaltigkeit ein Thema?
Ein Fondsmanager hat mal gesagt, dass Nachhaltigkeit ein Luxusthema sei. Wenn es der Wirtschaft gut geht, kümmert man sich darum, wenn es schlecht läuft, hält man wahrscheinlich nicht daran fest. Das hat schon was. Im Moment ist der Druck für nachhaltiges Verhalten nicht besonders gross.


Reto Lipp ist Finanzjournalist. Er arbeitet als Chefredaktor für das Wirtschaftsmagazin Stocks.