sustainability – your responsibility.

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ÜBER GESUNDHEIT MACHT MAN SICH KEINE GEDANKEN, MAN IST EINFACH GESUND – ODER EBEN NICHT. DASS UNSER GEISTIGES WOHLBEFINDEN UND UNSER UMFELD EINEN GROSSEN BEITRAG DAZU LEISTEN, WIRD OFT VERNACHLÄSSIGT. DIE GESUNDHEITSPSYCHOLOGIE UNTERSUCHT GENAU DIESE EINFLÜSSE.

Ich bin gerade aus meinen erholsamen Semesterferien zurückgekehrt. Ich fühle mich gut und wie neu geboren. Das salzige Meerwasser hat meine Haut gereinigt und die warmen Sonnenstrahlen haben meinen Körper gebräunt. Ich fühle mich wohl. Bin ich nun gesünder als zuvor? Was ist schon gesund? Gesundheit ist mehr als nur die Abwesenheit von Krankheit. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Gesundheit als Zustand des vollkommenen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens. Doch wie genau wirkt das Seelische und Soziale auf unsere Gesundheit? Eine Institution, die sich diese Frage stellt, ist die gesundheitspsychologische Abteilung der Universität Zürich. Weiter beschäftigen sich die Verhaltensmedizin und Public Health mit diesem Themenkreis. Doch wie unterscheiden sich diese Forschungsgebiete?

Public Health ist die Wissenschaft und Praxis der Krankheitsverhütung, Lebensverlängerung und der Förderung psychischen und physischen Wohlbefindens einer Bevölkerung. In diesem stark interdisziplinären Gebiet erarbeiten Epidemiologen, Soziologen, Sozialmediziner, Psychologen und Pädagogen gemeinsame Richtlinien und Massnahmen zur Verhütung und Eindämmung von Krankheiten. Die Verhaltensmedizin ist ein interdisziplinäres Fach. Sie untersucht Verhaltensmuster, welche eine wesentliche Rolle bei der Entstehung und Bewältigung von Krankheiten spielen. Die Entstehung, Prävention und Behandlung stehen bei der Verhaltensmedizin im Mittelpunkt. Sie ist stark der klinischen Verhaltenstherapie verpflichtet und sieht sich als Schnittstelle zwischen Medizin und Sozialwissenschaft. Die Gesundheitspsychologie hingegen ist ein Integrationsfach innerhalb der Geisteswissenschaften. Sie beschäftigt sich mit psychischen und gesellschaftlichen Risikofaktoren für die Gesundheit, die Entstehungsbedingungen und Präventionsmöglichkeiten von Krankheiten. Aus dem riesigen Gebiet der Gesundheitspsychologie werden an der Universität Zürich fünf Schwerpunkte herausgegriffen.

GESUNDHEITSVERHALTEN UND GESUNDHEITSFÖRDERUNG

Wie beeinflussen unser Verhalten und unsere Erlebnisse die Gesundheit? Unsere Lebensmuster und unsere persönliche Wahrnehmung können einen wichtigen Beitrag zur Gesundheitsförderung oder Rekonvaleszenz beitragen. Die Aufgabe der gesundheitsfördernden Institutionen ist es, gezielte Massnahmen dazu zu definieren und einzuleiten.

GESCHLECHT UND GESUNDHEIT

Warum leben Frauen im Schnitt länger, obwohl sie öfter krank sind? Dieses Paradoxon hat nicht nur biologische Ursachen. Ökonomische, kulturelle und psychosoziale Faktoren tragen einen grossen Anteil dazu bei. Jeder dieser Faktoren wirkt unterschiedlich auf die Geschlechter. Nicht nur das Gesundheitsverhalten von Frauen und Männer unterscheidet sich, sondern auch die Gesundheitsrisiken. Ein weiteres Forschungsobjekt ist die Beziehung zwischen Arzt und Patient. Erste Ergebnisse haben gezeigt, dass die Kommunikation zwischen Arzt und Patient einen grossen Einfluss auf die Heilung ausüben. So werden beispielsweise Ärzte mit einem sozioemotionalen Kommunikationsstil oft weniger wegen Kunstfehlern eingeklagt als solche mit direktiver Kommunikation.

SEXUELLE GESUNDHEIT

Warum setzen sich Menschen einem Übertragungsrisiko des HI-Virus aus? Was bewegt sie zu ungeschütztem Geschlechtsverkehr oder Needle-sharing? Nicht nur Wissen, Einstellung und Überzeugungen sind Punkte, die hier eine wichtige Rolle spielen. Auch das soziale Umfeld, Gruppenzugehörigkeit und geltende Normen tragen ihren Teil bei. Falsch wäre es aber, Sexualität nur als Gesundheitsrisiko zu betrachten. Sie ist extrem vielseitig und umfasst körperliche, kognitive, emotionale sowie soziale und kulturelle Aspekte. So wird Sexualität von einzelnen Gruppen unterschiedlich erlebt und gestaltet und es existieren durchaus Verbindungen zu anderen Lebensbereichen. Bekannt ist, dass sexuelle Aktivitäten unser Immunsystem stärken. Sex erhöht die Zahl der weissen Blutkörperchen auf das Doppelte. Zudem setzt der Körper beim Sex eine Reihe von Hormonen und Botenstoffen frei, die nicht nur gesund, sondern begehrenswert machen. Das ehemalige Tabuthema Sexualität bietet ein breites Forschungsfeld und wird vermutlich noch einige interessante Resultate im Bezug zur Gesundheit liefern.

GESUNDHEIT UND ENTWICKLUNG

In verschiedenen Lebensphasen ändert sich auch unsere Vorstellung und Definition von Gesundheit. So wird beispielsweise «Gesundheit» erst ab dem mittleren Erwachsenenalter als eines der drei wichtigsten Lebensziele genannt. Keinesfalls ist sie ein statischer Zustand, sondern vielmehr ein dynamisches Ausbalancieren, das fortlaufend geschehen muss. Das Durchleben verschiedener Lebensphasen oder Krisen fordert die Gesundheit immer wieder von neuem heraus. Doch der Körper lernt dazu und entwickelt gar ein Gedächtnis. Dieses wiederum beeinflusst die zukünftige Entwicklung eines Menschen. Bestimmte dieser Gesundheitsrisiken treten hauptsächlich in spezifischen Lebensphasen auf, was es umso wichtiger macht, entwicklungsspezifischen Ansätze zu berücksichtigen. 

EVALUATIONSFORSCHUNG

Wie wirkt sich eine zielgerichtete Informationskampagne aus und was ist der Nutzen der ausgelösten Verhaltensveränderungen? Gibt es überhaupt einen Bedarf? Die Evaluationsforschung wendet sozialwissenschaftliche Methoden an, um genau diesen Fragen nachzugehen. Die praxisorientierte Evaluation ist ein wichtiger Punkt in Präventions- und Aufklärungsarbeit. Die sehr junge Gesundheitspsychologie ist ein spannendes Feld und hat das Potential, ein immer wichtigerer Teil der Gesundheitsbetrachtung zu werden. Eine spannende Frage ist, wie sich die Alternativmedizin durch die Psyche auf den Körper auswirkt. Spannend deshalb, weil dies ein wissenschaftlicher Ansatz sein könnte, um schulmedizinische Zweifel auszuräumen. Dass der Arzt irgendwann durch den Psychiater ersetzt werden kann, wird wohl kaum der Fall sein. Aber schliesslich geht es auch nicht darum, sondern um Grundlagenforschung im Zusammenhang mit Erkrankungen, gesundheitlichen Risiken und Präventionsmassnahmen. Für mich ist klar, falls ich weiterhin so gesund leben möchte wie bis anhin, dann brauche ich weder Arzt noch Psychiater – nur bald wieder Ferien…


Gesundheit ist für mich ein körperlicher und seelischer Zustand des Wohlbefindens, der mir ermöglicht, Freude und Liebe zu empfinden und hat weniger mit Abwesenheit von Beeinträchtigungen zu tun. __Verena Diener (Vorsteherin Gesundheitsdirektion, Kanton Zürich)


Gesundheit ist weniger ein Zustand als eine Haltung, und sie gedeiht mit der Freude am Leben.__Thomas von Aquin