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DIE ANTHROPOSOPHISCHE MEDIZIN SETZT SICH DAFÜR EIN,DIE GEBURT NATÜRLICH ABLAUFEN ZU LASSEN UNDSO WENIG WIE MÖGLICH EINZUGREIFEN. DR. ANGELA KUCK,CHEFÄRZTIN DER GEBURTSHILFE AM PARACELSUSSPITALIN RICHTERSWIL, GIBT AUSKUNFT ÜBER DIE SANFTEODER NATÜRLICHE GEBURT.

STUDIO!SUS: Frau Dr. Kuck, was versteht man unter «Sanfter Geburt»?

Diese Art von Geburtshilfe ist in den achtziger Jahren des letzten Jahrhundertsentstanden. Im 19. und 20. Jahrhundert wurde die Geburt immer medizinischerund operativer. Die Frau war dem Geschehen während des Gebärenseinfach ausgeliefert, es war für sie ein passiver Akt. Der französische ArztFrédéric Leboyer, auf den der Begriff «Sanfte Geburt» zurückgeht, sah die Geburtjedoch als einen Prozess an. Seiner Ansicht nach kann ein Kind auch zurWelt gebeten, es muss nicht geholt werden. Der Übergang vom Mutterleib zurWelt soll für das Kind so sanft wie möglich sein. Zudem erkannte er, dass dieFrau zur Geburt selber etwas beitragen kann und diese nicht über sich ergehenlassen muss.Für mich ist die sanfte Geburt ein natürliches Gebären. Sie hat viel mitRhythmus zu tun. Auch hängt die Dynamik des Vorgangs sehr stark vom Kindab. Wie wir heute wissen, gibt dieses selber den Impuls zur Geburt. In diesemZusammenhang haben wir festgestellt, dass zwei Drittel der Kinder sieben Tageund später als am errechneten Termin zur Welt kommen. Eigentlich müsste derGeburtstermin also verschoben werden. Eine sanfte oder natürliche Geburt kannallerdings sehr schmerzhaft und langwierig sein.

STUDIO!SUS: Was macht die sanfte Geburt besser als andere Gebärmethoden?

Eine Geburt wird oft als etwas angesehen, das bestimmte Normen erfüllenmuss. So sollte das Kind etwa innerhalb einer bestimmten Zeitspanne auf derWelt sein. Ist dies nicht der Fall, wird von medizinischer Seite her sehr schnelleingegriffen. Bei der natürlichen Geburt schauen wir jedoch nicht auf einen Standardoder auf einen bestimmten Ablauf, sondern die Mutter wird im natürlichenRhythmus und den ihr innewohnenden Kräften unterstützt. Wir versuchen, dieAngst zu minimieren und sie nicht noch zu vergrössern. Indem die Mutter etwazur Entbindung gedrängt oder in medizinische Entscheidungen involviert wird,weil sie auf eventuelle Komplikationen achten soll. Deshalb müsste die Geburtauch gar nicht unbedingt im Krankenhaus stattfinden.Die Geburt ist ein Fest und wie jedes Fest in seinem Ablauf nicht fixiert.Es ist ein Prozess mit eigener Dynamik, die unterstützt werden muss. Bei dieserintensiven Erfahrung braucht es das Vertrauen auf die eigenen Ressourcen. Injeder Frau stecken nämlich sehr grosse Kräfte. Die Geburt lässt sich auch miteiner Bergtour vergleichen. Wenn man während des Laufens ständig Angst hat,weil man an all die Gefahren denkt, die auf dem Weg lauern, kann man eigentlichgar keinen Schritt mehr machen. Es ist zwar gut, um die Gefahren zu wissen,aber es darf nicht so weit kommen, dass man vor lauter Angst keinen Fuss mehrvor den anderen setzen kann.

STUDIO!SUS: Wie sind denn heute «nicht natürliche Geburten»?

Sie sind eher ergebnisorientiert. Die Geburt soll im Allgemeinen so rasch,sicher und einfach wie möglich ablaufen. Wenn es dabei Schwierigkeiten gibt,wird schnell eingegriffen. Allerdings hat sich in den letzten zwanzig Jahren vonder natürlichen Geburt einiges in die, wenn ich das so sagen darf, gewöhnlicheGeburt eingeschlichen. Die Schulmediziner würden auch sagen, dass sie eine natürlicheGeburt anstreben. Es scheidet sich dann, wenn es Schwierigkeiten gibt.Dem natürlichen Gebären wird die individuell nötige Zeit zugestanden, währenddie Schulmedizin ein rasches Zurweltkommen des Kindes anstrebt.Natürlich greifen wir bei gefährlichen Komplikationen auch sofort ein. Esist immer ein Arzt dabei, aber in der Hauptsache ist es die Hebamme, welche beider Geburt hilft. Wir führen bei uns im Paracelsus-Spital auch Kaiserschnittedurch. Unser Anliegen ist es indes, die Geburt, so lange für Mutter und Kindkeine Gefahr besteht, natürlich ablaufen zu lassen.

STUDIO!SUS: Woher kommt die natürliche Geburt?

In der Schweiz gibt es eine lange Tradition der natürlichen Geburt. Früherhatte jedes Tal eine Hebamme. Diese Frauen waren bekannt und wurden unterstützt.Schon sehr früh gab es Hebammenschulen, die akzeptiert waren, andersals etwa in Südamerika, wo traditionelle Hebammen nicht anerkannt werden.Bei der natürlichen Geburt greift man auf das dem Körper immanenteWissen zurück. Das heisst, der Körper weiss eigentlich, wie das Gebären geht.In diesem Prozess sollen die Hebammen die Frauen begleiten. Leider haben wirinzwischen vieles der Medizin abgegeben, und nicht mehr auf uns selber vertraut.Bei der Geburt geht es darum, gebären zu dürfen und nicht nur entbundenzu werden. Mutter und Kind sind dabei die Hauptpersonen, und nicht die Ärzte.

STUDIO!SUS: Gibt es Studien, welche die Vorteile einer sanften Geburt belegen?

Das Karolinska-Institut in Schweden hat Frauen nach der Geburt zum Umgangmit den Wehen befragt. Kurz nach der Entbindung sagten diejenigen Frauen,die eine Periduralanästhesie (Betäubung des Rückenmarks) bekommen hatten,dass sie weniger Schmerzen verspürt hätten. Einige Wochen später hatten siejedoch diese schlechter und schmerzhafter in Erinnerung, als Frauen, die einenatürliche Geburt hatten. Letztere mussten zwar Schmerzen aushalten, berichtetenaber von viel mehr Glückserlebnissen. Zudem hatten die Frauen ohneBetäubung auch weniger Probleme im Wochenbett. Die Befragung zeigt, dassSchmerzmittel zwar im Moment eine Erleichterung bringen, dass dieser Vorteilaber im Nachhinein von schlechten Empfindungen überlagert sein kann.Wir arbeiten im Paracelsus-Spital auch mit der Periduralanästhesie. Siekann sehr hilfreich sein. Aber sie sollte individuell und gezielt eingesetzt werden,und nicht schon bei den ersten Problemen.

STUDIO!SUS: Wünschen sich Frauen eine natürliche Geburt?

Den Frauen wird heute sehr viel Angst gemacht. Sie haben Angst, die Geburtalleine nicht zu schaffen und die Schmerzen nicht auszuhalten. Deshalb gehenviele lieber den einfacheren Weg. In Frankreich wird beispielsweise bei denersten Wehen bereits eine Betäubungsspritze verabreicht. Dadurch nimmt manjedoch den Frauen das Geburtserlebnis.Bezüglich der Schmerzen ist es für die Frauen wichtig zu lernen, dass sieihnen nicht ausgeliefert sind. Sie können damit etwa besser umgehen, wenn siedie Wehenschmerzen veratmen. Auch Wasser hilft, ebenso wie Einreibungen.Zudem hält man sie besser aus, wenn man von der Hebamme begleitet undunterstützt wird. Natürlich ist das Gebären etwas sehr Anstrengendes, aberwenn die Frauen auf ihren Körper vertrauen, können sie gut mit den Schmerzenumgehen.

Dr. Angela Kuck Geboren in München. Musikstudium in München und Karlsruhe (Violoncello). Medizinstudium in Bochum und Bonn. Assistenzärztin, Oberärztin an der Abteilung für Frauenheilkunde der anthroposophisch orientierten Filderklinik bei Stuttgart. Leitende Oberärztin der anthroposophisch geführten Frauenabteilung am Kreiskrankenhaus Germersheim (D). Seit 2001 Chefärztin der geburtshilflichgynäkologischen Abteilung des Paracelsus-Spitals in Richterswil.



Gesundheit ist da, wenn vollkommene Harmonie zwischen Seele, Geist und Körper herrscht. __Edward Bach (Gründer der Bachblüten-Therapie)



Für ein gesundes Leben braucht es intakte ökologische und soziale Lebensbedingungen. Dazu gehören gute Arbeits- und Wohnbedingungen, saubere Luft, Lärmfreiheit und eine ausgewogene Ernährung. __Franziska Teuscher (Nationalrätin, Mitglied der Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit)



Die Menschen erflehen von den Göttern Gesundheit und wissen nicht, dass sie in ihrer Hand liegt.__Demokrit