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Sowohl Ölmultis wie auch kleine schweizerische Mineralölfirmen halten nicht sehr viel von Öffentlichkeitsarbeit und Transparenz. Investitionen in erneuerbare Energien fliessen bei den Ölmultis spärlich bis gar nicht. Die drei grossen, global wie auch schweizweit (ExxonMobil alias Esso, BP und Shell) repräsentieren zugleich auch drei Richtungen dieser Investitionspolitik. Einzig BP scheint langsam die Gunst der Stunde von Investitionen in Erneuerbare Energien zu erkennen.
Magere Umfrageergebnisse

Im Januar 2006 unternahm die SES den Versuch, die Schweizer Mineralölgesellschaften und die Schweizer Vertretungen von internationalen Edrdölfirmen zu ihrem Investitionsverhalten in erneuerbare Energien zu befragen. Auch wollten wir von ihnen wissen, wie sie die Debatte über den «Peak of Oil» einschätzen. Wann sie konkret den weltweiten Peak und welchen Energiemix sie für die Schweiz im Jahr 2030 erwarten. Der grossmehrheitliche Auskunfts-Unwille und der überdeutliche Hang zur Intransparenz und Verschwiegenheit sprechen aber Bände. Ohne ein Nachfragen unsererseits hat einzig die Migrol AG, welche zur Migros-Gruppe gehört, den Fragebogen ausgefüllt retourniert.
Von den grossen Ölgiganten hat einzig Shell ohne Nachfrage reagiert, aber auf eine sehr billige Art, indem sie einfach auf ihre internationale Website und ihre internationalen Engagements und Investitionen in Erneuerbare verwies. In der Schweiz ist Shell im Bereich der Erneuerbaren dagegen nicht aktiv.
Sowohl der Multi Esso wie auch BP reagierten trotz Nachfrage nicht. Auch die kleineren Mineralölunternehmen reagierten entweder gar nicht, oder präsentierten eine Ausrede. Agrola meinte z. B. sie seien zwar am Aufbau einer Erneuerbare-Energie-Strategie und am Umsetzen konkreter Massnahmen, würden jedoch zum heutigen Zeitpunkt davon absehen, Details dazu extern zu kommunizieren.

Agip (Suisse) SA investiert in der Schweiz nicht in den Erneuerbaren-Bereich, sieht sich zudem nicht in der Lage unsere Fragen zu beantworten und verweist ansonsten auf ihr Mutterhaus ENI in Italien.
Die AVIA Gruppe, verantwortlich für die Belieferung der AVIA Tankstellen – eine Genossenschaft, die im Übrigen nicht einmal einen Geschäftsbericht veröffentlicht – hält es genauso wenig für nötig sich zu äussern, wie die Schweizer Ableger der Weltkonzerne Tamoil und Total. Coop-Mineralöl definiert sich als Handelsunternehmen und sieht sich nicht in der Lage, unsere Fragen kompetent zu beantworten.

Greenlife von Migrol

Wie viel wird von den Ölgesellschaften nun konkret in Erneuerbare-Projekte investiert? Bei der Migrol machen die Investitionen in Erneuerbare 1,5% der im Jahr 2004 getätigten Gesamtinvestitionen aus. Dabei handelt es sich zu 100% um Investitionen in das Projekt «Diesel Greenlife Plus». Dies ist ein Kraftstoff, der sich zu 95% aus konventionellem fossilem Dieselkraftstoff und zu 5% aus Raps-Methyl-Ester (RME) zusammensetzt.1 Dieser mit RME versetzte Kraftstoff wird im Übrigen auch von Agrola angeboten. Bei Agrola gibt es an vereinzelten Tankstellen auch einen Benzinkraftstoff, welcher mit 5% Bioethanol versetzt ist. Biokraftstoff kann langfristig die Problematik des nach wie vor steigenden Kraftstoffverbrauchs nicht lösen. Er trägt im Sinne des Klimaschutzes – aber nur wenn es sich um Biotreibstoff aus europäischer Produktion handelt – sicher einen Teil zur Problemlinderung bei. Umwerfend ist einer solcher 5%-Anteil aber nicht. In anderen Ländern, beispielsweise Italien, sind solche Produkte schon seit längerem auf dem Markt.

Shell verabschiedet sich von der Solartechnologie

Wie Ralph Stalder, Country Chairman von Shell (Switzerland), auf meine Umfrage antwortet, ist Shell in der Schweiz im Bereich der erneuerbaren Energien nicht aktiv. Auf internationaler Ebene hat aber auch Shell das Geschäft mit den Erneuerbaren gerochen. In Europa und den USA betreibt Shell momentan Windanlagen mit einer installierten Leistung von 740 MW.2 Laut ihrer Website stellt sich Shell dementsprechend als einer der 10 grössten Windfarm-Besitzer dar. Unter Berücksichtigung einer weltweit installierten Windenergie-Leistung von 47'616 MW ist dies aber doch zu relativieren.3 Shell hat nach eigenen Angaben bis heute über 1 Milliarde US-Dollar in erneuerbare Energien investiert, dies umfasst Biomasse, Solar-, Windenergie und Wasserkraft.4 Was aber angesichts eines Jahresgewinns von Royal Dutch Shell von knapp 23 Milliarden Dollar Peanuts sind. Eben nur ein grünes Mäntelchen. Anfang Februar gab Shell bekannt, dass sie ihren gesamten Solarbereich an die deutsche Firma Solarworld verkaufen.

Was macht BP?

Gemäss der Website von BP Switzerland investierte BP in den letzten Jahren 50 Millionen US-Dollar, um die Dächer von rund 200 BP-Tankstellen weltweit mit Solarpanels auszurüsten. Dies ergibt eine Gesamtleistung von 3,5 Megawattstunden. So will BP – je nach Station – mindestens den Strombedarf für die Beleuchtung und die Treibstoffpumpen decken. In der Schweiz sind 14 Tankstellen mit Photovoltaikanlagen ausgerüstet. Nicht umwerfend, aber immerhin. BP ist von den grossen Ölfirmen auf jeden Fall der Konzern, der am meisten in Erneuerbare investiert. 8 Milliarden Dollar plant BP in den kommenden zehn Jahren in den Bereich der erneuerbaren Energien zu investieren. Diese Investitionssumme muss aber immer im Zusammenhang mit einem Jahresgewinn von 19,34 Milliarden US-Dolllar5 gesehen werden. Vor diesem Hintergrund ist diese Summe mehr als nur lächerlich. In den kommenden 3 Jahren sind erst Investitionen von 1,8 Milliarden Dollar geplant.6 Dies zu gleichen Teilen in die Bereiche Solar, Wind, Wasserstoff und GUD-Kraftwerke.7
Zu diesen Investitionen zählen auch hochproblematische Investitionspläne in die Wasserstofftechnologie. Wasserstoff hat nur eine nachhaltige Zukunft, wenn er mittels erneuerbarer Energien hergestellt wird. Ganz im Gegensatz hierzu plant BP im schottischen Peterhead die Wasserstoffherstellung mittels Erdgas. Das Erdgas soll durch Abspaltung von Kohlendioxid in Wasserstoff umgewandelt werden. Das abgespaltete Kohlendioxid hingegen zur Lagerung in leere Erdöllagerstätten gepumpt werden. Erstens handelt es sich angesichts knapper fossiler Energien bei der fossilen Wasserstoffherstellung um eine Energieverschwendung sondergleichen. Zweitens ist die CO2-Sequestrierung noch überhaupt nicht ausgereift und es ist sowieso fragwürdig, ob diese Technologie langfristig überhaupt funktioniert

ExxonMobil leugnet drängendes Problem

ExxonMobil schreibt in ihrem Papier «Entwicklung der Weltenergieversorgung, Treibhausgasemissionen und alternative Energieträger» zur Begründung, wieso sie nicht in erneuerbare Energieträger investieren: «Investitionen in die derzeitige Technik der erneuerbaren Energien sind nicht wirtschaftlich.»8 Entsprechend geht ExxonMobil auch davon aus, dass im Jahr 2020 der Weltenergiebedarf immer noch zu 60% aus Öl und Gas gedeckt werden wird. Konsequenterweise schreiben sie auch, dass diese Primärenergieträger in ausreichenden Mengen zur Verfügung stehen würden. Weiter heisst es: «Die konventionellen Öl- und Erdgasreserven sind erheblich und werden wahrscheinlich noch mindestens bis zur Mitte des laufenden Jahrhunderts die wichtigste Energiequelle bleiben.»

Fazit

Exemplarisch können anhand der drei grossen Energie-Player BP, Shell und ExxonMobil (Esso) drei Strategien bzw. Entwicklungslinien der Ölfirmen aufgezeigt werden. ExxonMobil leugnet nicht nur den Klimawandel, sondern hält Investitionen in Erneuerbare schlicht für unnötig. Shell schwankt zwischen einem grünen Mäntelchen und dem Nichtstun. Und BP macht noch eindeutig zu wenig, sieht aber immerhin die Notwendigkeit ein.

Bernhard Piller ist Mitglied der Geschäftsleitung der Schweizerischen Energiestiftung.

  1. www.migrol.ch/default.asp?navig=722
  2. www.shell.com/wind
  3. www.wwindea.org/default.htm
  4. www.shell.com/renewables
  5. Gewinn nach Steuern der BP Gruppe im Jahr 2005
  6. Pressemeldung 30. Nov. 2005 «BP gründet neuen Geschäftsbereich: BP Alternative Energy»: www.deutschebp.de
  7. Anmerkung: Wie wenn GUD-Kraftwerke zum Sektor erneuerbare Energien gehören würden.
  8. ExxonMobil 08/2004: «Entwicklung der Weltenergieversorgung, Treibhausgasemissionen und alternative Energieträger».