sustainability – your responsibility.

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Von der Quelle bis zum Verbraucher gibt es für die Energie viele verschiedene Wege. Welches sind die grundsätzlichen Fragen und Entscheidungsmöglichkeiten auf diesem Weg?

In unserem Alltag kommen der Strom für den Computer aus der Steckdose, der Treibstoff von der Tanksäule und die Wärme, wenn uns kalt ist, von der Heizung. Über die aufgedrehte Heizung hinaus sind Strom, Treibstoff und Wärme ein heisses Thema. Dies bestätigt schon der morgendliche Blick in die Zeitung: Konzerne feilschen, Politiker debattieren und Staaten kämpfen um den Zugang zu Nutzenergie. Jeder, der nicht auf einer Energiequelle sitzt, tut gut daran, sich eine solche verfügbar zu machen: mit Geld, Verhandlungen, Macht oder Gewalt.

Als Quelle für Nutzenergie gibt es die endlichen, fossilen Energieträger wie Öl, Erdgas und Kohle; es gibt die Atomenergie und die erneuerbaren Quellen wie Sonne, Wind, Wasser oder Biomasse und Geothermie. Von Öl, Atom oder der Sonne bis in die Steckdose ist es ein langer Weg mit vielen Entscheidungen, technischen Herausforderungen und politischem Gerangel. Nicht überall, wo gebohrt wird, stösst man auf eine Ölquelle, nicht jedes Land ist gleich mit Sonne gesegnet und nicht jeder Fluss rauscht mit gleicher Kraft in die Tiefe. Wenn also einige Quellen der Nutzenergie nur an wenigen Orten vorkommen, wir aber überall Strom für unseren Computer haben möchten, dann muss die Energie verteilt werden: durch Pipelines gepumpt, in Frachtern verschifft, durch Netze geleitet.

Neben der (geographischen) Verfügbarkeit spielen Geld und Kosten eine Rolle. Wenn man mitten auf dem unwirtlichen Atlantik Öl fördern möchte, erfordert dies sicher höhere Investitionskosten als eine Solarzelle auf dem eigenen Dach. Gleichzeitig versprechen aber Investitionen in Ölförderprojekte kurzund mittelfristig grössere Summen als Investitionen in die jüngeren, dezentralen Technologien der erneuerbaren Energien. Auf dem Energiemarkt gelten, wie überall, die Gesetze von Angebot und Nachfrage.

Das Bohren im Atlantik ist technisch anspruchsvoller als die Realisierung einer Solarzelle und so stellt die Verfügbarkeit von Know-how einen weiteren Entscheidungsfaktor dar. Einige Quellen, wie z.B. der kanadische Ölschiefer, sind technisch noch nicht erschlossen, einige technologische Umwandlungspfade, wie z.B. die Brennstoffzelle, noch nicht voll ausgereift. Die zeitliche Verfügbarkeit von Energie ist ein weiterer Entscheidungsfaktor. Wir erwarten, dass immer Strom aus der Steckdose kommt und nicht nur, wenn in Zürich gerade die Sonne scheint. Beim Erdöl sieht die langfristige Verfügbarkeit schon nicht mehr ganz so sicher aus. Sicherheit ist der nächste Entscheidungsfaktor: Wenn wir uns für Nutzenergie auf eine zentrale Lösung verlassen, dann müssen wir hoffen, dass wir nicht auf das falsche Pferd setzen, nicht abhängig werden z.B. von der politischen Stabilität der Region oder von den Kosten und Bedingungen, zu denen der Energieträger transportiert wird. Ein Atomkraftwerk produziert heute unseren Strom relativ zuverlässig. Fehler bei Mensch und Technik mit verheerenden Folgen können aber nie ausgeschlossen werden. Bereits der im Normalbetrieb entstehende Atommüll ist eine Belastung für die Umwelt. Solche Hypotheken für die Zukunft entstehen auch bei der Verbrennung fossiler Energieträger, die hauptverantwortlich sind für die von Menschen verursachten CO2-Emissionen. Die weltweiten CO2 Emissionen steigen weiter jährlich um 1,8%; wenn sich dies bis 2030 fortsetzt, würden sie 70% über dem Stand des Jahres 2000 liegen. Der weltweit wachsende Bedarf und der Energiehunger aufstrebender Länder wie China konfrontieren uns heute auch mit Fragen der Gerechtigkeit. Einerseits müssen wir uns fragen, wie heute der Zugang zu Nutzenergie verteilt ist, zwischen Nord und Süd, Arm und Reich. 1,6 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu Elektrizität, 80% davon in Südostasien und Afrika. Andererseits müssen wir uns fragen, in welchem Ausmass wir heute auf Kosten der Umwelt Energie nutzen können und dürfen.

Bei dem Gedanken an unsere Kinder oder Enkelkinder drängt sich die Frage auf, ob diese noch genau so selbstverständlich im Alltag darauf zählen können, dass der Strom für den Computer aus der Steckdose und der Treibstoff fürs Auto einfach von der Tanksäule kommt...