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«Energie und Geld sparen, die Umwelt schützen und gleichzeitig noch komfortabler wohnen? Mit einem MINERGIE-Haus kein Widerspruch», sagt Franz Beyeler, der Geschäftführer von MINERGIE.
Der Haushalt eines konventionell gebauten Hauses braucht rund 80% seines Energieaufwandes für die Raumheizung. Die meiste Wärme geht wieder verloren: 29% durch das Lüften, 22% durch die Fenster, 21% über die Wände, 12% durch Heizung/Kamin, 10% über das Dach und 6% verschwinden im Keller. Dies ist ökonomischer und ökologischer Unsinn. MINERGIE bietet eine Alternative.

Wie können wir die Leute überzeugen, energieeffizienter zu bauen? Diese Frage werden sich Mitte der neunziger Jahre Ruedi Kriesi von der Baudirektion des Kantons Zürich und der Marketingspezialist Heinz Uebersax gestellt haben, als sie das MINERGIE-Label entwickelten. Denn energieeffiziente Technologien gab es schon länger, sie wurden jedoch nur sporadisch eingesetzt. Man hielt sie für zu teuer oder kannte sie einfach nicht.

MINERGIE überwindet diese Hürden mit einem markttauglichen Baustandard und gutem Marketing. Das Label zeigt, dass der konsequent geplante Einsatz von energieeffizienten Technologien, nebst dem Energiesparen, einen zweiten grossen Nutzen generiert: Eine beträchtliche Steigerung des Wohnkomforts. Ein MINERGIE-Hausbesitzer geniesst aufgrund der gut gedämmten Wände vorzüglichen Lärmschutz und dank der obligatorischen Komfortlüftung ständig erneuerte bzw. gefilterte und sauerstoffreiche Luft. Vor allem deshalb steht der Name MINERGIE, acht Jahre nach der Gründung des Vereins, für Wohnqualität und wirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit. Die Unterstützung dieses Baustandards ist landesweit stetig gewachsen. Heute sind sämtliche Kantone sowie das Fürstentum Liechtenstein, zahlreiche Unternehmen, Verbände, Schulen und Einzelpersonen Mitglieder des Vereins.

Für Gebäudeneubau und -sanierung existieren zurzeit zwei Zertifikate: MINERGIE und MINERGIE-P. Beide Zertifikate schreiben vor, dass schon bei der Planung des Gebäudes alle Komponenten möglichst clever kombiniert und unter dem Gesichtspunkt von niedrigem Energieverbrauch aufeinander abgestimmt werden. Das «P» bei MINERGIE-P steht für «passiv». Ein solch energie-passives Haus zeichnet sich durch die vollständige Ausrichtung auf tiefen Energieverbrauch aus: Erneuerbare Energien für die Heizung, dreifach verglaste Fenster und energiesparende Haushaltsgeräte sind Pflicht. Die Mehrkosten im Vergleich zu konventionellen Bauten dürfen bei MINERGIE 10% und bei MINERGIE-P 15% nicht überschreiten. Kurz gesagt: MINERGIE ist die Basis und MINERGIE-P die Erweiterung.

Das Mandat MINERGIE, das heisst Verwaltung und Management des Vereins bzw. Labels, übt seit der Gründung des Vereins MINERGIE die Marketing-Firma MKR Consulting AG und deren Geschäftsführer Franz Beyeler aus. Von Franz Beyeler, der in den Medien auch schon als MINERGIE-Papst bezeichnet wurde, wollten wir einiges genauer wissen.

STUDIO!SUS: Stichwort Minergie heute: Können Sie ein paar Zahlen nennen?
Heute sind ca. 5000 Gebäude zertifiziert; dies tönt nicht nach viel, wird diese Zahl jedoch in Fläche umgerechnet, erhält man 4 Mio. m2 Energiebezugsfläche. Die Marktanteile bei Neubauten in der Schweiz belaufen sich bei den Wohnhäusern auf 10%–15%, bei Wohnungs-Sanierungen sind sie jedoch noch wesentlich geringer.

STUDIO!SUS: Wie viel Energie spare ich ein, wenn ich ein Haus nach Minergie-Vorschriften baue?

Der durchschnittliche Energieverbrauch bei den bestehenden nicht Minergie-Gebäuden ist etwa 18l Heizöl pro m2 und Jahr. Ein Minergie-Neubau darf höchstens 4l pro m2 und Jahr brauchen, ein nach Minergie erneuertes bzw. saniertes Gebäude maximal 8l pro m2 und Jahr. Nach heutigem Baugesetz gilt für Neubauten max. 8l–10l Heizöl pro m2 und Jahr. In Prozent ausgedrückt kann gegenüber der konventionellen Bauweise von einer Energieeinsparung von 60%–70% bei Neubauten und bis zu 300% bei Gebäudesanierungen ausgegangen werden.
Im Vordergrund steht jedoch nicht nur der Energieverbrauch, sondern als Motto gilt zuerst mehr Lebensqualität und dann ein tiefer Energieverbrauch. Marketingtechnisch gesagt, wenn man Umweltnutzen oder Umweltschutz generieren will, muss im Umweltnutzen hoher Produktnutzen integriert sein. Wir wollen zuerst mehr Arbeitplatzqualität, mehr Wohnqualität, keine CO2-belastete Luft und dass Feinpartikel möglichst im Filter der Komfortlüftung zurückgehalten werden.

STUDIO!SUS: Die Komfortlüftung ist immer wieder in der Kritik. Wird damit die Freiheit des Bewohners eingeschränkt?

Hier kann ich Ihnen entgegnen, dass es keine Einschränkung der Freiheit gibt. Der Bewohner kann zum Beispiel das Fenster jederzeit öffnen. Er wird nur selten das Bedürfnis dazu haben, weil die Komfortlüftung die Luft ständig erneuert. Also wird seine Freiheit durch die Komfortlüftung sogar vergrössert, da er das Fenster nicht öffnen muss. Als Pollenallergiker will man dann gar nicht mehr auf diese Freiheit verzichten. Viele Vorstellungen bezüglich der Komfortlüftung gehen für mich unter das Kapitel Mythen und Märchen und die halten sich hartnäckig.

STUDIO!SUS: Wie lange geht es, bis man die zusätzlichen Kosten für einen Minergie-Neubau amortisiert hat?

Die Mehrkosten liegen im Durchschnitt bei 4%–6% und amortisieren sich sehr schnell, da pro m2 ca. 6l weniger Öl gebraucht werden. Im Moment dauert es etwa 6–7 Jahre. Nimmt man Fördergelder der Kantone, Rabatte der Elektrizitätswerke, die billigen Minergie-Hypotheken und den höheren Wiederverkaufswert bei steigendem Ölpreis mit in die Rechnung, sieht es noch viel besser aus. Wieso geben die Banken Minergie-Hypotheken? Sie machen dies nicht aus Nächstenliebe, sondern weil sie mit Minergie weniger Risiken eingehen.

STUDIO!SUS: Wie setzen sie sich die Ziele für die Zukunft?

Wir werden weitere Produkte einführen. Ein drittes Gebäudezertifikat, Minergie-Eco wird gerade entwickelt. Das ist ein neuer Standard, welcher neben Energieverbrauch und Komfort Gesundheit und Ökologie einbezieht. Hier werden die so genannte graue Energie und die gesundheitliche Belastung z.B. durch Stoffe wie Formaldehyd berücksichtigt und eingeschränkt. Ein grosses Ziel ist es auch, bei den Gebäudeerneuerungen bessere Marktanteile zu gewinnen.

Franz Beyeler: Nach dem Studium der Betriebswissenschaften wurde Herr Beyeler Marketingberater im Bereich Wärmepumpen und gründete vor 19 Jahren die Marketing-Firma MKR Consulting AG. Aufgrund dieser Erfahrungen wurde er 1998 als MINERGIE-Geschäftsführer verpflichtet und führt MINERGIE seither erfolgreich.

» www.minergie.ch