sustainability – your responsibility.

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Energie ist ein überall präsentes Wort. Doch normale Bürger/innen sind mit den meist kopflastigen Meldungen oft überfordert und verdrängen sie lieber. Wie kann Energieverständnis geweckt und lustvoller und bewusster Umgang vermittelt werden?
Energiebewusstsein vermitteln einfach gemacht:
  1. Lust und Freude speichern statt schlechtes Gewissen machen! Wir sind alle Meister/innen im Verdrängen von unangenehmen Botschaften und Inhalten. Bis zu einem gewissen Grad ist dieser Selbstschutz sicher nötig, sonst würden wir schon in den täglichen Negativ-Meldungen der Medien förmlich versinken. Aus der Hirnforschung ist klar, dass gefühlsmassig positiv berührende Botschaften den Zugang vom Bauch- zum Kopfhirn frei machen und Überlegungen zum Thema ermöglichen – also die Grundlage für tatkräftiges Handeln schaffen. Fehlt dieser gefühlsmässige Zugang, ist das nähere Befassen mit dem Thema ausgeschlossen. Es ist damit selbstverständlich, dass Verbote, Botschaften mit Zeigefinger und reine Fakten/Zahlen-Auflistungen keinen Erfolg, sondern eine Blockierung bringen. Darum ist das Allerwichtigste, Freude an nachhaltigem Handeln und an nachhaltigen Produkten zu vermitteln und möglichst viele Menschen positive Erfahrungen damit machen zu lassen.
  2. Gleichgesinnte vereinen statt Fehden austragen! Ganz spannend finden es Menschen, sich informell und locker zu treffen, eine gemeinsame Aktion, ein gemeinsames Erlebnis zu haben, das alle mit einem guten Gefühl verbindet und auf weitere gemeinsame Taten freuen lässt. Menschen, die in einer Frage eine gegensätzliche Meinung vertreten und Angriffe  reiten, sind häufig offen für Gespräche, die Gemeinsames statt Trennendes festhalten. Grabenkämpfe kosten beide Seiten viel Energie und bringen die Sache  kaum vorwärts. Darum lohnt es sich immer, einen Anlauf zu nehmen, den «grössten Feind» in die eigenen Überlegungen und Aktionen mit einzubinden. In geruhsamer, entspannter und auch für das leibliche Wohl idealer Umgebung lässt sich der Austausch initiieren und stetig pflegen, was aus Feinden häufig Freunde werden lässt.
  3. Gesellschaftliches Standing steigern statt Menschen ins Abseits stellen! Speziell wichtig im Umgang mit Männern. Wer heute in Energiefragen «dazu gehören» will, braucht keinen dicken Wagen  oder eine imposante Villa, sondern etwas anderes, womit er statt dessen  Eindruck machen kann bei Nachbarn und Freunden. Wie wir aus der Geschlechterforschung wissen, hat Status für Frauen und Männer sehr unterschiedliche  Inhalte und Formen; da gilt es, beiden Geschlechtern auf ihre Art gerecht  zu werden. Für Männer ist es besonders wichtig, dass sie zeigen können,  dass sie intelligent sind und das heutige Energieverständnis begriffen haben.  Väter möchten zeigen können, dass sie fürsorglich für die Familie sind und doch knallhart rechnen können und das hart verdiente Geld zukunftsorientiert investieren. Bei grösseren Ausgabenposten wie Haus oder Bildung sind diese männlichen Prioritäten ernst zu nehmen und auf gute Art in die  Argumentation einzubauen.
  4. Lebensqualität von allen Seiten ausloten statt Verzicht predigen! Speziell wichtig im Umgang mit Frauen. Frauen haben einen anderen Zugang zu Nachhaltigkeit und Energie. Sie legen im allgemeinen grossen Wert auf das Gesamtwohl von Familie und Gesellschaft: gesunde Umgebung, Essen, gute zwischenmenschliche Kontakte und Beziehungen, Austausch von persönlichen Gefühlen, Gespräche über «Gott und die Welt», Freiwilligenarbeit für sozial Schwächere und besondere Taten für ökologische Belange. Mit dem Aufzeigen dieser Lebensaspekte sind Frauen abzuholen. Es lohnt sich, die «weibliche Seele» wirklich zu ergründen und dementsprechend Lebensqualität in einem umfassenden Sinne zum Thema zu machen. Energiefragen und –produkte sollten in grössere Lebenszusammenhänge eingebettet und Lebensfreude direkt und hautnah vermittelt werden.
  5. Persönliche Beratung und Unterstützung statt intransparente Rechnungstellung! Energielieferanten machen ihre Rechnungen meist noch absenderorientiert, d.h. denken bei Wortwahl und Gestaltung kaum an ihre Kunden. Auch die Tarifordnung ist wenig transparent und für «Uneingeweihte» schlicht unverständlich. Die erlösende Idee wäre z.B. die Beratung vor Ort: Bei den Leuten zuhause die Rechnungsposten aufschlüsseln und mit ihnen zusammen abklären, wo sie wie ohne Aufwand am meisten Energie und Geld sparen könnten. Als Anreiz, sich mit energieeffizienten Geräten überhaupt zu befassen, können Rabatte, Schnäppchen oder ein sinnlicher und sinnvoller Anlass mit Essen, Kinderhüten, Attraktionen für alle Lebensalter und beide Geschlechter sein. Solch direkte Kundenbindung wird sich im bald einmal liberalisierten Markt bezahlt machen!
  6. Selbstläufer statt teure Werbung! Wer alle diese Hinweise beherzigt und umsetzt, kann sich freuen: Seine Werbeausgaben verlagern sich vom Papier ganz auf lustbetonte Aktionen, die allen gut und gerne in Erinnerung bleiben und die auch zu weiteren, selber ersonnenen Taten motivieren. Der Austausch von Erfahrungen, Erlebnissen und guten Ideen zieht Kreise, ohne dass die ursprünglichen Promotoren sich gross anstrengen. Menschen, die selber direkte Erfahrungen gemacht haben und darum wirklich überzeugt sind, sind eben die besten Verkäufer/innen, viel engagierter und  motivierter als jede/r Firmenangestellte/r. Nicht nur Energieeffizienz verkaufen, sondern auch so handeln: Selbstläufer sind nämlich sehr energieeffizient,  kostengünstig und erst noch «fun».

Fazit in drei Leitsätzen:

  • Die Aufwände in menschliches statt papierenes Potenzial stecken: Persönliche Kontakte und Aktionen haben eine hoch effiziente Wirkung, was man von der  Informationsflut in den Medien und im Briefkasten nachweislich nicht sagen kann.
  • Soziale Kompetenzen bei Mitarbeitenden stärken und diese täglich fordern: Kommunikation in allen Facetten trainieren und eine allgemein verständliche Sprache sprechen und schreiben. Zur Intensivierung und guten Verankerung zusätzlich Sinne einsetzen: Fühlen, riechen, schmecken, tasten, hören.
  • Mit Fakten, Zahlen und wissenschaftliche Begründungen sehr sparsam  umgehen; solche erst liefern, wenn dies vom/von der Kunden/in wirklich  gewünscht ist, wenn klar ist, dass sie auch gelesen und verstanden werden.

Susanna Fassbind doziert über «Marketing für Nachhaltigkeit» an der ETH Zürich und arbeitet als freie Marketingexpertin.