sustainability – your responsibility.

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Visionen treiben uns voran – auch in der Entwicklung hin zu einer nachhaltigen Energieversorgung. Um so besser, wenn diese grösstenteils durch Energieeffizienz und grössere Nutzungsintensität statt mühsamer Verhaltensänderungen erreichbar ist. Ein paar Ideen des Projekts «2000-Watt-Gesellschaft».
If you want to build a ship,
Don’t drum up the men to gather wood,
Divide the work and give orders.
Instead, teach them to yearn for the vast and endless sea.

Antoine de Saint Exupéry

Im Fall der Vision «2000-Watt-Gesellschaft» ist das Schiff eine nachhaltige Gesellschaft, die weltweit allen die gleichen Standards ermöglicht. Die Aufgaben auf dem Weg dazu sind Material- und Effizienzsteigerungen, Substitution fossiler Energieträger sowie neue Lebens- und Unternehmensformen.

Die Idee
Basierend auf Energieszenarien des Paul Scherrer Instituts rief die Projektgruppe «Nachhaltigkeit im ETH-Bereich» dieses Projekt ins Leben. Die 2000-Watt-Gesellschaft soll laut Mitbegründer Alexander Zehnder aufzeigen, dass «Nachhaltigkeit keine leere Worthülse sein muss, sondern etwas, das man realisieren und leben kann.»

Die Idee der 2000-Watt-Gesellschaft ist es, den Energieverbrauch weltweit auszugleichen und die Energieversorgung nachhaltig auszulegen. So soll allen ein guter Lebensstandard ermöglicht werden, ohne dass unsere Lebensqualität Einschränkungen erfährt. Sicherheit und Komfort sowie individuelle Entwicklung und Einkommen können sogar steigen. Eine Anpassung von Infrastruktur und eine «intelligente» Lebensweise sind dafür vonnöten.

Während in einigen Ländern nur wenig Energie verbraucht wird, in der Grössenordnung von einigen hundert Watt kontinuierlicher elektrischer Leistung sind es in Westeuropa 6000 und in Nordamerika 10000 bis 12000 Watt. Der weltweite Durchschnitt liegt bei 2000 Watt, das sind 17500 kWh pro Jahr. So viel Energie soll allen Menschen zugestanden werden, was bedeutet, dass Entwicklungsländer ihren Bedarf steigern dürfen, während wir zurückschrauben müssen. In Westeuropa müsste der Energieverbrauch um einen Faktor vier bis fünf verringert werden.

Die CO2-Problematik ist insofern einbezogen, dass eine Tonne pro Kopf der Bevölkerung und Jahr als langfristiges und tolerierbares Ziel gilt – was der Einschränkung des Anteils fossiler Energien auf 500 Watt entspricht. Während wir heute weltweit 90% (in der Schweiz 60%) unseres Energiebedarfs mit fossilen Energien decken, sind es in der 2000-Watt-Gesellschaft nur noch 25%.

Die Umsetzung
Die Vision kann bis zum Jahre 2050 Realität werden, wenn wir heute mit der Umsetzung beginnen. Dabei sind Innovationszyklen und Wachstum berücksichtigt.

Ein wichtiger und nötiger Schritt auf diesem Weg ist eine langfristige Ausrichtung von gesellschaftlichem und politischem Handeln. Zielgerichtete Entscheidungen dürfen nicht immer wieder verzögert werden. Die Verbreitung innovativer Technologien kann verbessert werden.

Hauptansatzpunkt der 2000-Watt-Gesellschaft ist aber die Technik: Bessere Wirkungsgrade, gesteigerte Effizienz, neue Materialien und Produkte können hier aufgezählt werden. Ebenso die Erhöhung der Nutzungsintensität. Dazu ein Beispiel der Devise: «Nutzen statt besitzen»: Mobility – wenn es Sinn macht, nehme ich öffentliche Verkehrsmittel; wo diese nicht mehr hinreichen, nehme ich ein Auto, das meinen Bedürfnissen entspricht. Fahre ich mit einem Kollegen zu einer Party in Hinterberg, reicht mir ein kleines Auto, kaufe ich aber für das Probeweekend meines Vereins ein, bin ich froh um einen Kombi. Hier tun sich neue Möglichkeiten für innovative Ideen und neue Unternehmensformen auf. Zu diesen gehören auch Energiedienstleistungen. Ich kaufe nicht mehr eine Heizung für mein Haus, sondern ich beziehe die Leistung «beheiztes Haus». Der Anbieter hat ein Interesse, mein Haus langfristig günstig und mit geringst möglichem Energieverbrauch zu heizen. Somit muss ich mich nicht mehr um das beste Heizungsmodell und die Ölpreise kümmern.

Gut die Hälfte unserer 6000 Watt verbrauchen wir heute bei der Erstellung und dem Unterhalt von Gebäuden. In diesem Bereich liegt ein grosses Sparpotential: Verbesserte Baustandards (z.B. Minergie) und haustechnische Ausrüstungen, Erwärmung des Wassers mittels Sonnenkollektoren, Heizung mit Holz-Pellets u.a.m. Einen weiteren Ansatzpunkt stellen verbesserte Planung und Investition und damit z.B. die Vermeidung von unnötigen Fahrten oder die bessere Ausnutzung von Räumen dar.

Ohne Berücksichtigung des Verkehrs werden wir kaum auf 2000 Watt herunterkommen: Kombinierte Mobilität, Senkung des Treibstoffverbrauchs von Fahrzeugen, höherer Wirkungsgrad, Biotreibstoffe und Wasserstoffahrzeug sind nur einige Stichworte zu diesem Thema.

Einige Überlegungen zum Beitrag des Einzelnen
Vom Einzelnen wird nicht gefordert, dass er bei seiner Lebensqualität Abstriche macht, höchstens, dass er bewusster mit Ressourcen umgeht. So kann man sich fragen, welche Konsumgegenstände und -tätigkeiten die Lebensqualität wirklich verbessern und bei welchen Produkten und Aktivitäten, alle Nebenwirkungen und Folgen eingeschlossen, nicht Ressourcenbelastung und Stress überwiegen – Stress im Sinn von Umweltbelastung wie z.B. Lärm oder persönlichem Druck. Ein neues Motto könnte sein «Weniger ist mehr». Ein Beispiel dazu: Wenn ich ein oder sogar zwei Ferienwohnungen habe, bin ich immer versucht, diese Investition lohnenswert zu machen und die Ferienwohnungen auszunützen. Vielleicht verbringe ich auch einen Teil meines Wochenendes im Stau, weil es anderen ähnlich geht. Ich kann auch ein Ferienhaus mieten, wenn ich wirklich Zeit und Lust habe. Das würde den Zweitwohnungsbau eindämmen und mich persönlich entlasten.

Die Idee dieser Gesamtbilanz von Konsum stammt aus einem Interview mit Pierre Fonjallaz, einem emeritierten ETH-Professor, der sich seit langem für die Umsetzung dieser Vision einsetzt. Persönlich finde ich es eine spannende Überlegung, was denn nun wirklich meine Lebensqualität erhöht, und was summa summarum zu entbehren wäre oder wo zumindest ein bewussterer Umgang Not täte.

Die 2000-Watt-Gesellschaft ist machbar – wenn wir heute anfangen, langfristige, zukunftsgerichtete Entscheide zu treffen, auf der politischen wie auf der persönlichen Ebene.