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VOM ANNUAL MEETING 2006 DER WORLD STUDENT COMMUNITY FOR SUSTAINABLE DEVELOPMENT ZUR VISION EINES ORTES DES AUSTAUSCHES ZWISCHEN WISSENSCHAFT UND WEISHEIT.

ANNUAL MEETING 2006: MIND, KNOWLEDGE AND SUSTAINABILITY
50 Studierende aus rund 15 Ländern diskutieren zusammen in einem ursprünglichen, nur per Seilbahn erreichbaren Bergdorf im Tessiner Centovalli Fragen zu Bewusstsein und Nachhaltigkeit — so präsentierte sich diesen März das Jahrestreffen 2006 der World Student Community for Sustainable Development. Unter dem Titel «Mind, Knowledge and Sustainability» setzten sich die Teilnehmenden intensiv mit der Rolle von Geist, Wissen und Bewusstsein für eine nachhaltige Entwicklung auseinander. Am Ausgangspunkt stand die Feststellung, dass das grundlegende Wissen um eine nachhaltige Lebensweise bereits existiert. Verschiedene Kulturen, die ihre Lebensgrundlagen nicht zerstören, beweisen dies. So stellte sich die Frage, wie dieses Wissen erkannt, gesichert und lebendig erhalten werden kann. Ein essentielles Werkzeug dazu ist ein klarer Geist, der ermöglicht, Wesentliches von Unwesentlichem zu trennen und die langfristigen Folgen des eigenen Handelns klar zu erkennen.

Der Fokus der Tagung lag folglich nicht — wie sonst häufi g an Kongressen zu Nachhaltigkeit — auf technischen Fragen, sondern auf dem direkten Erleben von Nachhaltigkeit, gerade auch auf persönlicher, innerer Ebene. Dazu trug zu einem grossen Teil der aussergewöhnliche Ort bei. Intensive persönliche Kontakte anstelle von modernen Kommunikationsmitteln und konkretes langfristiges Denken, veranschaulicht zum Beispiel durch die sorgfältig restaurierten Palazzi des Tagungszentrums von Rasa, prägten die Woche. Ebenso war das Programm darauf ausgelegt, allen Teilnehmenden die Möglichkeit zu geben, abseits der alltäglichen Kurzfristigkeit eine Woche lang die Gedanken auf wesentliche Fragen des eigenen Lebens und der Gesellschaft zu konzentrieren.

Nach der Begrüssungsrede des ehemaligen ETH-Präsidenten Jakob Nüesch in der prachtvollen Semperaula der ETH reiste die Gruppe gemeinsam per Zug und Seilbahn nach Rasa, wo die Woche mit dem Konzert von Mich Gerber einen ersten stimmigen Höhepunkt erreichte. Auf eine Einführung ins Tagungsthema folgguide te am zweiten Tag die Besichtigung von Terra Vecchia, einem ehemals verfallenen Tessinerdorf, das nun sorgfältig wieder aufgebaut wird. Dies zeigte exemplarisch auf, wie — ausgehend von einer langfristigen Vision — alte Bausubstanz kombiniert mit moderner Technik einen auf die heutigen Bedürfnisse zugeschnittenen hohen Lebensstandard ermöglicht. Der dritte Tag stand im Zeichen von Vorträgen und Workshops der teilnehmenden Studierenden. Der Bogen reichte dabei vom Erhalt traditionellen Wissens über technische Aspekte des Informationsaustausches bis zur Integration von Nachhaltigkeit in Lehrpläne.

Die Vorträge der Experten Jeremy Narby und Tenzin Namdul am Morgen des vierten Tages öffneten den Horizont weit über die klassische Wissenschaft hinaus. Narby, der jahrelang Völker im peruanischen Regenwald erforscht hatte, erzählte von deren Fähigkeiten, direkt mit den Heilpfl anzen in Kontakt zu treten und so verblüffende Erkenntnisse über deren Eigenschaften zu gewinnen. Namdul, Arzt an der Medizinhochschule des Dalai Lama, gab Einblicke in die mehrtausendjährige Tradition der tibetischen Heilkunst.

Eine Wanderung am Nachmittag und Diskussionen in Kleingruppen am fünften Tag ermöglichten, das Erlebte zu refl ektieren und sich Gedanken zu machen, welche Auswirkungen dies in Zukunft auf die eigene Arbeit haben sollte. Dabei wurde deutlich, dass die Besichtigungen, die Vorträge von Experten und die Beiträge der Teilnehmenden, insbesondere aber die intensive Gespräche abends am Kaminfeuer und das Leben in den Jahrhunderte alten Häusern sich zu einem Ganzen zusammengefügt hatten, das bleibende Erinnerungen hinterliess.

[BORDEI 06] & [RASA 07]: WHERE SCIENCE MEETS WISDOM
Nach dem Jahrestreffen der World Student Community for Sustainable Development äusserten zahlreiche Teilnehmende das Bedürfnis, die besprochenen Themen längerfristig und vertieft zu diskutieren. Insbesondere die Frage, welche Rolle ein ruhiger und klarer Geist beim Treffen von Entscheidungen und Finden von Lösungen spielt, und wie ein solcher zu erreichen ist, stiess bei vielen der Anwesenden auf Interesse. Der Wunsch wurde geäussert, das Wissen, das dazu in alten Kulturen wie zum Beispiel der Tibetischen besteht, näher zu untersuchen und selbst anzuwenden. Auch das Organisationsteam des Annual Meeting wollte den eingeschlagenen Weg weitergehen, das intensive halbe Jahr der Vorbereitung motivierte, die Arbeit fortzuführen. Die während der Vorbereitungszeit geknüpften Kontakte zu zahlreichen Entscheidungsträgern bilden eine Basis, auf der aufgebaut werden kann.

Wie vor dem Annual Meeting waren regelmässige und intensive Gespräche nötig, um sich klar zu werden, wohin der Weg führen sollte. Dabei kristallisierte sich die Vision heraus, in den Tessiner Alpen einen Ort zu schaffen, wo sich Wissenschaft und Weisheit begegnen. In einer Atmosphäre von Offenheit und Respekt sollen sich Entscheidungsträger, Weise aus alten Kulturen und Studierende über grundlegende Fragen austauschen können. Im kleinen Kreis können so langfristig tragbare Lösungen für grundlegende wissenschaftliche und gesellschaftliche Herausforderungen erarbeitet werden. Um präzise Analysen zu ermöglichen, sollen Angehörige von alten spirituellen Schulen, welche ein umfassendes Wissen über Ethik und Erfahrung in meditativer Konzentration haben, eingebunden werden.

In mehreren Workshops soll diese Vision konkretisiert werden, so dass sie danach umgesetzt werden kann. Erstmals kam dazu im September eine Gruppe von neun Personen für eine Woche in Bordei im Centovalli zusammen. Ausgehend von der Frage, was jeder Einzelne im Leben erreichen will, hat sich ein Kernteam aus der Schweiz Gedanken gemacht, wie man einen Ort des Austauschs zwischen Wissenschaft und Weisheit gestalten könnte und welche konkreten Inhalte vermittelt werden sollten. Parallel dazu erarbeitete eine international zusammengesetzte zweite Gruppe die Grundlagen, um ähnliche Inhalte mittels E-Mail diskutieren zu können. Die aufgekommenen Ideen werden momentan zusammengefasst und strukturiert, so dass Anfang 2007 weitere Workshops stattfi nden können.

Weiterführendes:
Weitere Informationen: www.bordei06.project21.ch.

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