sustainability – your responsibility.

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In den letzten zweihundert Jahren hat sich in der Menschheitsgeschichte mehr verändert als in Jahrtausenden zuvor. Die Ausrichtung des Menschen auf Materielles hat ein Mass angenommen, das bei genauer Betrachtung geradezu unheimlich wirkt. Der Massstab für Erfolg und Glück wird mit Franken und Euro gemessen — oder schon umgemünzt in Statussymbolen. Diesen wird das tägliche Leben total untergeordnet. Von Kind an eignet «man» sich möglichst viel Schulwissen an, betreibt berufl iche Aus- und Weiterbildungen, steigt die Karriereleiter auf. Nach scheinbar eingeimpftem Normendenken schafft man sich dann Singeldasein oder Familie, Haus und Auto an — immer in der Meinung, das sei das Glück. Aus Tausenden von Untersuchungen wissen wir aber längst, dass Geld, Status und generell die Anhäufung von Materiellem nicht glücklich machen. Weil wir alle die (teuren) Dinge im Totenhemd nicht mitnehmen können, ist es bestimmt nicht der Sinn des Lebens.

Aber was ist er dann??? Mathias Binswanger spricht* von Tretmühlen, die wir wie Hamster dauernd bewegen, aber eigentlich an Ort treten, die uns müde, unzufrieden und letztlich krank machen. Als Ökonom sagt er für mich einen fast unglaublichen Satz: «Ein Mensch, der nur ans Geldverdienen denkt, handelt unökonomisch, weil er damit sein Glück nicht maximiert… So gut wir beim Geldverdienen sein mögen, so schlecht sind wir bei der Umsetzung des Einkommens in Glück. Die dafür erforderlichen Fähigkeiten, die sich mit dem französischen begriff «Savoirvivre » oder dem deutschen Wort «Lebenskunst » umschreiben lassen, werden uns in der Schule nicht beigebracht.»

Das Denklastige und der Hang zu Besitz lassen uns Wissen mit Weisheit verwechseln. Die Einheit von beidem galt für alle alten Kulturen bis zu den Griechen noch als selbstverständlich. Uns ist sie abhanden gekommen. Und dabei wäre es doch so einfach, auf seine innere Stimme zu hören und sie zu befolgen. Mehr Zeit für sich, für das Studium der eigenen Gefühle und Befi ndlichkeiten, für gezieltes Gar-nichts-Tun, die herzliche Pfl ege von Beziehungen zu Mensch und Natur und das Aus-dem-Augenblick-heraus- Leben. Dies gilt es zu geniessen, ohne Erwartungen. All das ist lern- und erfahrbar, vielleicht sogar bald auch an Unis?!

* Sein neues Buch: «Die Tretmühlen des Glücks», Essay dazu in der «Weltwoche» 37/06.

Kurzbiographie:
Susanna Fassbind doziert über «Marketing für Nachhaltigkeit» an der ETH und arbeitet als freie Marketingexpertin.

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