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Von Dominik Ruprecht

Mechanismus, Ursachen und Folgen des Klimawandels sind heute weitgehend geklärt. Trotzdem verbrauchen wir immer mehr fossile Brennstoffe, die Hauptquelle des wichtigsten Treibhausgases CO2. Wieso ist das so? Und was wären effektive Massnahmen dagegen? Die Treibhausgasemissionen sind nur wegen ihrer grossen Menge ein Problem. Auswirkungen durch kleinere Mengen hat das System Natur bis jetzt gut gepuffert. Aber die Erdbevölkerung wächst und mit ihr auch unsere Wirtschaft. Dazu kommt, dass die Wirtschaft allein schon durch ihre derzeitigen Mechanismen gezwungen ist zu wachsen (siehe Artikel «Die Wachstumsspirale», S.10). Immer mehr Energie wird benötigt um unsere Bedürfnisse und die der aufstrebenden Schwellen- und Entwicklungsländer zu befriedigen. Die Wirtschaft braucht möglichst billige und gut verfügbare Energiequellen um wachsen zu können. Erdöl ist dazu der ideale Stoff: Er bietet viel Energie auf wenig Masse und Volumen, ist gut transportabel und zugleich erstaunlich billig. Dies führte dazu, dass heute ein grosser Teil der Wirtschaft auf diesem Brennstoff aufbaut. Über 80 % der weltweit verbrauchten Energie stammt nach Angaben der Internationalen Energie Agentur (IEA) aus fossilen Brennstoffen. Auch wenn die Verbrennung von Erdöl eine der Hauptquellen des Treibhausgases CO2 ist, wird kaum jemand diese Quelle unseres Wohlstandes versiegeln wollen.


Wieso wir nicht abwarten können

Allerdings könnte diese Quelle schon bald von selbst versiegen, da es in der Natur nicht erneuerbarer Ressourcen liegt, dass sie irgendwann aufgebraucht sind. Es gibt verschiedene Schätzungen, wie lange Öl, Gas und Kohle noch reichen. Im Falle des Erdöls geht zum Beispiel die ASPO (Association for the Study of Peak Oil) davon aus, dass der Zeitpunkt, nach dem die maximal mögliche Fördermenge wieder zurückgeht, schon erreicht sein könnte oder auf jeden Fall vor 2020 eintritt. Selbst die IEA schreibt, dass die Erdölfördermenge ausserhalb der OPEC-Länder ab Mitte dieses Jahrhunderts zurückgehen wird. Marktmechanismen (siehe Artikel «Wie frei darf Marktwirtschaft sein? – ein Plädoyer für Ausgleich», S.6)würden die Nachfrage nach Erdöl selber drosseln und Alternativen dadurch attraktiver.

Das Problem ist nur, dass die momentanen und bis zum Ende des Erdölzeitalters emittierten Mengen von Kohlendioxid reichen, um das Klima dauerhaft zu verändern. Dazu kommt, dass die Vorräte an Kohle noch weitaus länger reichen und Kohlekraftwerke vielerorts einen Boom erleben. Deshalb müssten diese Rohstoffe heute schon deutlich teurer sein. Klar ist, dass die Bereitstellung und Verteilung nicht teuer ist. Daneben tragen neomerkantilistische Verbilligungsstrategien (siehe Artikel «Merkantilismus – Gratis Natur vom Staat!», S.14) ihren Teil dazu bei, dass Erdöl, wie auch andere fossile Energieressourcen, so billig erhältlich ist. Darüber hinaus gilt es aber zu beachten, dass bei der Verbrennung dieser Brennstoffe Schadstoffe und CO2 entstehen. Die Behebung der Auswirkungen dieser Schadstoffe auf unsere Gesundheit und die gesamte Natur sind insgesamt alles andere als billig. Diese Kosten sind aber im Preis für den Brennstoff nicht inbegriffen. Dadurch sind bis heute die fossilen Brennstoffe verbilligt, wodurch deren Gebrauch zusätzlich gefördert wurde und wird.


Die Folgen des Klimawandels


als externe Kosten Heute kommen die Schäden durch den Klimawandel dazu. Diese wurden beispielsweise im berühmten Stern-Bericht geschätzt. Diese externen Kosten sind nicht im Preis inbegriffen, müssen aber von jemandem getragen werden. Nur wenn alle externen Kosten im Preis integriert sind, wird der wahre Preis eines Gutes ersichtlich. Für den Klimawandel müssten zum Beispiel Kosten für höhere Dämme, Ernteverluste oder höhere Versicherungsprämien wegen des vermehrten Auftretens von Naturkatastrophen miteinbezogen werden. Aber auch soziale Auswirkungen wie Armut, Abwanderung, Krankheiten und Todesfälle müssten beachtet werden. Heute schon werden Tausende von Menschen durch Dürren und Katastrophen, welche höchstwahrscheinlich Auswirkungen des Klimawandels sind, vertrieben.

Die Internalisierung der externen Kosten ist natürlich keine einfache Aufgabe und gibt Fragen auf, z.B. wie mit unsicheren Auswirkungen von Produkten und Prozessen umgegangen werden soll. Die Idee des Einbezuges der externen Kosten bleibt dennoch bestehen. Sicher würden so einige Güter sehr viel teurer und unbeliebter. Fossile Brennstoffe würden teurer und durch erneuerbare Energien schneller konkurrenziert, als es durch einen ressourcenseitigen Peak Oil der Fall wäre. Ihr Verbrauch würde sinken und der Klimawandel dadurch vermindert. Klug umgesetzt könnte der Aufpreis zudem für Massnahmen gegen den Klimawandel und Anpassungen an seine Auswirkungen genutzt werden.


Kyoto-Protokoll: Versuch der Internalisierung externer Kosten

 Zum Teil sind diese Gedanken heute schon im Kyoto-Protokoll verwirklicht. Dieses verpflichtet Industrieländer zu einer Treibhausgas-Reduktion von durchschnittlich rund 5% in der Periode von 2008 bis 2012 gegenüber dem durchschnittlichen Ausstoss von 1990. Eine Massnahme verpflichtet Unternehmen Treibhausgase über einem bestimmten Niveau durch Einkauf so genannter Emissions-Zertifikate zu bezahlen. Der Preis der Zertifikate soll die externen Kosten durch den Klimawandel widerspiegeln.

Ein generelles Problem des Kyoto-Protokolls sind die bis heute nur geringen Strafmöglichkeiten für den Fall, dass ein Land sein Ziel nicht erreicht. Die internationale Politik ist hier (noch) zu wenig ausgereift. Dennoch zeigt dieses Beispiel, dass die Idee der Internalisierung der externen Kosten sich jetzt schon in der realen Welt niederschlägt. Es ist aber dringend nötig, dass dies noch vermehrt geschieht.


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