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Autor: Matthias Kestenholz

Interview mit Alexander Jakob Boris Zehnder, ab 1992 Direktor der EAWAG und ordentlicher Professor für Umweltbiotechnologie der ETH Zürich. Seit 1. Juli 2004 ist er Präsident des ETH-Rates.

HAT DIE FÜHRUNGSEBENE DER ETH EINE STRATEGIE FÜR DEN UMGANG MIT DEM KLIMAWANDEL? ALEXANDER ZEHNDER, PRÄSIDENT DES ETH-RATES, NIMMT STELLUNG ZUR POSITIONIERUNG DER ETH. Der Klimawandel ist mit seinen Folgen für Mensch und Umwelt eines der grossen Probleme dieses Jahrhunderts. Hat der ETH-Rat, welcher die strategische Ausrichtung der ETH festlegt, eine den Herausforderungen angemessene Strategie? Um dies herauszufinden, haben wir Alexander Zehnder interviewt.

STUDIO!SUS: Alexander Zehnder, hat die ETH eine Strategie, um auf die Herausforderungen des Klimawandels vorbereitet zu sein? Welche Anstrengungen gibt es im Forschungsbereich?
→ Für die Jahre 2008—2011 haben wir den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit gelegt. Der Umgang mit dem Klimawandel ist Teil unserer Nachhaltigkeitsstrategie, welche der ETH-Rat seit 1997 verfolgt. Es gibt mehrere Institutionen, die sich ganz spezifisch mit dem Klimawandel auseinander setzen. Die Effekte erforschen beispielsweise die WSL, die Eawag, das Institut für Atmosphäre und Klima, und so weiter. Andere erforschen die Möglichkeiten zur Verhinderung oder Reduzierung des Klimawandels, so zum Beispiel das PSI im Bereich der Alternativenergie und der Mobilität. Die ETH Zürich sucht Möglichkeiten, Solarenergie chemisch zu speichern. Damit diese Art Forschung effizienter und effektiver wird, haben wir mehrere Kompetenzzentren wie z.B. das Zentrum für Umwelt und Nachhaltigkeit gegründet. Die verschiedenen Forschungsgruppen sind in diesen Zentren integriert und können so zusammenarbeiten und Synergien nutzen.

STUDIO!SUS: Können Sie ein paar Worte zu den Erfolgen sagen, wenn Sie auf die letzten 10 Jahre Nachhaltigkeitsstrategie zurückblicken?
→ Mit den Erfolgen zu beginnen ist immer am Schönsten! Die Vision einer 2000- Watt-Gesellschaft hat nicht nur in der Schweiz Fuss gefasst, sondern auch international, und zwar sowohl in der Politik aus auch in der Industrie. Basel, Zürich und Genf versuchen bei Neubauten, Neuentwicklungen und der Mobilität in Richtung 2000-Watt-Gesellschaft zu gehen, was aber nicht von einem Tag auf den anderen realisiert werden kann.
Weiter ist das neue Gebäude der Eawag in Dübendorf zu nennen. Das Hauptgebäude, welches dort gebaut wurde, erfüllt alle Vorgaben der 2000-Watt- Gesellschaft. Dieses Gebäude ist einmalig in der Welt. Zudem hat diese bau- technische Pioniertat nicht einmal mehr gekostet, als wenn der Bau in konventioneller Weise erstellt worden wäre! Diese Technologie ist heute verfügbar, sie wartet nur darauf, eingesetzt zu werden. Dass dies nicht nur die öffentliche Hand machen kann, zeigt beispielsweise der Eulachhof, welcher in Winterthur gebaut wird.

STUDIO!SUS: Wie steht es mit den Misserfolgen?
→ In den neunziger Jahren gab es in den Hochschulen und in der Industrie Leute, welche mit dem Gedankengut der Nachhaltigkeit nicht vertraut waren oder sich sogar aktiv dagegen gewehrt haben. Mittlerweile wurden diese Leute aber mehrheitlich abgelöst. Persönlich hätte ich lieber, wenn diese Vision in der Lehre stärker verankert wäre, und zwar nicht nur bei den Umweltnaturwissenschaften und den Umweltingenieuren.

STUDIO!SUS: Zum Abschluss noch eine persönliche Frage: Als ETH-Ratspräsident sind Sie sicher häufig unterwegs. Kompensieren Sie den CO 2 -Ausstoss ihrer Flugreisen mit MyClimate?
→ Ich kompensiere nicht alle Flugreisen. Laut dem ECO 2-Rechner (www.ecos- peed.ch) brauche ich aber schon heute nur 3500 Watt und liege damit unter dem Schweizer Durchschnitt von 6000 Watt. In diesem Sinne kann ich sagen, dass ich etwas in diese Richtung tue!

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