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Autoren: Ana Sesartic und Matthias Stucki

FRANKEN VERSUS CO 2 : DER SCHWEIZER TOURISMUS BRINGT NICHT NUR GELD IN DIE KASSEN, SONDERN IST AUCH FÜR TREIBHAUSGASEMISSIONEN VERANTWORTLICH. DAS HERAUSFORDERNDE ZIEL IST EINE VORTEILHAFTE KLIMAEFFIZIENZ, SPRICH VIEL WERTSCHÖPFUNG UND WENIG EMISSIONEN. TOURISMUS UND KLIMA: SYMBIOSE ODER PARASITISMUS?
Schneeschmelze, Naturkatastrophen, Schlechtwetterperioden: Der Tourismus ist überdurchschnittlich vom Klimawandel betroffen. Anderseits ist der Tourismus durch seine hohen Treibhausgasemissionen auch mitverantwortlich für den Klimawandel und steht deshalb zunehmend unter Druck, einen Beitrag zur Reduktion dieser Emissionen zu leisten. Dabei besteht ein besonderes Interesse, diese Reduktionen möglichst ökonomisch effizient zu gestalten.
Um die Auswahl solcher ökonomisch effizienter und ökologisch effektiver Massnahmen zu erleichtern, haben wir in unserer Diplomarbeit die Klimaeffizienz des Schweizerischen Tourismus berechnet. Klimaeffizienz wurde definiert als die Menge an Kohlendioxid (CO 2 ) Emissionen pro generierten Franken Wertschöpfung. Somit wurde der durch den Tourismus verursachte Schaden mit dem entstandenen Nutzen verglichen. Dies erlaubte uns, diejenigen Tourismus-Sektoren zu identifizieren, welche hohe Emissionen verursachen, aber gleichzeitig eine tiefe Wertschöpfung haben (sprich, eine unvorteilhafte Klimaeffizienz vorweisen). Bei Reduktions-Massnahmen empfehlen wir, den Fokus auf solche Sektoren mit unvorteilhafter Klimaeffizienz zu legen.
Obwohl er ein wichtiger Treibhausgasemittent ist, wurde der Tourismus bisher in der Klimapolitik vernachlässigt. Jahr für Jahr verursacht der Tourismus ca. 3.1 Millionen Tonnen CO 2-Emissionen und ist verantwortlich für 8.4 Prozent der CO 2-Emissionen aus Schweizer Wirtschaftssektoren. Mit 0.23 Kilogramm CO 2-Emissionen pro Franken Wertschöpfung ist die Klimaeffizienz des Tourismus weit weniger vorteilhaft als im Schweizer Durchschnitt (0.006 Kilogramm CO 2 pro Franken). 84 Prozent der Treibhausgase vom Tourismus stammen aus dem Transport, 12 Prozent von der Hotellerie und 4 Prozent von touristischen Aktivitäten. In der unten stehenden Abbildung sind die Tourismus-Sektoren, ihre Emissionen und ihre Wertschöpfung aufgetragen. Der Transport (0.74 Kilogramm CO 2 pro Franken) und insbesondere der Flugverkehr (4.25 Kilogramm CO 2 pro Franken) haben die am wenigsten vorteilhafte Klimaeffizienz.

KLIMASCHUTZ MIT KÖPFCHEN
Massnahmen sind dort effektiv, wo die Emissionen gross sind, und dort effizient, wo die Klimaeffizienz unvorteilhaft ist. Somit sollten die Massnahmen vor allem beim Verkehr ansetzen. Insbesondere im Flugverkehr sind aus ökonomischer wie ökologischer Sicht Massnahmen gefordert, da pro Franken Wertschöpfung mehr als 4 Kilogramm CO 2 emittiert werden. Die Klimaeffizienz des Flugverkehrs wird verbessert, wenn die Emissionen sinken und/oder die Wertschöpfung steigt. Durch verbessertes Flugverkehrsmanagement könnten die CO 2-Emissionen um 6 bis 12 Prozent gesenkt werden. Erhöhte Flugticket-Preise, zum Beispiel wegen einer CO 2-Steuer, würden die Wertschöpfung steigern und die Klimaeffizienz verbessern. Doch auch wenn die Klimaeffizienz des Flugverkehrs deutlich verbessert würde, wäre sie immer noch weniger vorteilhaft als in anderen Tourismus-Sektoren. Darum muss der Flugverkehr substantiell vermindert und durch andere Verkehrsmittel ersetzt werden. Die Eisenbahnen in der Schweiz haben beispielsweise eine mehr als 200-mal bessere Klimaeffizienz als der Flugverkehr und verursachen pro Franken Wertschöpfung gerade mal 20 Gramm CO 2 .
Tabelle Klimaeffizienz
Die Politik ist gefordert, die (Steuer-)Vorteile des Flugverkehrs abzubauen und statt dessen klimafreundliche Mobilität zu fördern. Reisebüros könnten spannende Angebote mit tiefen Treibhausgasemissionen anbieten. Und auch Du kannst deinen Beitrag zum Klimaschutz leisten, wenn Du das nächste Mal Ferien planst: bei der Wahl der Feriendestination und des Verkehrsmittels. Wer anstatt in die Ferne zu schweifen, seine Ferien in der Nähe verbringt, schont das Klima und spart Reisekosten. Wer selten und dafür lange Ferien macht, anstatt viele Kurztrips zu buchen, hat mehr Zeit, seine Feriendestination kennen zu lernen und verursacht insgesamt weniger Emissionen.
Auch die Wahl der Unterkunft und Aktivitäten haben Einfluss aufs Klima. Eine Übernachtung im Hotel verursacht durchschnittlich knapp 10 Kilogramm CO 2 , in der Jugendherberge 3 Kilogramm CO 2 , und auf dem Campingplatz nur 300 Gramm. Sportaktivitäten mit grosser Infrastruktur (z.B. Skifahren) sind weniger klimafreundlich als Museums-Besuche und Städtebesichtigungen. Bestrebungen von Hotelpower und den Schweizer Jugendherbergen sind im Gang, die Emissionen im Übernachtungs-Sektor zu vermindern. Verbesserte Isolation und Erneuerbare Energien sind Beispiele für Klimaschutzmassnahmen bei Gebäuden. Solche Initiativen könnten durch strenge, verbindliche Energiestandards unterstützt werden.
Wir finden, perfekt ist niemand, und wenn Du bei der Wahl der Feriendestination und des Verkehrsmittels klimafreundlich entschieden hast, dann lasse Dich ruhig am Ferienort verwöhnen. Verglichen mit den Verkehrsmissionen sind die Emissionen der meisten Touristenaktivitäten marginal. Insgesamt hat der Tourismus ein grosses, bisher noch unerfülltes Klimaschutz-Potential. Dies anzupacken bedeutet nicht weniger Ferien, sondern mehr Klimaeffizienz.

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