myclimate — klimaneutral leben und erneuerbare Energien fördern

Dieser Beitrag ist Teil 13 of 14 in der Serie Studio!Sus 6 - Energie
In der Klima- und Energiedebatte wird oft von freiwilligen Massnahmen gesprochen. Diese sollen effizienter zum Ziel führen als Gesetze, da sie bereitwilliger akzeptiert werden. Die Stiftung

myclimate

bietet seit bald vier Jahren freiwilligen Klimaschutz für jedermann.

myclimate wurde 2002 im Rahmen von [project 21] von Studierenden der ETH Zürich gegründet. Auslöser war eine Nachhaltigkeitskonferenz in Costa Rica, zu der mehrere Dutzend VertreterInnen der ETH per Flugzeug anreisten – und dabei pro Person 3.5 Tonnen CO2 emittierten! Wenn schon fliegen, dann klimaneutral, sagten sich die Initianten, und riefen die Klima-Kompensation ins Leben. Das Prinzip ist einfach: CO2-Emissionen, welche beim Fliegen, Autofahren oder Heizen entstehen, können durch Klimaschutz-Projekte wieder eingespart werden. So werden die entstandenen Emissionen an einem anderen Ort kompensiert. Da sich CO2 relativ schnell in der Atmosphäre verteilt, spielt es keine Rolle, wo Klimagase emittiert und wo sie eingespart werden.

myclimate hat derzeit etwa zehn Klimaschutzprojekte im Portfolio. Eines davon steht im indischen Himalaja: Die Vegetationsperiode in Ladakh dauert nur drei Monate und die landwirtschaftlich nutzbare Fläche ist sehr klein. Die Subsistenzwirtschaft ist daher auf Getreideproduktion ausgerichtet, welche kaum genügend Nahrung für die langen Winter ergibt. Ladakh ist nur über eine kurze Zeitperiode im Jahr über die Strassen zu erreichen, denn die Pässe sind meistens zugeschneit. Viele Nahrungsmittel müssen also über den Luftweg eingeflogen werden. Das Projekt verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz. Ziel ist es, der ländlichen Bevölkerung die Möglichkeit zu geben, die Vegetationsperiode zu verlängern und damit ihre Lebensbedingungen zu verbessern. Innerhalb dieses Projektes unterstützt myclimate den Bau von 500 solaren Treibhäusern. Dadurch kann das Gemüse lokal angebaut werden und muss nicht mehr von weit weg eingeflogen werden. Dies trägt zum Klimaschutz bei. Zusätzlich unterstützt myclimate den Bau von 20 Kleinwasserkraftwerken, die in abgelegenen Regionen den Einsatz von Dieselgeneratoren überflüssig machen.

Heute gehört myclimate zu den europaweit führenden Anbietern von freiwilligen Kompensationsmassnahmen. Zu ihrem Kundenkreis zählen Unternehmen, öffentliche Verwaltung, Non-Profit-Organisationen und Event-Organisatoren, welche die klimawirksamen Emissionen ihrer Geschäftstätigkeiten kompensieren. Darüber hinaus fördert myclimate den öffentlichen Dialog über Klimaschutz, wie beispielsweise mit einer Ausstellung im Verkehrshaus der Schweiz. Freiwilliger Klimaschutz kann bindende Gesetze zur Reduktion von Klimagasen und zum Energiesparen nicht ersetzen. Er ist jedoch ein wichtiger erster Schritt: Eine klimaneutrale Firma kann sich als Klima-Pionier profilieren und «ihr» Klimaschutz-Projekt der Kundschaft präsentieren. Weitere Umweltmassnahmen wie die Aufhebung von Parkplätzen oder die Sanierung der Bürogebäude sind aus kommunikativer Sicht die logische Folge. Und plötzlich ist der Klimaschutz kein Muss mehr – sondern macht Spass und gehört langsam aber sicher zum guten Ton. Das Gesetz, welches irgendwann erlassen wird und auch noch die Uneinsichtigen zum verantwortungsvollen Umgang mit der Energie zwingt, sollte zuletzt eine reine Formsache sein…


Renat Heuberger ist diplomierter Umweltnaturwissenschaftler ETH und heute Geschäftsleiter der Stiftung myclimate. Daneben hält er die Vorlesung «Umwelt- und Wirtschaftspolitik» an der Hochschule Wädenswil. Er war Mitgründer von [project 21] und seed sustainability, wo er heute als Vizepräsident amtiert.



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2017-03-21T19:36:19+00:00 März 21st, 2017|